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Das geht ins Mark

22.05.2012 | 18:50 Uhr
Das geht ins Mark
Die Jugendlichen in der Diskussion mit den Gecasteten.

Voerde.   Das Jugendtheater Till bewegte Voerder Gesamtschüler mit seinem Anti-Gewaltstück.

Während der Neonazi provokativ über seine Erfahrungen berichtet, kochen die Emotionen hoch, Diskussionen entstehen. Schülerinnen mischen sich ein, sagen laut ihre Meinung. Mucksmäuschenstill wird es, als die Zeugin einer Vergewaltigung über ihre Erfahrungen berichtet, teilweise fließen Tränen. Auch bei den Berichten der anderen Protagonisten wächst die Betroffenheit.

Wer ist hier zu Gast in der Gesamtschule Voerde? Die Agentur „Mensch - aber wie?“ hat Menschen gecastet und unter Vertrag genommen, die in verschiedener Art und Weise mit Gewalt in Berührung gekommen sind. Zum Teil handelt es sich dabei um Personen, die auf Grund einer Straftat vom Jugendamt dazu verpflichtet wurden, für eine Zeit im Rahmen dieser Kampagne mitzuwirken. Andere sind Personen, die bereitwillig ihre Geschichten einer Öffentlichkeit zukommen lassen. Menschen berichten über ihre Gewalterfahrungen. Opfer und Täter. Sie haben den Mut, in der Öffentlichkeit nicht nur ihre Geschichte zu erzählen, sondern auch ihre Gefühle, Motive, Ängste.

Von Opfern und Tätern

Soweit die Erklärungen an die Zuschauer. Angekündigt ist die Veranstaltung für die insgesamt zirka 200 Schüler der Jahrgänge 8 und 9 an der Gesamtschule Voerde als eine Informationsveranstaltung zum Thema Gewalt. Bei dem Projekt des Theaters Till aus Meerbusch handelt sich um eine Auftragsproduktion für die Unfallkasse NRW im Rahmen der Gewaltprävention.

Die Gruppe entwirft ein realistisches Szenario, in dem die Gecasteten auf der Bühne im Theaterraum der Gesamtschule Voerde sitzen und von ihren Gewalterfahrungen berichten: Ein Neonazi, straffällig geworden, muss teilnehmen. Er mischte einen asiatischen Laden auf. Seine Mutter verlor dort ihren Job, als die Besitzer wechselten. Ein Lehrer – die Situation an der Schule desillusionierte ihn nicht nur, sondern trieb ihn soweit, dass er einen Schüler zusammenschlug. Seine Angst schluckte er zu lange. Eine Frau – sie wurde Zeugin einer Vergewaltigung und ging mutig dazwischen. Nun ist ihr Gesicht entstellt. Eine Schülerin – ihre Mitschülerin sprang aus dem Fenster. Grund: Mobbing. Coole Sprüche trieben sie in den Selbstmord. Ein Ausländer – ein Freund wurde von Rechtsextremen zum Krüppel geprügelt. Ihm wird das nicht passieren, er wird vor den anderen zuschlagen.

Nach ihren Berichten verteilen sich die Gäste im Raum. Die Jugendlichen dürfen, ja sollen, sie befragen und mit ihnen diskutieren. Die aktive Beteiligung steigert sich, da das Publikum nun persönlich verbal eingreift und so das Geschehen mitbestimmt. Dann sind die Schüler eingeladen, anhand eines Fragebogens gemeinsam die Personen zu bewerten. Sympathien und Antipathien werden bekundet.

Erst nach dem „offiziellen“ Ende der Veranstaltung geben sich die Protagonisten als Schauspieler des politischen Kinder- und Jugendtheaters Till zu erkennen; sie bestätigten aber, dass die Inhalte ihrer Berichte wahr sind, also auf tatsächlichen Ereignissen und Vorfällen beruhen. Die Überraschung ist riesengroß und zieht weitere Fragen der Schüler nach.



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