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Atomkompromiss

„Ausstieg ist verantwortungslos“

07.09.2010 | 17:17 Uhr

Voerde/Dinslaken.Bei Firmen wie dem Windkraft-Turbinenbauer „Winergy“ ist man nicht gut auf die schwarz-gelbe Bundesregierung zu sprechen.

Vor allem Andreas Wendland, Betriebsratschef bei der Siemens-Tochter Flender und zuständig auch für das Werk in Friedrichsfeld, kann deren „verantwortungslose Entscheidung nicht nachvollziehen“. Die Rede ist vom Ausstieg aus dem Atomausstieg.

Auch bei den Stadtwerken Dinslaken, die verstärkt auf regenerative Energieerzeugung setzen, hadert man mit dem Berliner Beschluss: „Damit wird es künftig schwieriger, alternative Arten der Stromerzeugung neben der Kernkraft zu platzieren“, mutmaßt Pressesprecher Wolfgang Kammann.

„Konsequenzen sind
noch nicht abzuschätzen“

Genauso sieht das Andreas Wendland. „Sämtliche Unternehmen haben ihre Planungen auf den absehbaren nuklearen Ausstieg abgestellt, um den Bedarf an regenerativen Energien zu ermitteln. Das ist jetzt von der Regierung alles über den Haufen geworfen worden“, beschreibt der IG Metaller die veränderte Lage. Mit einer solchen Entscheidung habe er vor einem Vierteljahr nicht gerechnet.

Die Konsequenzen aus der Vorgehensweise auf Bundesebene könne man derzeit noch nicht abschätzen, sagt Wendland. Für das Unternehmen Winergy, das sich inzwischen von den Auswirkungen der Krise im vorigen Jahr wieder erholt hat, sieht er aber fürs Erste keine negativen Folgen: „Wir fertigen unsere Komponenten hauptsächlich für den Export.“

Was ihm allerdings mehr Sorgen mache, sei eine mittel- bis langfristige Konsequenz: „Deutschland ist Weltmarktführer bei der Technologie für die Erzeugung regenerativer Energie. Wie lange noch?“

„Innovationsdruck
geht verloren“

Durch den von Rot-Grün seinerzeit beschlossenen Ausstieg aus der Kernkraft habe die einschlägige Industrie verstärkt Schub bekommen, sich mit Alternativen zu beschäftigen. Durch den Ausstieg aus dem Ausstieg gehe jetzt Stückchen für Stückchen der Innovationsdruck verloren, befürchtet Wendland: „Wir waren auf einem guten Weg“.

Bei den Dinslakener Stadtwerken sieht man den Vorgang zumindest intern gelassen. Man setze weiterhin verstärkt auf erneuerbare Energien, sagt Sprecher Wolfgang Kammann. Das gelte nicht nur für die Fernwärme aus Kraftwerk-Wärme-Kopplung in Walsum, aus Industrieabwärme und aus Biomasse, sondern auch für die Stromerzeugung in kleinen Anlagen wie dem Kraftwerk an der Gerhard-Malina-Straße. Zudem forciere man die Photovoltaik; 2009 waren zwei Schulen, das OHG und die EBGS, mit solchen Anlagen bestückt worden.

Heinz Ingensiep

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