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Bühne frei für Lohberg

02.02.2016 | 22:00 Uhr
Bühne frei für Lohberg
2015 wurde die Kohlenmischhalle in Lohberg für die Ruhrtriennale hergerichtet, im März 2017 soll hier die Uraufführung von „Roter März“ stattfinden.Foto: Heiko Kempken

Dinslaken.   Dr. Hans Feldhoff und Adnan Köse haben die dramatische Geschichte des Bergarbeiterortes in „Roter März“ verarbeitet. Premiere ist im März 2017 in der Kohlenmischhalle.

Eigentlich ist Lohberg schon jetzt randvoll mit Kultur und Geschichte: denkmalgeschützte Bauten und diverse Galerien und Ateliers, Chöre und Kleinkunstbühne, Museum und historische Industriekultur. Und doch, da fehlt noch etwas: das große Theaterstück, das die Geschichte lebendig macht, in dem die Lohberger von heute aller Welt zeigen können, was den Standort einst formte und von welchen Menschen er geprägt wurde.

Das soll sich nun bald ändern. Es gibt sogar schon einen Termin, den 17. März 2017. Der Name des Stücks: „Roter März“, die Autoren: natürlich zwei echte Lohberger. Dr. Hans Feldhoff und Adnan Köse stellten in der NRZ-Redaktion ihre erste gemeinsame Arbeit vor, die unter Beteiligung möglichst vieler Menschen aus dem Stadtteil realisiert werden soll.

„Zufälle gibt es nicht“, stellt Adnan Köse aus Überzeugung klar. Also war es Fügung, dass Dr. Hans Feldhoff von Bernhard Kössendrup auf den Autoren, Theater- und Filmregisseur aufmerksam gemacht wurde, der seinem Heimatort genauso verbunden ist wie Feldhoff selbst. Dessen Familiengeschichte ist eng mit dem ehemaligen Zechenstandort verknüpft.

Feldhoffs Großvater hat einst als Steiger den Schacht mit abgeteuft, seine Mutter ihre Erinnerungen unter anderem für das Buch „Der andere Blick“ niedergeschrieben. Der Sohn steht im Kontakt mit Dr. Inge Litschke, verfügt selbst über viele Archivalien zur Geschichte des Ortsteils. Und er hatte eine Idee: Die politischen Konflikte und die dramatischen Geschehnisse nach dem Kapp-Putsch 1920, die Lohberg deutschlandweit bekannt machten, in einem fiktiven Theaterstoff um den beliebten Pastor Albert Nienhaus(†1968) auf die Bühne zu bringen. Feldhoff lernte ihn noch kennen, als er selbst in St. Marien Messdiener war.

Gerade einmal zwei Monate brauchten Adnan Köse und Dr. Hans Feldhoff, um aus dem reichen historischen Hintergrundwissen des Arztes ein druckreifes Bühnenwerk zu schaffen. Ein Verleger ist auch schon gefunden: „Roter März“ erscheint im Hartmann & Stauffacher Verlag Köln.

Der nächste Schritt: Der Sprung vom Papier auf die Bühne. Und hier haben die beiden Lohberger Großes wie Naheliegendes vor. „Letztendlich hat ‘Accattone’ doch vom Aufführungsort gelebt“, sagt Feldhoff. Warum dann nicht die Kohlenmischhalle als authentischen Industriestandort für ein Stück nutzen, dass tatsächlich Lohberg zum Thema hat? Unterstützung fand das Autorenteam neben der Stadt bei Bernd Lohse von der RAG Montan Immobilien GmbH. Dieser stellte sogar den Kontakt zu einem französischen Partner her. Denn „Roter März“ soll eine gewaltige Produktion werden: vier Aufführungen in Lohberg, zwei in Frankreich, Produktionskosten in sechsstelliger Höhe. Man hofft auf EU-Fördergelder, Sponsoren werden noch gesucht, Verhandlungen mit einem Veranstalter laufen. Adnan Köse wird die künstlerische Leitung und die Regie übernehmen, Jürgen Wippich hat als Produktionsleiter zugesagt.

Ganz wichtig wird die Unterstützung der Lohberger selbst sein. „Wir wollen die Siedlung mit in die Produktion einbeziehen“, so Adnan Köse. Das fängt bei Kostümen und Ausstattung an und reicht bis zur Mitwirkung von Chören, der Vergabe von einem Teil der Sprechrollen bis hin zum Engagement von 200 bis 300 Komparsen.

„Roter März“ würde zwar auch als Kammerstück funktionieren, aber Adnan Köse möchte das historische Lohberg mit all seiner Wucht darstellen: 1. Weltkrieg und Revolution, die Konflikte zwischen Katholiken, Kommunisten und dem Kapital und die Schicksale des Einzelnen zwischen Schacht und Siedlung.

Bettina Schack

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2016-02-02 22:00
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