Den Blick auf den einzelnen Schüler richten

Melanie Unglaub, Silke Schepp und Verena Nogaj (v.l.) vom Zentrums-Team im Wartebereich, den Schüler an einer Wand farbenfroh gestaltet haben.
Melanie Unglaub, Silke Schepp und Verena Nogaj (v.l.) vom Zentrums-Team im Wartebereich, den Schüler an einer Wand farbenfroh gestaltet haben.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Das Gymnasium Voerde hat ein „Zentrum für Beratung und Pädagogische Diagnostik“ eingerichtet. Damit will die Schule ihr Konzept der individuellen Förderung um das Angebot einer Einzelfallberatung erweitern.

Voerde..  Das Gymnasium erweitert sein Konzept der individuellen Förderung: Nach einer langen Vorbereitungsphase geht nun mit Beginn des zweiten Schulhalbjahres das „Zentrum für Beratung und Pädagogische Diagnostik“ offiziell an den Start. Die farbenfrohe Wandmalerei, die Schüler im Wartebereich vor den Büros des Zentrums unter Anleitung ihrer Kunstlehrerin Catina Bürlet mit Pinseln gestaltet haben, versinnbildlicht schon einiges von dem Gedankenansatz, der hinter dem neuen Angebot steht: Das Bild zeigt einen Dschungel, in dem viele verschiedene Wesen zusammenleben und sich entwickeln. Eben jene Vielfalt findet sich auch in der Schülerschaft wider. Da gilt es, den Blick auf den Einzelnen zu richten, ihn in seiner Persönlichkeit wahrzunehmen. An den Schulen wird die individuelle Förderung immer wichtiger, weiß das mehrköpfige Team des neuen Zentrums, in dem fortan die Fäden der schulischen Beratung auf der einen und der Beratung bei persönlichen Problemen auf der anderen Seite zusammenlaufen.

Die schulische Beratung als eine Säule des neuen Zentrums umfasst die Förderung von Begabung sowie die unterstützende Förderung, das individuelle Lerncoaching. Mit Hilfe diverser Testverfahren sollen verlässliche Aussagen über Begabungen in verschiedenen Bereichen sowie über Lern- und Arbeitsverhalten, Konzentration und Stressverhalten gemacht werden können.

Individuelle Förderung richtet sich bei dem Konzept nicht nur an Schüler mit Lernschwäche oder an die sogenannten Hochleister, denen es gelingt, ihr Potenzial im Schulsystem erfolgreich zu entfalten und in sehr gute Noten umzusetzen. Auch gibt es Schüler, deren Noten nicht das widerspiegeln, was sie wirklich können, die im Unterricht „auf ganz kreative Lösungen kommen“, die in „andere Richtungen denken“, wie Lehrerin und Zentrums-Teammitglied Verena Nogaj erläutert. Die Frage ist, warum diese Schüler ihre Begabung „nicht in gute Noten umsetzen können“. Ein Ansatz für die Diagnostik, die im Zuge der Testverfahren zum Einsatz kommt.

Vielfältiges Feld der Begabungen

Angewandt werden in dem neuen Beratungszentrum am Gymnasium Voerde drei Ansätze: Das LAVI, das Testverfahren zu Lern- und Arbeitsverhaltensinventar, das Aspekte wie die Fähigkeit wirksamer Stoffverarbeitung, Stressbewältigung oder die grundsätzliche Bereitschaft, pflichtbewusst, konzentriert und gründlich zu lernen, beinhaltet.

Der Konzentrationsleistungstest wäre dann angezeigt, wenn es über einen längeren Zeitraum Probleme gibt, sich zu konzentrieren. Das vielfältige Feld der Begabungen wird mittels des Testverfahrens „Münchener Hochbegabungstestbatterie-Sekundarstufe“ in den Blick genommen. Dabei geht es nicht nur um Begabungen, die alleine den IQ betreffen, wie Verena Nogaj betont.

Da spielen etwa Kreativität unterschiedlicher Art und problemlösendes, produktives Denken oder soziale Kompetenzen eine Rolle. Die Schüler werden in der Beratung entsprechend ihrer Bedürfnisse auf bestehende Förderprogramme an der Schule hingewiesen. Das Angebotsportfolio solle noch wachsen, betont Silke Schepp, die im Zentrum für die Begabungsförderung zuständig ist. Im vergangenen halben Jahr lief ein Testlauf mit fünf Schülern im Bereich der schulischen Beratung, bei der auch die Diagnostikverfahren zum Einsatz kamen.

Ein Zweig der zweiten Säule, die ein „niederschwelliges psychosoziales Angebot“ sein soll, ist die „sozialpädagogische Beratung“, die es am Gymnasium schon vorher gab und in Händen eines Sozialpädagogen liegt. Hinzu kommen eine allgemeine und eine Einzelfall-/Familienberatung. Die in der „Beratung bei persönlichen Problemen“ eingesetzten Lehrer durchlaufen Weiterbildungen – im Bereich Psychologie oder in systemischer Familienberatung wie im Fall von Verena Nogaj, die mit ihrer Kollegin Melanie Unglaub die Gründung des Beratungszentrums anstieß. Es geht um Themen wie Prüfungsangst, Hyperaktivität, Trennung der Eltern. Es kommt vor, dass die Schule „für Schüler die einzige Anlaufstelle ist“, erklärt Gerd Kube, Leiter des Gymnasiums.

Das farbenfrohe Bild im Wartebereich des neuen Zentrums steht für Leitgedanken des neuen Beratungsangebotes: Optimismus, Wohlfühlen und dafür, Ängste nehmen zu wollen, wie Silke Schepp betont.

Das neue Beratungsangebot basiert auf Freiwilligkeit, wie Silke Schepp betont. Die Verantwortung der Veränderung liegt gemäß der Leitidee des Gymnasiums Voerde („Verantwortung Leben“) beim Schüler; Berater und Coach dienen der Unterstützung selbst gesetzter Ziele. Der Lerncoach soll kein Fachlehrer des betreffenden Schülers sein.