Angeklagter bestreitet Missbrauch seiner Stieftochter

Entscheidend für den Prozess werden die Aussage der Stieftochter und das psychologische Gutachten sein.
Entscheidend für den Prozess werden die Aussage der Stieftochter und das psychologische Gutachten sein.
Foto: Getty Images/iStockphoto Getty
Was wir bereits wissen
Ein heute 58-jähriger Mann soll seine Stieftochter in Voerde sexuell missbraucht haben. Der Angeklagte bestritt zum Prozessauftakt die Vorwürfe.

Voerde/Duisburg.. Über Jahre soll ein heute 58-jähriger Mann in Voerde seine Stieftochter sexuell missbraucht haben. Zu Beginn der Taten soll das Mädchen erst zwölf Jahre alt gewesen sein. Seit gestern steht der inzwischen in Schleswig-Holstein lebende Mann vor dem Landgericht Duisburg.

Die Anklage listet insgesamt 209 Fälle auf. Zwischen Juni 2006 und 2008 soll der Angeklagte in seinem Haus in Spellen mindestens zweimal in der Woche abends zum „Gutenachtsagen“ in das unter dem Dach gelegene Zimmer der Geschädigten gegangen sein. Tatsächlich soll er das Kind dazu gezwungen haben, sich zu entkleiden, um sich ihm dann sexuell zu nähern.

Von Anfang an habe es Auseinandersetzungen gegeben

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe gestern zum Prozessauftakt ebenso nachdrücklich wie umfassend. Seine Frau habe drei Kinder mit in die Ehe gebracht. „Der Erzeuger der Mädchen hatte ein Kind als Prinzessin behandelt. So etwas gab es bei mir nicht.“ Deshalb habe es von Anfang an immer wieder Auseinandersetzungen gegeben, die mitunter auch handgreiflich geführt worden seien. „Ich stand immer dazwischen.“

Es hätten sich innerhalb der Familie zwei Lager gebildet. Die Geschädigte habe dabei in der Regel auf seiner Seite gestanden. Allerdings nur so lange, bis er die Absicht verkündete, in den Norden Deutschlands ziehen zu wollen. „Meine Frau hatte immer Heimweh. Ich wollte eigentlich nicht weg.“

Gutachter spielen wichtige Rolle

Doch schließlich habe er nachgegeben und angekündigt, man wolle ein Haus in der schleswig-holsteinischen Heimat seiner Frau suchen. Der Stieftochter habe das nicht gepasst. „Das war wohl der Anfang dessen, warum wir nun hier sitzen“, behauptet der Angeklagte. Da das Mädchen gerade frisch verliebt gewesen sei, habe es sich furchtbar aufgeregt und ihm und seiner Frau schließlich gedroht: „Ich mache euch fertig.“

Entscheidend wird im Laufe des Prozesses die Aussage der heute 20-jährigen Stieftochter und gutachterliche Festellungen zu deren Glaubwürdigkeit sein. Ein vorläufiges schriftliches Gutachten einer Psychologin hat die Verteidigung bereits angegriffen und präsentierte gestern eine eigene, ebenfalls regelmäßig von der Kammer beauftragte Psychologin als Gegengutachterin.

Die Kammer räumte zu Beginn des Prozesses ein, dass es auf Seiten der Justiz zu Verzögerungen des Verfahrens gekommen sei, die der Überlastung des Duisburger Landgerichts zuzuschreiben seien. Die zum Jahreswechsel übliche Neuverteilung der Aufgaben in den Geschäftsstellen des Gerichts hatte zuletzt auch noch zu der Panne geführt, dass die Besetzung der Kammer erst vor zwei Tagen mitgeteilt worden war.