Auf der Flucht ins gelobte Land

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Kinderrechtsteam des P-Dorfes entwickelte Flüchtlingsspiel für Grundschüler.

Dinslaken..  Sie hätten den Weg aus dem krisengebeutelten Nigeria ins gelobte Land nach Deutschland wohl im wirklichen Leben nicht geschafft, die Kids Alina, Elaine, Jolina, Finja und Luca. Wie gut, dass ihre „Flucht“ nur im Jugendheim P-Dorf nachgespielt wurde. „Es war schon irgendwie komisch, zu erleben, dass manche Kinder so sehr leiden müssen. Wir leben da doch hier viel glücklicher“ – eine Erkenntnis, die nicht nur Jolina sondern sicherlich alle Fünf am Donnerstag mit nach Hause genommen haben.

Die Ausgangssituation: alle Fünf leben in einem afrikanischen Dorf, der Krieg hält Einzug, die Familien werden getötet, nur sie überleben, machen sich auf den Weg nach Europa, denn dort soll es Verwandte geben. Unterwegs lauern Gefahren, müssen sie irgendwie an Geld kommen, um Schlepper zu bezahlen, die sie quer durch zwei Kontinente führen bis hin zur deutschen Grenze. Dort werden die Kinder allerdings von Polizisten aufgegriffen und in ein Asylantenheim gesperrt.

Gründlich ausgearbeitet hat das Kinderrechtsteam des P-Dorfes mit Hilfe ihrer Freunde aus der Ernst-Barlach-Gesamtschule das ganze Szenarium. Szenisch aufgebaut als Stationslauf sollten die fünf Teilnehmer die Situationen echter Flüchtlinge nachempfinden, denn „nicht nur Erwachsene flüchten, auch viele Kinder machen sich allein auf den Weg“, weiß Spielleiterin Emely. Nach einem kurzen Video-Clip über die Flucht von „Mila“ geht es dann bereits los. Sportlichkeit ist gefragt, die Soldaten lassen grüßen. Denn nachdem die Kinder in „ihrem Dorf“ mit „Papierbomben“ beschossen wurden und flüchten mussten, geht es auf einen Hindernis-Parcours. Hier heißt es, geschwind unter Tischen durchzukrabbeln, über Hürden zu springen und über Kisten zu kriechen und das nicht nur einmal. Da geht einem schon beim Zusehen die Puste aus. Drei Runden halten die Kids durch, dann streiken auch sie. Sie könnten sich nun vorstellen, was es heißt, körperlich am Ende zu sein, stöhnen sie unisono.

Doch sofort geht’s weiter – Geldbeschaffung. Auch das ist nicht gerade einfach, zehn Scheine muss jedes der Kinder irgendwie beschaffen, um die Schlepper bezahlen zu können. Rechnen könnte hier hilfreich sein, aber eine Lektion haben die Achtjährigen von Anfang an instinktiv begriffen – „nur gemeinsam schaffen wir es“. Also wird geteilt, die Schlepper bezahlt, die die Kids über Stock und Stein mit dem Bollerwagen quer durchs P-Dorf schieben. „Kommt, ihr seid doch die harten Frauen, das muss schneller gehen“, treibt Jannik die drei Schlepperinnen Jessica, Raffaela und Luana an. Schön, die kommen wenigstens auch mal ins Schwitzen.

Noch immer ist das ganze Elend nicht zu Ende, ein hohes Hindernis muss überwunden werden, in Teamwork, der Versuch der Polizei in Person von Jannik und Konstantina zu entkommen scheitert und die fünf Kids werden eingesperrt. Hier allerdings schaffen es Emely und ihre Helfer Vehbi, Simon, Miriam und Jana nicht wirklich, die Kids in Schach zu halten und ihnen Angst zu machen. Die NRZ greift ein, es gelingt. „Hautnah war es nicht“, erklärt Emely schließlich den Teilnehmern, „aber wir wollten euch einen kleinen Einblick in die Situation der Flüchtlingskinder geben. Wenn demnächst Kinder in eure Klassen kommen, bitte nehmt sie auf, kümmert euch um sie. Ihr wisst ja jetzt, wie es ihnen zumute ist.“ Denn auch hier würden Flüchtlingskinder nicht gerade gut behandelt, weiß Emely.