Das rappende Saxophon

Candy Dulfer und Ulco Bed in der Zentralwekstatt der ehemaligen Zeche Lohberg.
Candy Dulfer und Ulco Bed in der Zentralwekstatt der ehemaligen Zeche Lohberg.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Candy Dulfer hat sich neu erfunden und mixt Funk mit Discobeats

Dinslaken..  Candy Dulfer: Das war die 19-jährige Tochter von Hans Dulfer, die mit Dave Stewart eines der bekanntesten Instrumentalstücke der 80er Jahre einspielte. Die Holländerin bei den Liveauftritten von Prince. Die Blondine, die auf Jazzfestivals mit ungeheurer Präzision und unbändiger Energie Funk an der von Maceo Parker spielte. Mit ihrem Ruf hätte sich die Grammy-Nominierte von 1990 zurücklehnen und ihr Saxophonspiel mit jener Patina veredeln können, die in Jazz und Funk als ein besonderes Qualitätsmerkmal der musikalischen Reife gilt.

Aber würde das zu der quirligen Blondine tatsächlich passen? „Put your hand in the air“ rappt Ricardo ‘Phatt’ Burgrust an ihrer Seite, während die Lichtshow in der Lohberger Zentralwerkstatt ein Strobegewitter zum Donnern der Drums von DJ Ruben van Room zucken lässt. Candy Dulfer hat sich in den letzten Jahren komplett neu erfunden und setzt für ihre neuen Stücke auf Rap, Hip Hop und Dancefloor, um zwischen Publikumsanimation und Breakbeats ihrer Lust an der Improvisation freien Lauf zu lassen. Am Dienstag verbreitete sie im Rahmen des „Summer of love“ vor rund 200 Zuschauern in der ehemaligen Zechenhalle Partylaune.

Altfans, die die Saxophonistin vor allem mit der 1989er Ballade „Lily was here“ verbinden, wunderten sich über die neue Candy Dulfer nicht schlecht. Natürlich spielte sie auch ihren alten Hit, bot mit Gitarrist Ulco Bed einen der stärksten Momente des Abends, als die beiden nur zu zweit improvisierten, als sei das Vier-Ton-Thema von Dave Stewart ein alter Jazz Standard.

Explosive Mischung

Aber bezeichnender für das Konzert als ganzes war die Zusammenarbeit für ihr letztes Album „Crazy“ von 2011 mit Printz Board, seines Zeichens musikalischer Direktor der Black Eyed Peas. Dulfer wiederholt zunächst ihre Saxophon-Motive, als seien sie gesampelt, ihre Band spielt dieses Spiel mit. Doch dann bricht sie aus dem engen Rahmen, der die aktuellen Hip Hop und R‘n’B-Strömungen stecken, aus. Funk und Latin mischen sich zu einer explosiven Mischung, die sie schließlich in Beds rockigem E-Gitarren-Solo entlädt. Danach kann nur noch „Lily was here“ folgen: als Ruhepunkt.

Der mit „Crazy“ eingeschlagene Weg wird mit dem nächsten Album wohl noch weiter vorangetrieben werden: erste Live-Kostproben vermischen Rap, House mit Dulfers groovenden Funk. Selbst ihr Vater, inzwischen 75, ist als Komponist davon angesteckt. „Bass in your face“ mischt klassischen Rhythm ‘n’ Blues mit Rap.

Non-stop-Power in der Zentralwerkstatt, dann verlassen die Musiker nach rund 100 Minuten die Bühne. Was bleibt sind die stampfenden Discobeats des DJs.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE