Buchstaben als Identitätsstifter

Am Niederrhein..  Dr. Michael Heidinger machte den Anfang. Dinslakens Bürgermeister sicherte sich das Kennzeichen DIN-BM-1 am 3. Dezember 2012. An diesem Tag hatte das Warten ein Ende. Da konnten Auto- und Motorradfahrer aus Dinslaken, Voerde und Hünxe auf der Straße zeigen, wo sie herkommen.

Das Bundesverkehrsministerium genehmigte die Wiedereinführung von alten Kennzeichen. Deshalb ist im Kreis Wesel neben dem WES-Nummernschild auch wieder die Kombination DIN für Dinslaken und ebenso MO für Moers eine Alternative. Die älteren Bürger erlebten dadurch eine Renaissance. Schließlich wurden DIN-Kennzeichen bereits zwischen 1956 bis 1975 ausgegeben. Auch heutzutage können sich Fahrer für die Buchstabenkombination begeistern. Das beweisen Zahlen.

18 872 mit Alt-Kennzeichen

Schon im ersten Jahr beantragten über 11 000 Fahrzeughalter das Dinslakener Altkennzeichen. „Und es kommen immer noch welche hinzu“, sagt Kreis-Pressesprecher Gerhard Patzelt. Ende 2014 registrierte das Straßenverkehrsamt Wesel 331 000 angemeldete Fahrzeuge im ganzen Kreisgebiet. Bei 18 872 beginnt das Nummernschild mit der Buchstabenfolge DIN, sogar 42 598 fahren auf MO ab. Es gibt auch Autofahrer, die sich bewusst gegen das alte Kennzeichen entscheiden. Bei den Dinslakener Automobil- und Motorsportfreunden (DAMF) ist die Kombination WES weiter gefragt. Das berichtet Vorstandsmitglied Michael Mittler.

Knapp 20 000 Menschen fahren dafür auf DIN ab. Die Gründe für das alte, neue Nummernschild sind oft simpel. „Ich komme aus Dinslaken und nicht aus Wesel. Das sollen die Leute auch sehen“, sagt Natalie Grass. Mit ihrer Meinung steht die junge Frau nicht alleine da, was eine NRZ-Umfrage beweist.

4 Sabine Steinfeld und ihr Mann sind in Sachen Kennzeichen getrennt. Wenn die Frau den Wagen ihres Mannes über die Straße steuert, sehen andere Verkehrsteilnehmer das Kennzeichen DIN. Sabine Steinfeld fährt noch mit der Weseler Variante - das aber aus einem pragmatischen Grund.

„Ich habe mir seit der Neueinführung noch keinen neuen Wagen gekauft, mein Mann allerdings schon“, sagt sie. Beim nächsten eigenen Auto wird sie umsteigen. „Wer über 20 Jahre in Dinslaken wohnt, der braucht auch so ein Kennzeichen“, betont die Familienmutter aus dem Bruch.

1Für Sylvia Skatula und ihren Mann war die Sache sofort klar. An den silberfarbenen Mercedes Benz muss vorne und hinten das DIN-Nummernschild. Die Weseler Variante Ende 2012 war für die Familie keine Alternative mehr. Das begründet Sylvia Skatula mit ihrer Liebe zur Heimat. „Ich wohne mittlerweile seit 1988 in Dinslaken. Meine ganze Familie lebt gerne in dieser Stadt. Und als die alten Kennzeichen wieder eingeführt wurden, haben wir uns sofort eins gesichert“, erzählt die Familienmutter, nachdem sie ihren Pkw am Parkplatz an der Neustraße abgestellt hat.

Auch Sohnemann Bela, der bei Wacker Dinslaken Sport treibt, gefällt das Nummernschild. Der junge Wuschelkopf lächelt beim Blick auf das Kennzeichen. So verleihen die Skatulas dem Ausdruck Familienfahrzeug eine ganz eigene Bedeutung.

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Vor ein paar Monaten zog Turan Bahadir in seine neue Wohnung. Er lebte 30 Jahre lang in Dinslaken, doch dann verschlug es ihn ein paar Kilometer in Richtung Süden - nach Walsum. Ein Auto mit Duisburger Kennzeichen zu fahren, kommt für Turan Bahadir aber nicht infrage. „Das Dinslakener Kennzeichen sollte es sein. So habe ich immerhin noch ein Stück Heimat an meinem Auto.“, erklärt er.

In Walsum ist das DIN-Kennzeichen überhaupt sehr beliebt. Das dürfte an der Geschichte des Duisburger Stadtteils liegen, der bis zu kommunalen Neuordnung im Jahr zum Altkreis Dinslaken gehörte.

2 Dominik Jakob hat eine simple Erklärung für den Wechsel „Das Kennzeichnen sieht einfach schöner aus“, sagt er. Deshalb fiel ihm die Wahl bei der Anmeldung im Vorjahr ganz leicht. Dominik Jakob ist übrigens ein Beweis dafür, dass die Anhänger des Altkennzeichens nicht nur in den Dinslakener Stadtgrenzen leben. Er stammt aus Voerde.

3Als sich Alexander Hebisch Ende 2014 ein neues Auto kaufte, musste es ein DIN-Kennzeichen haben. „Für mich bedeuten die drei Buchstaben ein Stück Identität.“, sagt er und seine Freundin Sabrina Nickel nickt anerkennend. Allerdings gibt Alexander Hebisch auch zu, dass er einen alten Wagen nicht extra umgemeldet hätte.