Das Daniel-Düsentrieb-Büro

Dinslaken..  Das Garagentor geht auf. Dahinter steht Volker Carl und begrüßt den Besuch: „Kommen Sie rein in mein Daniel-Düsentrieb-Büro.“

Hinter der unscheinbaren Fassade im Gewerbegebiet an der Thyssenstraße hat er seinen Messstand. Die Messtechnik, die er einsetzt und weiterentwickelt, ist auch der Grund, warum sich die Liste seiner Auftraggeber wie der Wunschzettel eines kleinen Jungen liest. Die Firma „Carl IR Messtechnik & Prüfsysteme“ hat schon für diverse Raumfahrtbehörden und den Hersteller von Luxus-Sportwaagen gearbeitet.

Das Verfahren, das Volker Carl einsetzt, nennt sich Impuls-Thermographie. Dabei wird das Material mit Hilfe von leistungsstarken Lampen und Blitzanlagen erhitzt. Eine Kamera zeichnet dabei ein Wärmebild auf. So kann der 50-Jährige Schwachstellen im Material aufdecken, die niemand mit dem bloßen Auge sehen würde.

„Da ich so beispielsweise bei Autos unter den Lack sehen kann, bemerke ich wirklich alle Mängel“, erklärt Carl. Selbst ein Unfallschaden, der gut repariert wurde, bleibt dem Thermo-Blick des Maschinenbau-Ingenieurs aus Dinslaken nicht verborgen. Bei Oldtimer-Autos ist diese Technik spannend. Die alten Schätzchen sind wertvoll, da lohnt es sich genauer hinzuschauen. Auch für teure Marken-Fahrräder bietet er seine Technik an. „Das hat sich mittlerweile im Internet herumgesprochen“, sagt er. Nach einem Sturz lässt sich manchmal schwer erkennen, ob Bauteile ernsthaft beschädigt wurden, auf dem Messstand von Volker Carl werden sie sichtbar.

Autos und Fahrräder wirken aber eher langweilig, wenn Carl anfängt, von seinen anderen Auftraggebern zu sprechen. Jüngst war er auch am erfolgreichen Start des Raumgleiters IXV der europäischen Raumfahrtagentur ESA beteiligt. Mitte Februar startete er vom Weltraumbahnhof Kourou und landete nach dem Flug unbeschadet im Pazifik. Auf Facebook postete Volker Carl nach dem Start: „Von Dinslaken in den Weltraum.“

Was sein Beitrag zu dem Projekt war? Das Augsburger Unternehmen MT Aerospace fertigte die beiden Steuerungsklappenfür den Raumgleiter. Der Ingenieur prüfte die Klappen aus kohlenstofffaserverstärkter Keramik auf Materialfehler. „Er ist sicher gelandet, da habe ich wohl alles richtig gemacht“, so Volker Carl.

Auch die NASA hat schon an seine Türe geklopft. Für die amerikanische Weltraumbehörde prüfte er die X 38 – ein Prototyp für einen antriebslosen Raumgleiter. Und auch die Turbinenschaufeln für so ziemlich jedes Flugzeug im Europäischen Luftraum werden mit seinem Verfahren getestet. Wie solche Bauteile getestet werden, das bringt er auch dem Personal von Fluggesellschaften bei.

So erklärt es sich auch, dass „MTU Aero Engines“, ein Hersteller für Triebwerke zu seinen Hauptkunden gehört. Für das Münchner Unternehmen hat er ein Verfahren entwickelt, um Bauteile zu untersuchen, die aus dem 3D-Drucker kommen. „Es ermöglicht eine Kontrolle während des ganzen Produktionsprozesses“, sagt er. Auch die Turbinenhersteller Rolls Royce und Avio gehören zu seinen Auftraggebern – viele große Namen der Luftfahrtbranche.

Und trotzdem. Fragen Menschen Volker Carl nach dem Auftrag, der für ihn heraussticht, dann fällt der Name Lamborghini. In Sant’Agata Bolognese überprüfte er die Crashtest-Ergebnisse für den Aventador. „Das war schon mit eine der spannendsten Prüfungen“, sagt Carl.