Das aktuelle Wetter Dinslaken 12°C
Kirche

Annähern, nicht angleichen

14.04.2010 | 18:39 Uhr
Annähern, nicht angleichen

Dinslaken. In unserer Gesellschaft vollziehen sich tiefgreifende Wandlungsprozesse. Die Bindung zu den christlichen Kirchen nimmt ab, mehr als jedes zweite neu geborene Kind stammt aus einer Familie mit Migrationshintergrund.

Viele ausländische Mitbürger sehen Deutschland nicht als Arbeitsort, sondern als neue Heimat. In einer zweiten Fachveranstaltung beschäftigten sich die Diakonischen Werke am Niederrhein gestern im Ledigenheim mit der Frage, wie Evangelische Kirche und Diakonie auf diese Entwicklungen reagieren müssen. Prominenter Gast war  Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und designierter EKD-Vorsitzender.

Die sozial-politische Diskussionsveranstaltung mit Fachvorträgen und Podiumsdiskussion stand unter dem Titel „Inklusion statt Integration“ –  Herausforderungen der Zuwanderungsgesellschaft.

Nach Begrüßungsworten von Jörg Koch (Diakonisches Werk Dinslaken) und Superintendent Martin Duscha (Ev. Kirchenkreis) erläuterte Dr. Theo Wessel, Geschäftsführer Sucht im Diakonischen Werk Deutschland, den Begriff „Inklusion“ – stammt aus der modernen Behindertenhilfe – als ein ganzheitliches Modell der gesellschaftlichen Teilhabe, das für die Migrationspolitik unmittelbar fruchtbar zu machen sei, mit den daraus zu ziehenden Konsequenzen für das eigene Handeln wie für die Erwartungen an die Migrantenorganisationen: „Es geht um Annäherung, nicht um Angleichung“. Inklusion aktiv zu gestalten, komme nicht von selbst. Wessel nannte bessere schulische Bildung (auch für die Lehrer), Netzwerkarbeit in Stadtteilen, mehr soziale Projekte, das Schulen von Mitarbeitern zu interkultureller Kompetenz.

Präses Nikolaus Schneider betonte, Integration und Inklusion seien keine Gegensätze. „Auch ich will an manchen Stellen nichts aufgeben“, nannte er etwa die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die Trennung von Staat und Kirche. Kulturelle und religiöse Differenzen im Umgang mit Muslimen gelte es zu verarbeiten. Ein Problem sei oft „unser mangelndes Wissen, Verständnis und Geld, gute Arbeit zu machen“. Er wolle keine Assimilation und Unterwerfung, sondern: „Wir sollen eine integrierte Gesellschaft bleiben.“ Hauptmittel sei die Sprachkompetenz, „Bildung, Bildung, Bildung!“ Gleichzeitig warb er für interreligiöse Gespräche, um die eigene und andere Position zu verstehen und für den respektvollen Umgang miteinander.

Zur Moderation von Sieghard Schilling, Geschäftsführer Diakonisches Werk Duisburg, ging es in der angeregten Diskussion um die Sensibilität für alltagspraktische Fragen. Tenor: Benachteiligungskriterien, etwa bei Bildung, müssten aufgenommen, anerkannt und bearbeitet werden. Der gesamtgesellschaftliche Blick  dürfe hier nicht aus dem Auge verloren werden.

Teilhabe oder Inklusion sollten uns dabei helfen“, so Martin Duscha, der die gute Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk und das große Engagement der Mitarbeiter hervorhob. „Wir haben das Gemeinwesen und den Sozialraum weiter im Blick, sind in unseren Gemeinden auf einem guten Weg“, wünschte er sich noch eine Erweiterung des „Leib Christi“-Begriffes. Auch Jesus habe Grenzen überschritten.

Peter Neier

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2854038/create

Aktuelle Fotos und Videos
Ruhrpott Rodeo 2012
Bildgalerie
Punk-Festival
STV Huenxe
Bildgalerie
Fussball
Kreis Pokalspiel
Bildgalerie
Fussbal
Landtagswahl 2012
Bildgalerie
Landtagswahl
Aus dem Ressort
Sanierung der B8 sorgt für Ärger
Sanierung
Die Kritik: Kein Flüster-Asphalt und mangelhafte Beschilderung
Wieder Trickdiebe am Geldautomaten
Polizei
76-Jähriger beim Abheben bestohlen