Auf Kollisionskurs im Ledigenheim

Dinslaken..  Es war ein Experiment, und wie das mit Experimenten so ist, weiß man häufig nicht, was am Ende dabei herauskommen wird. Am Samstag kollidierten im Ledigenheim nämlich die Klamauk-Musiker von Butterfahrt 5 mit den Wort- und Tatkabarettisten von Restkultur und den St. Paulus Gospelsingers. Wie das alles zusammenpasste? Naja, es passte halt.

Mit einem aufwendig produzierten Video, in dem die Butterfahrtler die „schönsten“ Ecken Dinslakens musikalisch abklappern - um dann simultan im Ledigenheim zu erscheinen - war der Einstieg in den Crossover-Abend geschafft. „Die Leute wissen nicht, worauf sie sich eingelassen haben“, warnte Philipp Stempel von Butterfahrt 5 das Publikum schon einmal vor.

Was folgte, waren minimalistische Talking Heads-Klänge mit minimalistischen Instrumenten, ein Bauer-sucht-Frau-Western inklusive Cowboyhüten und Akkordeon, aber ohne Gnade für Humorlose, ein kleines Entspannungsseminar, in dem das Publikum auf das noch Kommende vorbereitet wurde, gab es gratis dazu. Ach ja, dann holten die fünf noch ihre Blechgebläse aus dem Keller und inszenierten „Jump“ und ein bisschen Helene Fischer im Dreifach-Turbo. Das war dann auch den Butterfahrtlern zu viel, deren Lungen kollabierten. Daher wurde es Zeit, auf Kollisionskurs mit Restkultur zu gehen.

Dabei gaben die Lokalos zu bedenken, dass man in Dinslaken zwischen Niederrhein und Ruhrpott unlösbaren Identifikationsproblemen ausgesetzt ist. Sieht man sich nun als Teil der „Schützenfestintifada“ oder doch lieber als „Thyssen-Mannesmann-Moloch“? Egal, Hauptsache der Dialekt stimmt. Herbert Menzel präsentierte mit angewandten Beispielen die Überlegenheit des Ruhrpottdialektes. Nach so viel Germanistik á la „Ich geh bei die Omma bei“ war ein wenig Gospel wohl die passende Abwechslung.

Die St. Paulus Gospelsingers hatten für den Abend einiges im Gepäck. „Also für mich geht gerade die Sonne auf“, so Butterfahrtmann Stempel, als gemeinsam „Purple Rain“ angestimmt wurde. Mit starken Solostimmen, aber am schönsten doch im Chor, überzeugten die Voerder, die Stefan Büscherfeld am Klavier begleitete. „Let my people go“, das sich wohl eigentlich auf Moses Gesuch an die Ägypter beziehen dürfte, wurde an dieser Stelle als Aufforderung ans Publikum zweckentfremdet – „Los geht in die Pause!“

Auch im zweiten Teil konnte das Niveau, sofern das an den entsprechenden Stellen gewünscht war, gehalten werden. Mit einem Gitarrenkurs für Alleinerziehende, einem hingehauchten Song über „Homöopathie in der Südsee“ oder einem, nennen wir es Chanson über die Liebe zwischen zwei Schrauben, wurde die Kollision komplettiert.

Wenn am Ende dann noch aus einem weinerlichen „Nothing compares to you“ ein beschwingtes „Oh happy day“ wird, gibt es eigentlich keinen Grund mehr zu meckern. Das sah auch das Publikum so und forderte lauthals die ewige Kollision. Demnach: Experiment geglückt!