Christus am Kreuz

Dinslaken..  „Oh Kreuz, sei gegrüßt. Du einzige Hoffnung in dieser Leidenszeit...“, heißt es in einem mittelalterlichen Hymnus. So beginnt auch das Grußwort von Dechant Gregor Kauling in dem gerade frisch aus der Druckerpresse erschienenen Buch „Christus am Kreuz – Mittelalterliche Darstellungen der Passion in St. Vincentius in Dinslaken“ von Dr. Reinhard Karrenbrock. Viele Menschen vor Ort würden das Dinslakener Triumphkreuz täglich vor Augen sehen, würden durch das Kreuz in ihrem Gebet inspiriert, doch kaum einer wisse, welch großen Kunstschatz von europäischem Rang er vor sich sehe, so Dechant Kauling bei der Buchvorstellung im Pfarrbüro von St. Vincentius.

Zugegen waren auch der Autor Dr. Reinhard Karrenbrock, Experte für mittelalterliche Kunst; Marc Peez, Begleiter der Restauration des Triumphkreuzes; Stephan Kube, Fotograf und Projektmanager, sowie Vertreter der Gremien und Gruppen der Gemeinde St. Vincentius. Vor allem aber auch Hermann Bison und Tochter Hildegard, ohne sie wäre diese Veröffentlich vielleicht nie verwirklicht worden – aus einem traurigen Anlass heraus. Zum Tode seiner Frau Ursula Bison, langjährige 1. Vorsitzende des Pfarrgemeinderates St. Vincentius, war darum gebeten worden, auf Blumenspenden zu verzichten, statt dessen lieber für die St. Vincentius-Kirche zu spenden. Dies, so Hermann Bison, sei in überwältigender Art geschehen und so habe man sich entschlossen, in Gedenken an Ursula Bison die Restauration des Kreuzes zu dokumentieren.

Herausgekommen ist dabei aber nicht nur eine Dokumentation der Restaurierung sondern eine wissenschaftliche Publikation über „ganz bedeutende Kunstwerke“ mit fantastischen Fotos. Dabei geht es zwar hauptsächlich um das Triumphkreuz, doch auch das prachtvolle Retabel des Hochaltares und die drei steinernen Kreuze an der Außenwand der St. Vincentius-Kirche, der so genannte Kalvarienberg, werden einer besonderen Betrachtungsweise unterzogen.

Für Karrenbrock und Peez stellen alle drei Kunstwerke besondere Zeugnisse des Mittelalters dar. Ein Schatz, der nicht ausreichend gewürdigt würde, meint Bison. Als „sensationell auch für die Fachwelt“, so beschreibt Karrenbrock beispielsweise, dass es gelungen sei, die originale Farbigkeit wieder hervorzuholen. In ganz Europa gebe es dazu kaum Vergleichbares. Entstehung des Kreuzes datiert Karrenbrock auf die Zeit um 1300, Proben des Holzes ließen diesen Zeitraum als wahrscheinlich erscheinen. Viele Kreuze seien im Rheinland im 14. Jahrhundert entstanden, doch keines sei mit dem aus Dinslaken zu vergleichen. Wo kommt es her, wer hat es geschaffen? Dazu habe er nur eine Theorie, so Karrenbrock. Es scheint erst 1161 nach Dinslaken gekommen zu sein, denn in jenem Jahr sei der Chor für das Kreuz erhöht worden. Für Karrenbrock ist nur ein vorheriger Ort denkbar – das Kloster Kamp in Kamp-Lintfort. Beweise dafür gibt es jedoch nicht. Nur Indizien, die Karrenbrock in seinem Buch deutlich ausführt.

Ein hervorragendes Buch, wissenschaftlich, aber durchaus auch für den Laien interessant.

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