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Klassische Musik

Bachs Goldberg-Variationen im Originalsound

26.06.2012 | 23:00 Uhr
Bachs Goldberg-Variationen im Originalsound
Der Cembalist und Pianist Christian Braumann lädt zu einer musikalischen Zeitreise ein.

Dinslaken.   Neue Klassikreihe „Klavier Epochen“: Christian Braumann spielt Cembalo, Hammer- und Konzertflügel

Von wegen „alte Klassiker“. Ob Bach, Mozart oder Beethoven, schon ein kurzer Blick in die Biografien zeigt, dass die ehrfürchtige Aura, die die großen Namen heute manchmal umgibt, die Musiker selbst wohl mit einem verständnislosen Kopfschütteln abgetan hätten. Natürlich wussten sie, dass sie gut waren, natürlich lebten sie für die Musik. Aber vor allem waren es Menschen aus Fleisch und Blut, temperamentvoll, auf der Höhe ihrer Zeit, oft schon einen oder mehrere Schritte voraus. Und wenn sie sich an ihre Instrumente setzten, spielten sie für ihr Publikum. „Es ist Musik, die die Herzen berühren und gute Unterhaltung sein soll“, sagt Christian Braumann.

Der Cembalist und Pianist bietet dem Publikum im Lohberger Ledigenheim in den nächsten Monaten ein wenig das Gefühl, damals dabei gewesen zu sein. In der vierteiligen Konzertreihe „Klassik Epochen“ spielt er Schlüsselwerke von Bach bis Berg auf den jeweils zu der Zeit aktuellen Tasteninstrumenten. Braumann nimmt die Hörer mit in das musikalischen Liveerlebnis, als Komposition und Sound gleichermaßen neu waren. Eine akustische Zeitreise, um die richtungsweisende Modernität der Großen Komponisten unmittelbar zu spüren.

Auch die Reihe „Klavier Epochen“ als solche ist neu und soll eine Zukunft haben. Es ist der Beginn einer Kooperation der Stiftung Ledigenheim mit der Voerder Agentur Quodlibet. „Die Klassikreihe als neues Format im Haus soll eine kleine Lücke in Dinslaken schließen“, so Janet Rauch gestern im Gespräch mit der NRZ. Die einzelnen Konzerte bilden in sich geschlossene Einheiten, doch gibt es einen roten Faden, der die gesamte Reihe verbindet. Wie die sich wandelnde Klangästhetik bei den „Klavier Epochen“, die mit der technischen Entwicklung der Tasteninstrumente einherging.

Am Anfang steht Bach. Mit seinen legendären Goldbergvariationen. „Auf dem Klavier würde ich sie nicht spielen“, so Braumann.

Der Interpretation von Glenn Gould sei nichts mehr hinzuzufügen. „Aber auf dem Cembalo entdeckt man noch Sachen, die Gould nicht sehen konnte.“ Der Anekdote nach soll der Cembalist Goldberg die Bachkompositionen für seinen Grafen nachts zur Zerstreuung gespielt haben, weil ihr „sanfter und etwas munterer Charakter“ die Schlaflosigkeit des Dienstherren erträglicher machen sollte.

Keine hochgeistige Kopfmusik für den Hörer, sondern ein Labsal für die Seele. Ob die Cembaloklänge heute die selbe Wirkung haben, kann das Publikum am Freitag, 28. September, um 20 Uhr im Ledigenheim an sich selbst testen. Weitere Konzerte der Reihe mit Christian Braumann sind jeweils freitags um 20 Uhr Mozarts „Klaviersonaten“ auf dem Hammerflügel am 19. Oktober sowie jeweils auf dem Bechstein-Flügel des Ledigenheims aus dem 19. Jahrhundert Beethovens „Diabelli-Variationen“ am 16. November und das jeweilige „Opus 1“ von Brahms, Schumann und Berg am 18. Januar.

Karten für die einzelnen Konzerte sind ab sofort im Vorverkauf für 15 Euro, ermäßigt 12 Euro, im Bürgerbüro Dinslaken erhältlich.

Das günstigere Abo für alle vier Termine kann für 50 Euro, ermäßigt 40 Euro, direkt über die Agentur Quodlibet, 02855/932949, bezogen werden.

Von Bettina Schack



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