Das ist eine klare Aufforderung

Dinslaken:.  Was denken die Dinslakener über ihre Stadt? Fühlen sie sich hier wohl, was macht Dinslaken für seine Bürger besonders lebenswert? Fragen wie diese haben wir in den vergangenen zwei Wochen in den Berichten über das NRZ-Bürgerbarometer beantwortet. Und nun geht es um den ersten Bürger der Stadt: Wie bewerten die Dinslakener die Arbeit von Dr. Michael Heidinger (siehe unten), der im Mai 2014 zum zweiten Mal zum Bürgermeister gewählt worden ist. Darüber und über weitere Ergebnisse des Bürgerbarometers haben wir mit ihm gesprochen.

In der heutigen Ausgabe des Bürgerbarometers berichten wir darüber, dass die Dinslakener Ihrer Arbeit – als Schulnote umgerechnet – eine gute Drei geben würden. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden? Wie bewerten Sie es?

Dinslaken ist eine wundervolle Stadt mit einem enormen Entwicklungspotenzial. Entsprechend ehrgeizig sind auch unsere Entwicklungsziele. Gemessen daran kann ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Es zeigt vor allem: Nach oben ist noch jede Menge Luft. Ich nehme das Ergebnis als klare Aufforderung der Bürgerinnen und Bürger, noch härter für unsere Stadt zu arbeiten und unsere Vorhaben noch besser zu erläutern.

Haben Sie das NRZ-Bürgerbarometer in den vergangenen beiden Wochen verfolgt? Was halten Sie von diesem Instrument?

Ich verfolge das NRZ-Bürgerbarometer sehr aufmerksam und bewerte es als eine wertvolle Unterstützung für die Politik insgesamt. Es zeigt Stimmungen und Einstellungen unserer Bürgerinnen und Bürger, die der Politik gerade auch wegen ihrer Repräsentativität wichtige Impulse geben können. Mit der regelmäßigen Wiederholung des Bürgerbarometers lassen sich zudem auch zeitliche Entwicklungen abbilden.

Können Sie daraus vielleicht sogar Erkenntnisse für Ihre eigene Arbeit ziehen? Wenn ja, welche?

Wer Verantwortung für die Entwicklung einer Stadt trägt, muss eine Vorstellung davon haben, wie die Menschen sich ihre Heimatstadt wünschen. Hierbei kann das Bürgerbarometer eine gute Orientierungshilfe sein. Vor allem aber zeigt es mir, wo die Bürgerinnen und Bürger politische Vorhaben anders wahrnehmen als sie geplant sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist der geplante Neubau des technischen Rathauses. Immerhin 59 Prozent der Befragten halten diese Maßnahme für vollkommen überflüssig. Die Ablehnung resultiert wohl aus der Vermutung, dass der Neubau ein bloßes Prestigeobjekt ist, mit dem lediglich das Wohlbefinden der städtischen Bediensteten verbessert werden soll. Das ist aber grundfalsch! Wir planen den Neubau des technischen Rathauses nur aus einem einzigen Grund: Die Unterbringung des technischen Vorstandsbereichs soll nach Ende des jetzigen Mietvertrages, also 2019, billiger werden. Dies lässt sich entweder durch den Neubau erreichen oder dadurch, dass die bloße Planung einer Alternative die jetzige Vermieterin motiviert, ihre Mietforderungen zu reduzieren. Das heißt: Gleichgültig, ob das technische Rathaus neu gebaut wird oder nicht; in jedem Fall wird die Unterbringung des technischen Dezernats ab dem Jahr 2019 kostengünstiger werden! In diesem Sinne hat mir das Bürgerbarometer einen wertvollen Hinweis gegeben, wo wir unsere Politik deutlich besser erklären müssen.

Die Dinslakener fühlen sich in Dinslaken unglaublich wohl. Inwiefern glauben Sie, dass die Entwicklungen in der Stadt, zum Beispiel in Lohberg und in der Innenstadt, dazu beitragen?

In der Tat ist es für einen Bürgermeister schön zu lesen, mit welch unglaublich positivem Lebensgefühl die Menschen in Dinslaken wohnen. Für ein solches Lebensgefühl sind immer mehrere Ursachen verantwortlich. Auch die bemerkenswerten Erfolge in der Stadtentwicklung leisten hierzu sicher einen Beitrag. Die Bürgerinnen und Bürger sind darüber hinaus aber auch einfach stolz darauf, was sowohl ehrenamtlich als auch hauptamtlich engagierte Menschen in unserer Stadt so auf die Beine stellen. Und sie haben auch allen Grund dazu!

Fast die Hälfte der Dinslakener fühlt sich als Niederrheiner, nur jeder fünfte fühlt sich als Potti. Hat Sie das Ergebnis überrascht? Wo würden Sie Dinslaken verorten?

Das Ergebnis hat mich nicht überrascht. Es entspricht dem Lebensgefühl der Menschen, wie ich es tagtäglich in unserer Stadt erlebe. Ich verorte Dinslaken so, wie auch 28 Prozent der Befragten es tun. Wir sind beides. Wir sind das „Grüne Tor zum Ruhrgebiet“! Wir gehören zum Niederrhein mit seiner landschaftlichen Schönheit und seinen attraktiven touristischen Angeboten. Wir sind aber auch Bestandteil des Ruhrgebietes. Und damit des nach London und Paris drittgrößten Ballungsraumes in Europa mitsamt seinen wirtschaftlichen, beschäftigungs- und bildungspolitischen sowie kulturellen Möglichkeiten. Übrigens: Addiert man die Rubriken „Beides“ und „Ruhrpottler“, bekennt sich immerhin fast die Hälfte der Befragten zum Ruhrgebiet. Auch ein schönes Ergebnis. Glückauf.

Das ÖPNV-Angebot wird von den Dinslakenern vergleichsweise schlecht bewertet, der desolate Zustand des Bahnhofs spielt dabei sicher eine Rolle. Wo sehen Sie als Bürgermeister Möglichkeiten, die Situation zu verbessern?

Wir sind mit den Verkehrsunternehmen in einem ständigen Dialog, um zu prüfen, wo das ÖPNV-Angebot verbessert werden kann. Zur Ehrlichkeit gehört aber auch dazu: Stellen wir Forderungen nach einer Verbesserung von Verkehrsverbindungen, die sich für das Verkehrsunternehmen nicht rechnen, so würden wir dafür bezahlen müssen. Für die Verbesserung von Bahnhof und Bahnhofsumfeld haben wir eine klare Perspektive aufgezeigt. Den Bahnhofsvorplatz werden wir in diesem Jahr überplanen und dann mit Fördermitteln neu gestalten. Den Güterbahnhof wollen wir mit Hilfe des Programms Flächenpool NRW weiter entwickeln. Das Bahnhofsgebäude selbst wollen wir erwerben und durch den Einsatz von Fördermitteln umfassend sanieren. Ziel dabei ist, die Sanierung mit Hilfe der Fördermittel und der Rückvermietung an die Bahn ohne den Einsatz von städtischen Geldern zu realisieren.