„Das hat mit Integration nichts mehr zu tun“

Gerhard Greiner kritisiert die geplante Unterbringung von Flüchtlingen im Hardtfeld.
Gerhard Greiner kritisiert die geplante Unterbringung von Flüchtlingen im Hardtfeld.
Foto: WAZ FotoPool

Dinslaken..  Dass die Unterbringung von Flüchtlingen im Hardtfeld keine optimale Lösung ist, weiß man auch bei der Stadtverwaltung. Dennoch sieht man angesichts stetig steigender Flüchtlingszahlen keinen anderen Ausweg, als auch diese Unterkunft herzurichten. Und so soll der Rat der Stadt am kommenden Dienstag beschließen, den nicht mehr genutzten Mehrgeschossbau im Hardtfeld für knapp 270 000 Euro zu sanieren, um dort Flüchtlinge unterzubringen.

Probleme sieht man bei der Stadtverwaltung alleine, weil Flüchtlinge und die dort lebenden, etwa 25 Wohnungslosen nicht miteinander auskommen könnten. „Das Verhältnis ist nicht spannungsfrei“, beschreibt das Stadtsprecher Horst Dickhäuser.

Einen anderen Aspekt kritisiert Gerhard Greiner, Flüchtlingspfarrer im Ruhestand: „Flüchtlinge im Hardtfeld unterzubringen, hat mit Integration nichts mehr zu tun. Und um diese geht es, auch bei Asylbewerbern und Bewerberinnen, vom ersten Tag an“, so Greiner. Anstatt die Flüchtlinge in der Fliehburg oder im sehr entlegenen Hardtfeld unterzubringen, fordert Greiner die dezentrale Unterbringung in angemieteten Wohnungen, weil das der Schlüssel zur Integration in die Gesellschaft sei. Etwa in Leverkusen funktioniere das hervorragend, rund 2500 Flüchtlinge leben in 1700 Wohnungen. Das sei nach Angaben aus Leverkusen auch noch kostengünstiger als die „Heimunterbringung“. Immerhin hat die Stadt Dinslaken inklusive der jetzt geplanten Maßnahmen bereits rund 6 Millionen Euro in die Flüchtlingsunterkünfte investiert, Zuschüsse von Bund oder Land gibt es dafür nicht.

In Dinslaken ist es Gepflogenheit, Flüchtlinge nur in Wohnungen einzumieten, wenn sie mindestens einen geduldeten Status haben, um auf Seiten von Vermietern und Flüchtlingen keine Hoffnungen zu schüren, die man im Falle einer Abschiebung am Ende nicht erfüllen könne. Die Stadt hat nach einem Aufruf in der NRZ zuletzt zehn Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet. Es sei aber schwierig, die vor allem benötigten großen Wohnungen für kinderreiche Familien zu finden.

Die Unterbringung im Hardtfeld ist als Übergangslösung gedacht, bis der Ausbau der Fliehburg für dann 750 Flüchtlinge abgeschlossen ist. Derzeit leben dort rund 420 Menschen, rund 50 in den auch hergerichteten Häusern an der Karlstraße.

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