„Den Blick nach vorne richten“

Die Hauptstelle der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe an der Friedrich-Ebert-Straße.
Die Hauptstelle der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe an der Friedrich-Ebert-Straße.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Das möchte Sparkassen-Chef Ralf Wagner. Politiker wollen aber die Gründe für die Schieflage erfahren und auch, dass Schuldige benannt werden.

Dinslaken..  Das erste Treffen mit hiesigen Lokalpolitikern hat Sparkassen-Chef Ralf Wagner am Montag absolviert. Es sei eine lebendige Veranstaltung mit einer Reihe von Nachfragen gewesen, sagte er gestern im Gespräch mit der NRZ. Es ging dabei allein darum, die Politiker zu informieren. Immerhin sollen sie der Eigenkapitalerhöhung zustimmen. Am nächsten Dienstag ist Wagner in Voerde, am 25. Februar in Hünxe.

Ralf Wagner setzt bislang allein auf die Erhöhung des Eigenkapitals. Damit will er die Eigenständigkeit der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe erhalten. „Es gibt aktuell keine Sondierungsgespräche“, sagte er mit Blick auf eine Fusion mit einer anderen Sparkasse. Die wird es aber zwangsläufig geben, sollten die Trägerkommunen die Finanzspritze von 35 Millionen Euro verweigern. Die Summe, so Wagner, müsse Ende 2016 in den Büchern der Sparkasse stehen.

Hilfe erhofft sich Wagner auch vom Kreis. Er soll als vierter Partner Geld geben. Nach den Grünen lehnt das auch die Fraktion von FDP und VWG ab. „Eine finanzielle Beteiligung des Kreises Wesel kann den anderen Kommunen nicht zugemutet werden“, heißt es in einer Pressemitteilung. Darin wird auch eine vollständige und schonungslose Aufklärung der Gründe die für Schieflage der Sparkasse gefordert.

Ralf Wagner möchte dagegen lieber den Blick allein auf die Lösung des Problems richten. Eine Abrechnung mit der Vergangenheit helfe dabei nicht weiter. Sie sei ja abgeschlossen. Die Gestaltung der Zukunft könne nicht mit Antworten aus der Vergangenheit, mit der Suche nach Gründen und Verantwortlichen geschehen. Vielmehr sollte überlegt werden, wie die Region in fünf bis zehn Jahren aussehen könnte, so Wagner.

Für Wolfgang Weinkath und Uwe Krins, die für die AfD im Kreistag sind, sollte die Entwicklung bei der Sparkasse Anlass sein, sich generell über die Besetzung von Aufsichtsgremien Gedanken zu machen. Hier sollte an erster Stelle die Qualifikation der in die Gremien entsandten Mitglieder stehen. Die Verantwortlichen müssten sich schon kritische Fragen gefallen lassen. Es müsse am Ende aber eine für alle tragbare Lösung geben, damit die Sparkasse „auch zukünftig unabhängig“ weiterarbeiten könne.

Sondertilgung

Die Entwicklung bei der Sparkasse beschäftigt die Leute. Auf Parkplätzen wird darüber diskutiert, werden Vorschläge ausgetauscht, was gemacht werden könnte. Angesichts der Berichterstattung über mögliche „Rettungsversuche“ meint NRZ-Leser Volker Weyland, dass die Darlehensnehmer der Sparkasse helfen könnten. Das Kreditinstitut müsste dazu den Darlehensnehmern eine außerordentliche, einmalige Sondertilgung einräumen. „Bei 1000 Darlehen á 10 000 Euro Sondertilgung wären das schon 10 Mio. Euro“, so Weyland.

Natürlich verringere sich dadurch der Gewinn in den nächsten Jahren, räumt Weyland ein. Aber das will die Sparkasse auf jeden Fall vermeiden. Ein solches Vorgehen bringe nichts, man tausche nur zwei Probleme, sagte auf NRZ-Anfrage Norbert Bieniarz, Pressesprecher der Sparkasse. Das Geldinstitut würde zukünftige Einnahmen verlieren. Deshalb sei in der jetzigen Situation ein Sondertilgungsangebot kontraproduktiv. Die Sparkasse verfolge für dieses Jahr das Ziel eines gesunden Wachstums, betont Wagner. „Wir wollen nicht schrumpfen, sondern wachsen“, meint er mit Blick auf den Vorschlag der Sondertilgung.

Der Kreditnehmer müsste zusätzlich eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen. Das hängt damit zusammen, dass das Geldinstitut für die Refinanzierung des Kredites Einlagen oder Anleihen verwendet hat, die für den selben Zeitraum festgeschrieben sind. Weil sie die nicht vorzeitig auflösen kann, entsteht für die Bank ein finanzieller Schaden.

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