Deichbau: Stadt hinterfragt Vorgaben

Ein zweireihiger mobiler Hochwasserschutz ist auf der Dammstraße nicht möglich, denn die Straße muss befahrbar bleiben.
Ein zweireihiger mobiler Hochwasserschutz ist auf der Dammstraße nicht möglich, denn die Straße muss befahrbar bleiben.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Im Voerder Rathaus wird an der Stellungnahme gearbeitet. 59 Einwendungen sind bei Freitag eingegangen.

Voerde..  Die Bürgerbeteiligung zum Deichsanierungsprojekt Mehrum 3 geht in die Zielgerade: Eineinhalb Wochen bleiben noch, Einwendungen zu dem Bauvorhaben zu formulieren, das in der geplanten Ausführung mit einer bis zu fünf Meter hohen Mauer das Ortsbild des Rheindorfes Götterswickerhamm massiv verändern würde. 59 Einwendungen sind bislang im Rathaus abgegeben worden, wie Planungsamtsleiter Hans-Martin Seydel gestern erklärte. Die Stadt geht davon aus, dass in der letzten Woche noch mit etlichen weiteren zu rechnen ist.

Laut Seydel fehlen größtenteils noch die Einwendungen der Anwohner, deren Grundstücke durch die Baumaßnahme in Anspruch genommen werden. Der Planungsamtsleiter betont, dass man nicht in Götterswickerhamm wohnen muss, um durch die geplante Deichsanierung in seinen Belangen berührt zu sein und um ergo Bedenken anmelden zu können. Seydel verweist hier etwa auf die Aspekte Erholung oder das Image der Stadt.

Die Kommune selbst arbeitet gerade an ihrer Stellungnahme, die sie hofft, Ende kommender Woche auf ihrer Homepage veröffentlichen zu können, um Bürgern damit eine Art Leitfaden für eigene Einwendungen anzubieten. Zunächst setzt sich die Stadt in ihrer Positionierung zu der Deichbaumaßnahme mit den Planungsvorgaben auseinander, die der Deichverband als Bauherr umsetzen muss: Da ist das zugrunde gelegte 500-jährliche Bemessungshochwasser, das die Verwaltung als richtiges Maß für den Polder hinterfragt.

Ein weiterer zentraler Punkt ist aus Sicht der Stadt, ob in Götterswickerhamm Bergbau-Einwirkungen vorliegen oder nicht. Wenn ja, sei der Bergbau an der Finanzierung der Deichsanierung zu beteiligen, betont Seydel – wenn nein, müsse die Vorgabe des erhöhten Schutzmaßes (1,50 statt ein Meter Freibord) wegfallen. Zudem nennt er die Vorgabe der Deichaufsichtsbehörde, dass der mobile Hochwasserschutz ab einer Höhe von mehr als einem Meter zweireihig umzusetzen ist. Damit scheidet aus, die Deichsanierung auf der Dammstraße, die heute die Hochwasserschutzlinie bildet, zu realisieren. Würde man auf der alten Trasse planen, muss die Dammstraße befahrbar bleiben, erklärt Seydel und betont: Sollte eine der besagten Vorgaben wegfallen, muss neu überlegt werden, weil es nicht nur eine, sondern mehrere Planvarianten gibt, „die ihre Vor- und Nachteile haben“.

Dem drohenden Szenario einer das Rheindorf durchziehenden meterhohen Mauer hält die Verwaltung die Rolle Götterswickerhamms im Gefüge der Stadt und im Selbstverständnis der Bürger, den Standortfaktor und die regionale Bedeutung entgegen. „Dieser Ort ist prädestiniert für qualitätsvollen Tourismus. Das würde zerstört, wenn die Sichtbeziehungen zum Rhein nicht mehr vorhanden sind.“ Die Stadt fordert für den Fall, dass die Vorgaben nicht kippen, mehr mobilen Hochwasserschutz, besser noch große Abschnitte in festem Hochwasserschutzglas zu realisieren, durch das sich von der Mauer 1,50 Meter in der Höhe wegnehmen ließen. Mit Blick auf die Kirche, die Gaststätten und das Dorfgemeinschaftshaus verlangt sie „nicht einfach eine Mauer zu bauen, ohne die städtebaulichen Belange zu betrachten“. Anstatt langer Rampen als Zugang zum Rhein will die Stadt Deichtore installiert sehen.

Noch bis inklusive Dienstag, 21. Juli, können bei der Stadt Voerde oder bei der Bezirksregierung Düsseldorf schriftlich Einwendungen zum Deichbauprojekt unter Angabe des Aktenzeichens 54.04.01.05 - Mehrum 3 eingereicht werden.

Wer noch Fragen dazu hat, kann sich an die Stadt wenden, wie Planungsamtsleiter Hans-Martin Seydel erklärt.