Bahnhof bleibt Treppenwitz
13.12.2007 | 18:02 Uhr 2007-12-13T18:02:25+0100BEHINDERTE. Arzt kritisiert fehlenden Zugang, schreibt Briefe und kündigt Rollstuhlfahrer-Demo an.
DINSLAKEN. Die Kritik am Zustand des Dinslakener Bahnhofs zieht immer weitere Kreise. Vor allem die Weigerung der Bahn AG, aber auch das Unvermögen der Stadt, kurzfristig den Zugang zu den Bahnsteigen für Behinderte, ältere Menschen oder Eltern mit Kinderwagen zu erleichtern, sorgt verstärkt für Ärger. Jetzt ergreift auch der Leitende Arzt des Gesundheitszentrums Lang, Dr. Herwig Lange, die Initiative. In einer Reihe von Schreiben an NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Verkehrsminister Oliver Wittke, an Bürgermeisterin Sabine Weiss sowie die zuständige DB Station& Service prangert Lange den Missstand an. Und der Facharzt im Reha-Zentrum an der Krengelstraße denkt schon über eine große Protestaktion nach.
Appell auch an den Ministerpräsidenten
Mit Bestürzung müsse er feststellen, dass Menschen im Rollstuhl den Bahnhof nicht nutzen könnten, und dass alle Bemühungen - auch der Stadt -, hier Abhilfe zu schaffen, bisher vergeblich gewesen seien. So hätten einige auswärtige Patienten des Reha-Zentrums kürzlich gerne an der Vernissage zu einer Ausstellung im Hause teilgenommen. Sie seien aber daran gehindert worden, weil sie nicht mit der Bahn nach Dinslaken reisen konnten, da sie hier weder aus dem Zug auf den Bahnsteig noch vom Bahnsteig auf die Straße kommen können.
"Dies ist ein unhaltbarer Zustand", schreibt Lange. Dem müsse unbedingt umgehend abgeholfen werden. "Auf die Bahnsteige gehören Hubplattformen, an die Treppen spezielle Treppenlifter." Verkehrsminister Wittke fordert der Mediziner auf, "dafür zu sorgen, dass der öffentliche Nahverkehr in Dinslaklen und in NRW behindertengerecht wird". An die Adresse des Ministerpräsidenten richtet Lange die Aufforderung, solche Maßnahmen zu einem "Regierungsprogramm hoher Priorität" zu machen.
Falls seine Appelle nicht fruchten, plant Herwig Lange die Organisation eines großen Rollstuhlfahrer-Protestes vor dem Dinslakener Bahnhof. Zu diesem Zweck will er Kontakt mit der örtlichen Lebenshilfe und anderen Vereinen aufnehmen.
Staatskanzlei: Leiten heißt Weiterleiten
Inzwischen bekam Lange bereits eine Anwort aus der Staatskanzlei des Ministerpräsidenten. Dort äußerte man "großes Interesse an einer behindertengerechten Ausstattung des Bahnhofs Dinslakener", verwies aber auf die begrenzten Einflussmöglichkeiten auf Eigentümerin Bahn AG.
Immerhin leitete man den Brief weiter ans zuständige Verkehrsministerium, das ja ohnehin schon Post von Herwig Lange bekommen hatte. "Das war nicht anders zu erwarten", kommentiert dieser die nichtssagende Mitteilung.
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