Blicke ins Paradies

Dinslaken..  „Die Bibel korrespondiert mit der Poesie“ heißt eine Veranstaltungsreihe des Fördervereins Herz-Jesu-Kirche Oberlohberg. Die Musik inspiriert zu einer Themenausstellung, könnte man das Gemeinschaftsprojekt des Vereins mit dem Kulturkreis Dinslaken überschreiben, das vom 17. April an in der Kirche zu sehen ist.

„In paradisum deducant te angeli – Ins Paradies mögen Engel dich geleiten“ heißt es im Requiem von Gabriel Fauré. Dessen bild- und farbgewaltige Musik inspirierte Theo Güldenberg dazu, das Zitat als thematischen Titel für eine Ausstellung vorzuschlagen. Einer Ausstellung, die nach ihren vom Förderverein stets in der Passionszeit durchgeführten Vorgängerinnen auf Vorschlag von Dechant Gregor Kauling bewusst in eine spätere Zeit im Kirchenjahr verortet wurde, um neuen Impulsen der künstlerischen Auseinandersetzung den Weg zu ebnen.

Entsprechend vielfältig ist das Spektrum der Arbeiten, die 19 Künstlerinnen und Künstler des Kulturkreises Dinslaken vom 17. April bis 31. Mai im Kirchenraum zeigen. Sie setzen sich mit dem Übergang vom Leben zum Tod ebenso auseinander wie mit dem Paradies selbst und dessen Boten und Vermittlern, den Engeln.

Architektur forderte heraus

Aber thematische Hintergründe und tiefere Bedeutung von Kunst sind eine Sache, ihre Wesen an sich und dessen Wirkung im Kontext eine andere. Es war das Kirchengebäude selbst, das für viele den Anreiz gab, sich an der Gemeinschaftsausstellung zu beteiligen, sagt Barbara Spiekermann-Horn, die im letzten Jahr selbst die Otto-Pankok-Ausstellung in Herz-Jesu besucht hat und von der Lichtwirkung im neogotischen Kirchenraum beeindruckt war.

Zugleich forderte die Klarheit und Symmetrie der Architektur die Ausstellungsmacher heraus: Um ein Gleichgewicht der Wirkung von Bildern und Kontext herzustellen, gaben sie feste Formate für die Kunstwerke vor, die im Chor, unter der Orgelempore, in den Nischen und an den Seitenwänden über den Stationen des gläsernen Kreuzweges von Joachim Klos hängen sollen. Letzterer ist selbst ein ständiges, herausragendes Kunstwerk in der Kirche, Rainer Höpken wird durch eine besondere Illumination die letzte Station, „Auferstehung“, im Chorraum hervorheben.

Begleitender Katalog

Das Ausstellungsplakat zeigt ein Foto des Engels des neogotischen Schnitzaltars von Ferdinand Langenberg. Ihm stehen in der Ausstellung Barbara Grimms „Boten des Himmels I + II“ gegenüber, die „Wirkenden Lichtgestalten“ von Alfred Grimm, der Angelus aus Fundholz von Rainer Höpken und Martina Mühlens „Himmlischen Wächter“. Im begleitenden kleinen Katalog zitiert Ottilia Dienes „Durchs Dunkel ins Licht“ von Walt Whitman, zeigt Gila Lämmerzahl-Engasser das Paradies, bekennt Martina Reimann mit Korinther 13,1-3, „Ohne Liebe bin ich nichts“.

„Und wandelt uns, auch wenn wir’s nicht erreichen, in jenes, das wir, kaum es ahnend, sind“ zitiert der Künstler Remo Schyroki aus Reiner Maria Rilkes berühmtem „Spaziergang“.

Ein Bild, das auch zum Besuch einer solchen Kunstausstellung passt. „Man spürt die ernsthafte Auseinandersetzung der Künstler mit dem Thema“, so die Vorsitzende des Fördervereins Herz-Jesu-Oberlohberg, Käthi Klein.