Bewegung - auch wenn’s schmerzt

Dinslaken..  Jede Bewegung ist besser als keine – so lauteten die Botschaften von Weltklasseläufer Willi Wülbeck, Sportlehrer Andreas Nick, Mitarbeiter im Gesundheitszentrum Lang, Erika Scherrer vom Sauerländischen Gebirgsverein. Selbst „wenn es mit der Bewegung einmal hakt“, sei es aufgrund Rücken-, Hüft- oder sonstiger Probleme, sollte der Betroffene nicht ruhen. Das zumindest attestieren Dr. Florian Glahn, Oberarzt im St. Vinzenz-Hospital, und Physiotherapeut Elmar Leimkühler den Anrufern der NRZ-Telefonaktion.

Eine 77-jährige Anruferin hat bereits mehrmals den Orthopäden aufgesucht. Ein MRT des 4. und 5. Lendenwirbels liegt vor.

„Mein Arzt meint, ich müsse nicht operiert werden. Ich bekam Akupunktur gegen meine Schmerzen. Danach ging es besser. Doch ich kann nur rund 50 Meter laufen, dann muss ich stehenbleiben bis die Schmerzen im Rücken abschwellen. Allerdings tut das Bein immer noch weh. Was kann ich machen?“

Dr. Florian Glahn: „Das klingt nach einem Verschleiß im Rücken bzw. einer Reizung der Nervenaustritte mit Schmerzausstrahlung ins Bein. Die gute Nachricht: Das kann behandelt werden. Was Sie brauchen ist ein Bewegungstraining und einen Aufbau der Muskeln, also Gymnastik. Drei bis vier Übungen jeden Morgen, um Bauch- und Rückenmuskulatur zu stärken, das reicht oft. Da muss nicht sofort operiert werden solange keine Nervenausfälle vorliegen. Schauen Sie bei Ihrer Krankenkasse vorbei. Die halten meistens Poster mit genauen Abbildungen von Übungen bereit, sprechen Sie anschließend mit Ihrem Orthopäden und machen Sie Ihre Übungen.“

Ein 77-jähriger Anrufer klagt über Schwierigkeiten in den Oberschenkeln: „Sie ermüden schnell. Schon nach zwei Treppen ist es vorbei. Meinen Sport habe ich deshalb bereits eingeschränkt.“

Dr. Glahn: „Rauchen Sie?“

Anrufer: „Nein.“

Dr. Glahn: „Die Symptome, die Sie schildern könnten durch Gefäß- oder Rückenerkrankungen hervorgerufen werden. In Ihrem Fall liegt eine Veränderung am Rücken durch Arthrose oder Verschleiß nahe. Es gibt Abklemmungen, die zuweilen Lähmungserscheinungen hervorbringen können. Ich tippe bei Ihnen auf eine Spinalkanalstenose, das ist eine Verengung des Kanals in der Wirbelsäule, in der das Rückenmark verläuft.“

Anrufer: „Meine Füße verkrampfen auch schon mal. Das tut weh.“

Dr. Glahn: „Diese Verkrampfungen könnten wiederum Nervenerkrankungen sein. Darüber kann ein Neurologe Auskunft geben. Sie sollten aber ebenfalls einen Orthopäden aufsuchen, der Sie bei Ihren Rückenproblemen begleitend unterstützt. Ich rate Ihnen, ihre sportlichen Aktivitäten wieder aufzunehmen, erst langsam, dann steigern Sie das Pensum. Sie werden merken, es klappt. Eine Operation sollte in Ihrem Fall eine letzte Maßnahme sein.“

Eine 63-jährige Anruferin klagt über Schmerzen im rechten Oberschenkel und Arthrose in den Gelenken: „Trotz Hyaluron gehen die Schmerzen nicht weg. Ich habe mehrere Spritzen bekommen. Beim Laufen sind die Beschwerden weg, aber in Ruhezeiten kommen sie wieder. Vor allem wenn ich aufstehe oder mein Bein anwinkele.“

Dr. Glahn: „Hier ist eine Diagnose nicht einfach. Es könnte sich sowohl um ein Rücken- als auch um ein Hüftproblem handeln. Eine genauere Diagnose kann ein Orthopäde erst nach eingehender Untersuchung, meist mit gezielter Schmerztherapie stellen. Ist die Schmerzbehandlung im Rückenbereich erfolgreich, liegt das Problem dort, wirkt das Schmerzmittel im Hüftbereich, wissen wir, dort hakt’s.“

Anruferin: „Ich habe doch schon Ibuprofen für die Schmerzen genommen.“

Dr. Glahn: „Das hilft nicht bei der genauen Diagnostik. Ibuprofen hilft gegen Schmerzen in beiden Bereichen.“

Ein 70-jähriger Anrufer klagt über Schmerzen im Kniegelenk. Vor Jahren war er dort operiert, sein Befund u.a. Knorpeldefekt, Fischmaulriss, Degeneration.

Dr. Glahn: „Das klingt für Sie ja richtig spannend, ist aber für uns Tagesgeschäft. Sie haben eine fortgeschrittene Arthrose. Aber auch hier kann man manchmal noch etwas retten, ohne gleich einen Gelenkersatz in Erwägung zu ziehen. Lassen Sie Ihr Knie noch einmal röntgen und setzen Sie sich mit einem Orthopäden oder Unfallchirurgen in Verbindung.“

Eine 66-jährige Anruferin klagt über Probleme, ihren linken Arm zu heben und hat Brustschmerzen beim Sprechen. Bei ähnlichen Beschwerden hatte ihr Arzt sie eingerenkt. Nun bleiben die Schmerzen und verstärken sich bei bestimmten Bewegungen noch.

Anruferin: „Ein Termin für ein MRT (Magnetresonanztomographie) steht schon an. Was kann ich noch gegen die Schmerzen tun?“

Elmar Leimkühler: „Mit einem MRT lässt sich näher abklären, woher die Probleme kommen. Vielleicht gehen Sie noch einmal zu dem Arzt, der Sie beim letzten Mal behandelt hat, und schildern Ihre aktuelle Situation. Aufgrund der längeren Zeit, die Sie jetzt bereits Beschwerden haben, ist auch Ihre Muskulatur in Mitleidenschaft gezogen. Die Beweglichkeit im Bereich von Kopf und Wirbelsäule mag eingeschränkt sein. Vermeiden Sie Bewegungen, die Ihre Schmerzen auslösen oder gar verstärken könnten.“

Anruferin: „Könnten auch Spritzen gegen die Schmerzen helfen?“

Leimkühler: „Ob Sie mit Hilfe von Spritzen Erleichterung erfahren werden, kann Ihnen Ihr Arzt sagen. Suchen Sie ihn bitte auf und er wird die weiteren Therapieschritte mit Ihnen besprechen.“

Eine 78-jährige Anruferin leidet unter Arthrose am rechten Fußgelenk und klagt über Schmerzen beim Auftreten.

Anruferin: „Wegen meiner schlechten Leberwerte möchte ich keine Schmerzmittel nehmen. Gibt es Alternativen?“

Leimkühler: „Es gibt verschiedene Behandlungsansätze. Eine Möglichkeit ist, es mit einer orthopädischen Orthese zu probieren, die gezielt den Fuß unterstützt. Eine weitere Option ist die Stabilisation mit Hilfe von Krankengymnastik oder manueller Therapie. Damit könnte man eventuell die Bewegungsfähigkeit des Fußes, das Gehverhalten und das Abrollverhalten verbessern und das könnte sich wiederum auch schmerzlindernd auswirken.“

Anruferin: „Wie sieht es mit Behandlungen wie der Magnetfeldtherapie oder Anwendungen beim Heilpraktiker aus?“

Leimkühler: „Bei Heilpraktikern gibt es eine Vielzahl von Behandlungsmethoden, auch gegen Schmerzen. Die Magnetfeldtherapie ist ein Versuch, der sich probieren ließe. Ob er in Ihrem Falle helfen könnte, besprechen Sie vor Ort. Die Entscheidung zur Therapie liegt bei Ihnen.“