Das Jesukind zum Greifen nah

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Was wir bereits wissen
Die Kirchen des Dekanats Dinslaken waren gestern erneut zur alljährlichen zur Krippenerfahrung geöffnet .

Dinslaken..  In der Messe standen die Heiligen Drei Könige noch Seite an Seite mit den Sternsingern vor dem Altar. Doch jetzt haben sie die Krippe mit der Heiligen Familie erreicht. Caspar kniet nieder. Auch wenn seine Gelenke schon ein wenig steif sind. „Es sind ja schon alte Figuren“, erklärt Elvira Bollwerk, die den Weisen mit den beweglichen Holzgliedern vorsichtig in Positur bringt, damit er sich wie ganz natürlich zum Jesuskind in der Krippe beugt. Während sich die Gemeinde im Anschluss an die 11 Uhr-Messe zum Neujahrsumtrunk im Pfarrheim versammelt, richten Elvira Bollwerk, Beatrix Horn und Claudia Veneziano noch die biblische Szene von der Anbetung der Könige in Heilig Geist Hiesfeld her. Denn am Nachmittag werden hier wie in allen Kirchen des Dekanats Dinslaken Kinder wie Erwachsene vor der Krippenlandschaft stehen und sich in das Geschehen vom Stall in Bethlehem hineinversetzen. „Wir haben hier in den Kirchen Ausdruckskrippen in den unterschiedlichsten Stilen und ganz verschiedenen Alters“, so Dechant Gregor Kauling. „Weil doch viele Kirchen meist geschlossen sind und es recht wenig Gelegenheit gibt, die Krippen zu besuchen, bin ich froh, dass es die alljährliche Krippenerfahrung gibt“.

„Das Wort ist Fleisch geworden“, hieß es gestern im Evangelium. Im Krippenbau schwingt das Bedürfnis der Menschen mit, das Weihnachtsgeschehen mit eigenen Augen zu sehen, es zum Greifen nah zu erleben. Krippen entsprechen diesem Verlangen.

König und Bergmann

Gregor Kauling selbst hat eine Krippe zu Hause, deren Figuren teils von ihm gekauft und teils von anderen geschenkt wurden. Am Heiligen Abend betet er davor noch einmal für alle Menschen, die er im Laufe des Jahres in besonderer Weise in seine Gebete eingeschlossen hat. Was ist für ihn bei einer Krippe essenziell? Dechant Kauling überlegt einen Moment und sagt: „Vom Kern her sind es die Mutter und das Kind. Gott ist nicht vom Himmel gefallen. Er wird von einer Frau in die Welt geboren“.

In unsere Welt. Und im Fall der Krippen in eine Welt, wie wir sie uns vorstellen. Mit liebevollen Details, die es zu entdecken gilt. Wie das Gewand eines der Drei Könige in Heilig Geist. Im Stoff ist das Bild des Verkündigungsengels und der Schriftzug „Gloria“ eingewirkt.

Auch bei der wohl besonderen Krippenfigur in St. Marien Lohberg kommt es auf den Stoff an. „Hemd und Hose wurden aus Stücken echter alter Bergmannskleidung genäht“, erklärt Johannes Boscheinen, der mit den 10 bis 15 aktiven des Krippenkreises alljährlich die größte Krippenlandschaft im Dekanat gestaltet. Die Holzfigur der Krippe, die seit 1961 beständig erweitert wurde, wechselte Ende der 90er Jahre ihren Beruf: vom Hirten zum Bergmann. So bringt er nun seine Gabe, ein Stück Kohle, zur Krippe. Komplett mit Helm auf dem Kopf und einer kleinen Grubenlampe, wie sie Bergleute zum Jubiläum erhielten, in der Hand.

Über 50 Quadratmeter erstreckt sich die Krippenlandschaft von St. Marien. Sie füllt die Werktagskapelle aus und zieht sich bis in den Chorraum. Ein Panorama mit echtem Stroh und Moos vor einer Kulisse, die der Sauerländer Künstler Ludger Krienold malte. Das Panorama erinnert an Israel. Nur ein Blick durch ein Tor gibt die „Skyline“ von Lohberg wieder: die Kirchtürme von St. Marien, der Lutherkirche und das Fördergerüst II.

Eine Stunde Arbeit stecke allein darin, die Anbetung der Könige zu inszenieren, so Boscheinen. Zur Krippenlandschaft gehören eine Quelle und ein Teich mit echtem Wasser, echter Weihrauch steigt aus einem Gefäß empor. Ein Kind streckt Jesus seinen Teddy entgegen. „Es war der Teddy eines inzwischen erwachsenen Sohnes einer der Frauen aus dem Krippenkreis“, so Boscheinen.

Sie hat auch einem Hirten mit einem Mullverband erste Hilfe geleistet, dessen Holzhand gebrochen war. Auch dies gehört zum echten Leben dazu, dessen Mittelpunkt das Kind in der Krippe ist.