Serie Friedensdorf
Angolanisches Quartett
25.08.2009 | 15:06 Uhr 2009-08-25T15:06:00+0200
Oberhausen/Dinslaken. Joao mag deutsche Wurst, Cecilia ist froh, hier die Schule zu besuchen, Delfina kann endlich wieder auf Krücken gehen und Manuel will bald wieder kicken. Wir bieten einen Einblick in das Seelenleben der afrikanischen Gäste.
Joao mag deutsche Wurst. Aber er vermisst den frischen Fisch, den es in seiner angolanischen Küstenheimat oft gibt. Ein wenig wird er sich noch gedulden müssen, bis sein rechtes Bein wieder soweit hergestellt ist. Im Februar 2008 brach er sich beim Fußballspielen das Bein. Wie so häufig, wenn solche Brüche nicht mit entsprechenden Antibiotika behandelt werden können, entzünden sich die Knochen. Im November 2008 holte ihn das Friedensdorf International in Oberhausen nach Deutschland.
"Ich will viel lernen und Doktor werden"
Der Bürgerkrieg hat in Angola seine Spuren hinterlassen.
Angola zählt über 17 Millionen Einwohner. 2002 endete der seit 1975 andauernde Bürgerkrieg – noch immer ist das Land von Minen übersät. Heike Bruckmann gibt einen Überblick: „Die komplette Infrastruktur wurde zerstört. Es gibt keine vernünftige medizinische Versorgung, kein sauberes Wasser, es wird nicht geimpft. Die Kindersterblichkeit ist groß. Die Menschen sind sehr arm. Das ist tragisch, denn es ist eigentlich genug Geld da. Es gibt viele Bodenschätze wie etwa Öl, an dem sich aber nur einige Wenige bereichern. In der Hauptstadt Luanda bauen Investoren und drängen die Bevölkerung an den Rand in die Slums”.
Das Friedensdorf engagiert sich seit 1994 in Angola. 2001 wurde der neue Kooperationspartner „Kimbo Liombenbwa” (das heißt „Friedensdorf”) ins Leben gerufen. Weit über 40 Hilfseinsätze nach Süd-West-Afrika hat es schon gegeben.
Hier konnten ihm Ärzte helfen. Joao trägt zwar immer noch einen Fixateur – einem äußeren Spanner, der den Bruch von Außen mit Stangen und Schrauben stabilisiert –, aber er sei schmerzfrei. Vielleicht kann er bald wieder zurück zu seinen Eltern, seiner Schwester und seinen drei Brüdern, die er sehr vermisst. Zwei Briefe habe er schon in die Heimat geschickt. Nicht zuletzt durch seine Verletzung hat Joao der Ehrgeiz gepackt. „Ich will viel lernen und Doktor werden”, sagt er.
Cecilia ist in ihrer angolanischen Heimat böse gestürzt. Sie brach sich das linke Schienbein. Vor zwei Jahren reservierte das Friedensdorf auch ihr einen Platz im Flieger nach Deutschland. Die Ärzte haben ihr Bein mit einem Fixateur versehen. „Das war hart. Es hat weh getan”, erinnert sie sich. Aber es geht schon besser. Wann sie heim darf, ist noch völlig unklar. Sie vermisst ihre Eltern, ihre zwei Brüder und drei Schwestern sehr, begnügt sich auch mit Briefe schreiben.
Unterricht als Privileg
Trotzdem findet Cecilia es auch am Niederrhein schön. „Ich bin sehr froh, dass ich hier auch in die Schule gehen kann”, sagt sie. Das Friedensdorf hat ein Lernhaus errichtet, das sozusagen ein Schulersatz darstellt. Das Mädchen, das in Angola auch vier Jahre die Schule besuchte, empfindet die Chance zu lernen als Privileg.
In Angola konnte Delfina zuletzt gar nicht laufen. „Ich hatte eine Operation. Die war gar nicht gut”, sagt sie. Beim Spielen war sie hingefallen – „Totalschaden” im linken Knie. Jetzt, im Friedensdorf, kann sie immerhin schon auf Krücken gehen.
„Ich bin froh, dass ich hierher kommen konnte”, meint Delfina. Es wird besser. Sie ist nach 2008 in diesem Jahr zum zweiten Mal am Niederrhein und muss vielleicht noch einmal operiert werden. Wie lange sie noch bleibt, hängt vom Fortschritt des Knies ab.
Nach Krankengymnastik auf Torejagd
Kontakt zu ihren Eltern, ihren vier Brüdern und ihrer Schwester hat die Angolanerin kaum. Sie hat ein paar Briefe geschrieben, hofft, dass sie angekommen sind. Das Heimweh lässt sich aber beim Spielen mit so vielen Kindern ganz gut vergessen.
Für Manuel ist der Rückflug nach Angola im November schon gebucht. Er kann wieder rennen und seinem Lieblingssport, dem Fußball, frönen. Das war lange nicht möglich. Vor vielen Jahren hat er sich beide Beine schwer verbrannt.
„Das Narbengewebe in der Kniekehle zog sich zusammen. Er konnte das Bein nicht mehr Strecken”, erklärt Heike Bruckmann, Sprecherin des Friedensdorfes. „Ich habe keine Schmerzen mehr”, sagt Manuel. Eine OP und viel Krankengymnastik in Deutschland lassen ihn jetzt wieder auf Torejagd gehen.
Dieses Klischee stimmt voll und ganz.
Dieses Klischee stimmt voll und ganz: Afrikaner haben Musik und Rhythmus einfach im Blut. Das erlebt Heike Bruckmann, Sprecherin des Oberhausener Friedensdorf, immer wieder: „Sie singen oft, sie bewegen sich toll, selbst wenn sie körperlich eingeschränkt sind”.
Informationen zu Spendenmöglichkeiten gibt es im Internet unter www.friedensdorf.de oder unter 02064/49740. Sachspenden rund ums Kind sowie Trödel (der verkauft werden kann) sind ebenfalls willkommen. Das Friedensdorf kann immer helfende Hände gebrauchen. Wer sich engagieren möchte, meldet sich unter den angegebenen Kontaktadressen.
0mitdiskutieren