Bloß nicht schwarz sehen
14.11.2010 | 18:14 Uhr 2010-11-14T18:14:00+0100Voerde.Der 1. Voerder Karnevalsverein ist eine waschechte, 1972 von Kölnern im Exil gegründete rheinische Frohnatur. Andere könnten angesichts der städtischen Streichungen für den traditionellen Karnevalszug schwarz sehen. Nicht der VKV.
Im Gegenteil: Aus der Bütt sah Stefan Schmitz, erster Vorsitzender des grün-weißen Vereins, alles zwischen Spellen und Voerde weiß. Selbst die Vereinsfarben würden in dieser Session auf Weiß reduziert, wollte er den Jecken am Samstag in der wie immer zur Sessionseröffnung bis zum letzten Platz gefüllten „Kutsche“ weiß machen.
Schließlich sei weißer Rauch aufgestiegen, als die Wahl der diesjährigen Ehrensenatorin entschieden wurde. Gepaart mit Anspielungen auf Berlin und Bundespolitik ließen es die Wortspielereien schnell erraten: Die Ehrensenatorin der Session 2010/2011 ist Sabine Weiss. Erfahrung auf dem närrischen Parkett des VKV sammelte sie bereits in der Prunksitzung 2008 als fahrende Musikantin.
Vor drei Wochen sagte die Bundestagsabgeordnete zu, die tollen Tage 2011 nicht im karnevalsfernen Berlin zu verbringen: „Ehrensenatorin zu werden, wollte ich nicht ablehnen“, so die ehemalige Bürgermeisterin Dinslakens, die gleich bei ihrer Antrittsrede für Tumulte bei den Abordnungen der Karnevalsvereine aus der Nachbarstadt sorgte: „Die Ehrensenatorenkette ist schöner als die Bürgermeisterkette von Dinslaken“.
Für Tumulte der närrischen Art sorgten die Oedingsche Jonges aus Krefeld-Uerdingen gegen Ende des dreieinhalbstündigen VKV-Programms. Ihre Mischung aus live gespielten Oldies und Karnevalshits in rockigen Arrangements riss die Karnevalisten von den Stühlen.
„Die Kassen leer,
der Haushalt platt“
Polonaisen schlängelten sich um tanzende Elferratsmitglieder und schunkelnde Ehrengäste, während der Sänger auf einem Stuhl inmitten der Feiernden stand: Stimmung pur.
Zuvor hatte der Saal den traditionellen Einmarsch des Tambourkorps Voerde erlebt, dem Tanz der Funkies zu „Take on me“ mit vielen neuen choreographischen Elementen die erste Rakete des Abends abgebrannt, das ABBA-Medley der VKV Tanzgarde bejubelt, einmal mehr zu den Schlagern und Karnevalsliedern des Kölner Uwe Weilers geschunkelt oder auch über den ein oder anderen Witz vom „Mann mit dem Koffer“ und dem „Kistedüwel“ gelacht.
„Die Kassen leer, der Haushalt platt...“ Der erste Teil des diesjährigen Sessionsmottos bezieht sich auf die Entscheidung der Stadt, die 20 000 Euro für den Zug 2012 einzusparen. Obwohl dies das sichere Ende nach dem bisherigen Finanzierungsmodell bedeutet, gab sich ausgerechnet Bürgermeister Leo Spitzer optimistisch. Er warb um „weiße Schafe“, Sponsoren aus der Wirtschaft. Ein Zug, auf den Egon Bachtrup, als Einzelperson und als Thekenturner Ehrensenator des VKV, zur Rettung des Zuges 2012 engagiert aufsprang. Wenn viele mit anpacken, könne man das Ding doch stemmen, meint der „Local Hero 2010“.
2010, Kulturhauptstadtjahr. Der Zug als Zugpferd der „Local Heroes-Woche“, am Aschermittwoch war alles vorbei. Die Entscheidung, nur noch alle zwei Jahre Straßenkarneval zu feiern, widerspricht eigentlich dem Ruhr.2010-Anspruch auf Nachhaltigkeit. Stefan Schmitz sieht es gelassen: „Ein Motto von 2010 war ‘Feste feiern’. Genau das haben wir gemacht“.
Und das macht der VKV auch in dieser Session. „Die Kassen leer, der Haushalt platt... Wir ziehen feiernd durch die Stadt!“. Rheinische Mentalität eben. „Et kütt, wie et kütt“. Und vielleicht kütt d’r Zoch 2012 auch. Egon Bachtrup, Sabine Weiss und Leo Spitzer werben um bürgerschaftliches Engagement: „Et hätt noch immer jot jejange“. Auch das ist ein rheinisches Grundgesetz.
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