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Blick zurück in die Stasi-Zeit

05.11.2011 | 10:00 Uhr
Blick zurück in die Stasi-Zeit

Dinslaken. Eine weiße Villa hoch über Dresden. Noch steht sie verlassen da, wieder einmal. Ein Lampenfabrikant hat sie einst erbaut, doch nach dem Krieg wurde er enteignet, ging in den Westen, die Villa stand leer.

Bis in den 50er Jahren die Eltern von Tanzprofi Peter Keup vom Westen in den Osten siedelten und sich dort niederließen. „Leute, die aus kommunistischer Überzeugungin den Osten gingen, wurden dort hofiert“, erzählt Peter Keup aus seiner DDR-Zeit. Doch ihn, der dort zum erfolgreichen Turniertänzer avancierte, erdrückte die Enge, die Un-Freiheit. 1981 versuchte er über Ungarn in den Westen zu fliehen. - Vergeblich, die Flucht scheiterte, er kam in die Isolationshaft des Stasi-Gefängnisses an der Bautzener Straße.

Im Oktober war Peter Keup, der inzwischen in einem Zeitzeugenprojekt der Uni Bochum und der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen mitwirkt, wieder einmal in Dresden. Zusammen mit seinen Tanzschülern, die neben den normalen Touristenattraktionen Dresdens auch die persönliche Note kennenlernen wollten. Der Besuch wurde nicht nur für die Tanzgruppe sondern auch für Peter Keup ein Erlebnis. Denn gerade, als die Gruppe an der Villa vorbeimarschierte, nahm ein neuer Besitzer das Haus in Beschlag. Spontan lud der die Gruppe, vor allem aber Peter Keup ein, durchs Haus zu marschieren und Erinnerungen aufzufrischen. „Es war schon ein komisches Gefühl“, so Keup, „Ich fühlte mich ein wenig in die Kindheit versetzt.“

Ein Ausflug in die schönere Zeit seines dortigen Lebens. Denn auch die Gedenkstätte an der Bautzener Straße durfte im Programm nicht fehlen. Die Haftanstalt, in der Peter Keup zehn Monate lang in Isolationshaft saß. „Ich wusste nicht einmal, dass ich in einem Dresdener Gefängnis saß. Man hatte mich in einem verschlossen Zugwaggon kreuz und quer durch die Lande gefahren, völlige Desorientierung, das war das übliche Verfahren bei politischen Gefangenen“, erinnert sich Keup. Eigens für die Tanzgruppe um Peter Keup wurde die Gedenkstätte offen geschlossen, konnte Keup seine Gruppe durch die Räume führen und ihnen den Alltag in einem Stasi-Gefängnis nahebringen.

Hier, in dieser Haftanstalt drehte Klara Höfels auch eine Dokumentation über den Tanzprofi Peter Keup, der bereits in Berlin und Essen gezeigt wurde.

Dokumentation
in der VHS

Am 9. November wird der Film „Der Fall Peter Keup: Politische Justiz in der DDR - zehn Monate und ein ganzes Leben“ erstmals im Dachstudio der Dinslakener Volkshochschule gezeigt. Dr. Frank Hoffmann, Uni Bochum, wird kurz den zeithistorischen Kontext beleuchten, Peter Keup trägt aus seiner Sicht dazu bei.

Die Veranstaltung findet von 19.30 bis 21 Uhr statt und kostet 5 Euro. Anmeldung unter 02064/41350.

Birgit Gargitter

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2011-11-05 10:00
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