Das Zwei-Groschen-Kino

Organisator Ben Perdighe mit Teilnehmern des Kurzfilmwettbewerbs.
Organisator Ben Perdighe mit Teilnehmern des Kurzfilmwettbewerbs.
Foto: Funke Foto Services
Die Abstimmung um den Kurzfilmpreis „Kleiner Hercules“ erfolgte per Münzeinwurf.

Dinslaken.. Filmfeste sind ja eigentlich immer etwas mit Glamour behaftet. Warum eigentlich? Wenn es darum geht, den bewegten Bildern auf der Leinwand etwas adäquat im Gedächtnis Haftendes bei der Präsentation entgegenzusetzen, müsste die Entscheidung um den Kurzfilm-Preis „Kleiner Hercules“ am Donnerstagabend in der ersten Reihe mitspielen. Statt auf dem roten Teppich vor einem illustren Filmpalast zu posieren, standen die Filmemacher und die Zuschauer, die zugleich Juroren waren, vor dem Leerstand auf der Rittergasse Schlange - jeder in Ermangelung ausreichender Sitzgelegenheiten im Vorführraum mit seinem eigenen Klappstuhl in der Hand.

So ausgerüstet ging’s zum Tresen, wo nicht nur das „Pilsss“ zugunsten aller Künstler des diesjährigen „Kunst sta(d)tt Leerraum“ ausgeschenkt wird, sondern wo auch Ben Perdighe Groschen verteilte. Zwei für jeden, um nach der Vorführung von 18 Kurzfilmen von acht Filmpreisbewerbern per Münzeinwurf in durchnummerierte Plastikbecher über den Gewinner des „Hercules“ zu entscheiden.

Drinnen in der ehemaligen Küche des leerstehenden Lokals ist es stockfinster. Wie im richtigen Kino halt. Deshalb kommt auch die „Eisfee“ und verkauft Eis vor der Vorstellung. Wie im richtigen Kino halt. Dann beginnt die Achterbahnfahrt durch die Welt des Kurzfilms. Von Videoclips von Bool, Lwood und Lost Boyz Army bis hin zur „Dokumentation“ des Helikopter-Rundfluges eines gewissen Enrico Amore über New York - vom Flugplatz Schwarze Heide aus.

„Kommentieren ist erwünscht“ stellte „Kunst sta(d)tt Leerraum“-Kurator Ben Perdighe, der auch die Idee zum Kurzfilmfestival hatte, gleich zu Beginn klar. Also gab es Kinoemotionen pur - im Publikum. Skateboards und tolle Autos, egal ob alter Mercedes oder mit einem klassischen Pin-up bemalter Käfer, sind an und für sich schon Hingucker. Für das Styling von Birte McNeely im Videoclip zu „Let’s go to Hell“ gilt das ebenso.

Neutor Galerie und Boiler

Aber es gibt auch richtige Schocker. Und da sorgten weder die Band Arkham Angst mit ihrer Stummfilm-Ästhetik noch der Brutalo-Polizist im Beitrag von Fabian Hülsen „I feel fine“ für das größte Alptraum-Potenzial, sondern Ingo Borgardts mit seiner Diashow halb verkohlter Kinderpuppen in einer Hausruine.

Ingo Borgardts steuerte dem Abend auch die größte Langzeitstudie im Film bei. Mit fest montierten Kameras hat er den kompletten Bau der Neutor Galerie festgehalten. Im Film läuft dieser im Zeitraffer ab, unterlegt mit O-Tönen, die sich mit Konsum im allgemeinen und Einkaufszentren der Region im Besonderen auseinandersetzen. Die Idee dazu hatte übrigens Wittek, der selbst mit zwei Produktionen vertreten war: Ein Zeichentrickfilm seiner denkwürdigen Haushaltsgeräte, den „Boilern“ und ein Stop-Motion-Videoclip im Aardman-Stil.

Sebastian Perdighe ist professioneller Videokünstler. Von ihm stammten die anonym gezeigten Publikumsfavoriten „Ein Bier auf Ex in 16 Sekunden“, die klare Ansage an eine Kaffee-Kette und der wunderschöne Zeichentrickfilm über die Panzer, die Herzchen, Smileys und Teddybären schossen. Aber was reichte zum Sieg? Das verrät Ben Perdighe erst heute.

Das Programm

Die „Kunst sta(d)tt Leerraum-Ateliers sind am heutigen Samstag, 20. Juni, von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Man findet sie an der Friedrich-Ebert-Str. 54 und 56 (u. a. Tape Art von Max Zorn), der Ritterstraße 3 - 5 (u. a.), Eppinghovener Str. 8 (u. a. Sebastian Perdighe), Neustraße 19-21 und Saarstraße 2). Auch ein Besuch wert: die Wagen, die auf dem Neutorplatz parken werden.

Um 20 Uhr beginnt die Abschlussparty im Ulcus, Duisburger Straße, 35, mit allen Künstlerinnen und Künstlern. Hier werden die Gewinner des „Kleinen Hercules“ für den besten Kurzfilm und das beliebteste Atelier gekürt.