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Bedingt barrierefrei im Dinslakener Burgtheater

20.05.2012 | 23:00 Uhr
Bedingt barrierefrei im Dinslakener Burgtheater
Die gelbe Behindertentoilette ist nur von der Althoffstraße aus ohne Barriere erreichbar. Foto: Heinz Kunkel, WAZ FotoPool

Dinslaken.  Die neue Behindertentoilette ist für Besucher des Burgtheaters ohne Hilfe nicht erreichbar

Barrierefreiheit liegt der Dinslakener Stadtverwaltung am Herzen. Jedenfalls, wenn es um den Bahnhof geht. Seit Jahren feilschen Stadt und Bahn darum, wer die Kosten für einen Aufzug übernehmen müsste. Nun hat die Stadt der Bahn an anderer Stelle demonstriert, wie ein solches Problem zu lösen ist - und baute am Burgtheater eine Behindertentoilette. Allerdings ohne behindertengerechten Zugang vom Burgtheater aus.

Die Steigung ist zu stark

Das Problem einer barrierefreien Toilette in der Altstadt sei, seufzt Stadtsprecher Horst Dickhäuser, eine „never ending Story“. Die vorhandene Toilette sei meist ..., beginnt Dickhäuser, und bestätigt dann: „kaputt“. Zu eng, zu dreckig - und die Tür ging eine Zeit lang ebenfalls nicht zu, was den Besuch zu einem unwürdigen Erlebnis machte. Seit einigen Monaten ist das Örtchen nur noch an Markttagen nutzbar.

Aber schließlich soll für Altstadtbesucher bald die neue Toilette eröffnet werden. Das Häuschen steht bereits, direkt unterhalb der alten Toiletten des Burgtheaters, in der Schneise, die die Stadt in die Büsche geschlagen hat, als noch ein XXL-Toilettenhaus in Planung war. Dieses rund 300 000 Euro teure Projekt (30 000 bekam angeblich allein der Architekt) sollte auf dem Umlauf des Burgtheaters thronen. „Fix und euphorisch“ war die Stadt den Bau angegangen, so der Sprecher. Musste aber leider feststellen, dass Bau mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar war. In einem „so großen Haus“ wie der Stadtverwaltung, bekennt Dickhäuser, „arbeiten manchmal Fachdienste nebeneinander her.“ Das Grünzeug war da schon abgeholzt.

Das sollte diesmal besser laufen. Man beschloss und baute eine Behindertentoilette für 80 000 Euro - mit wirklich vorbildlichem Interieur und barrierefreiem Zugang von der Altstadt aus. Die Optik? Geschenkt. „Das wird noch verkleidet“, verspricht Dickhäuser, auch das abgeholzte Grün werde ersetzt.

Nur: Behinderte Besucher des Burgtheaters, die sich seit Jahren etwa beim Besuch des Fantastivals über die mobilen Toiletten ärgern, werden nur mit Hilfe die Toilette aufsuchen können. Denn die Steigung der Rampe neben dem Kassenhäuschen ist zu stark für Rollstuhlfahrer, räumt Dickhäuser ein. Und direkt dahinter verläuft die Straße.

Dabei ist es nicht so, dass man im Vorfeld das Problem nicht bedacht hatte. Eine Rampe war im Gespräch - vom Umlauf bis zur Toilette - die auch für Besucher der Altstadt zugänglich gewesen wäre. Diese hätte allerdings sehr lang sein müssen, um die Steigung abzufangen - „das hätte ausgesehen wie die Nordschleife des Nürburgrings“, so Dickhäuser. Auch eine Schlupftür im Haupteingangsbereich war nach NRZ-Informationen Gegenstand der Überlegungen. Diese hätten behinderte Menschen mit dem Universalschlüssel für Behindertentoiletten öffnen können. Auch diese Idee scheiterte an der Steigung der Rampe: Beim Aufschließen der Tür wäre ein Rollstuhlfahrer im Ernstfall wieder rückwärts auf die Althoffstraße gerollt. Oder er hätte sich in einem akrobatischen Akt mit dem Rollstuhl seitlich zur Steigung manövrieren müssen.

Eröffnung pünktlich zur Freiluftsaison

Nun verlässt sich die Stadt trotz, so Dickhäuser, vehementer Intervention des Behindertenbeauftragten, darauf, „dass behinderte Menschen Veranstaltungen ja meist in Begleitung aufsuchen. Vielleicht könne auch der Stadthallenpächter helfen, meint Dickhäuser. Und überhaupt sei ja das Kassenhäuschen „meist besetzt.“ Derjenige könne im Bedarfsfall assistieren. Dafür müsste er allerdings die Kasse allein lassen. Und er müsste nach NRZ-Informationen - im Falle eines Unfalls - eine entsprechende Fortbildung nachweisen können.

Der Behindertenbeauftragte Dieter Holthaus freut sich zwar, dass es nun endlich eine barrierefreie Toilette für Altstadt-Besucher gebe. Aber er arbeitet auch daran, einen professionellen Bringdienst installieren zu dürfen. Nun liege das Problem auf dem Schreibtisch des Kämmerers und Baudezernenten Dr. Thomas Palotz.

Die Behindertentoilette soll laut Dickhäuser Ende des Monats in Betrieb gehen. Pünktlich zur Freiluftsaison im Burgtheater

Anja Hasenjürgen



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