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Seemannslieder

An Bord des Shanty-Chors Hiesfelds ist kein Platz für Frauen

05.10.2009 | 12:55 Uhr
An Bord des Shanty-Chors Hiesfelds ist kein Platz für Frauen

Dinslaken. „Frauen an Bord bringen Unglück.” Der Spruch galt Jahrhunderte auf See. Heute ist natürlich alles ganz anders. Frauen segeln und stehen auf deutschen Schulschiffen ihren Mann. Die Sänger des Shanty-Chors Hiesfeld wollen trotzdem nicht, dass Frauen Seemannslieder singen. Kein Seemannsgarn.

„Na, spinnt da eene Deern Seemannsgarn, nech”, könnte da ein Nordlicht von heute brummen. Keineswegs.

Als Norbert Raymann vor einer Woche dem Shanty-Chor-Hiesfeld, allesamt gestandene Seebären von der Rotbachkant, verkündete, er wolle einen Frauenchor gründen, der Lieder von Meer und Hafen sänge, liefen die Männer Sturm. Der Wirt vom Hiesfelder Hof und Gründungsmitglied des Shanty-Chors hat die Rechnung ohne die Sänger gemacht. „Wir haben gesagt, wir finden das nicht gut”, erklärte Hans Krüger, Vorstand des Shanty Chores Hiesfeld auf Anfrage der NRZ, „deshalb hat er zurückgezogen.”

Frauen wollten keine Arbeiterlieder singen

Männer singen Seemannslieder: der Shanty-Chor Hiesfeld bei einem Auftritt im September. Foto: Markus Joosten

Raymann nahm inzwischen Abstand von der Idee. Christel Beckmann ist enttäuscht. Sie singt im Hiesfelder Mühlenchor, wäre aber gerne zusätzlich an Bord der singenden Frauen gegangen. „Ich wollte mit meiner Tochter Andrea Lembke beitreten, wenn sich der Chor gegründet hätte.” Das Repertoire sei schon in Sicht gewesen: „Wir wollten Lieder über das Meer und Seeleute singen. Schlager, auch irische und schottische Folklore, allerdings keine Shanties. Denn das sind ja Arbeitslieder, das hätte ja nicht gepasst.”

Unpassend. Da ist was dran. Die Shanties, die auf See gesungen wurden, haben einen rauen Ton. Deftig, bisweilen gar zotig. Auf jeden Fall Texte, die für männliche Interpreten geschrieben wurden. Auch wenn gemischte Chöre wie der Odenwalder Shanty Chor, der in den Fahrwassern des Humors segelt oder De Kamper Koggelzangers aus Holland, die von einer Frau als musikalischer Käpitän durch alle Gesangspassagen manövriert werden, sich sogar darüber hinwegsetzten.

"Wir sind er Tradition verhaftet"

Doch das soll, so Norbert Raymann, für den Frauenchor nie geplant gewesen sein. Die „Seemannsbräute” oder „Piratinnen” hätten sich an ihre Rolle weit weg von Tau und Takelage gehalten. Keine Havarien beim Repertoire. Doch das Nein der Shantysänger steht. Ist das nicht wie früher, als Frauen nicht gerne auf See gesehen waren? „Ja, das kann man so sagen”, so Hans Krüger. „Wir sind der Tradition verhaftet, da war es in der Tat so, dass Frauen auf den Schiffen nichts zu suchen hatten. Das ist kein Affront gegen Frauen - ich liebe Frauen.”

Aber die Hiesfelder Shantysänger lieben offenbar auch ihre Einsamkeit auf weiter See, fürchten gar um die Oberhoheit in ihren Gewässern: „Wir betrachten das als Konkurrenz. Als der Shanty-Chor begann - auch eine Gründung von Norbert Raymann, wie Sie wissen - da gab es nichts Gleichartiges in Dinslaken. Wir betrachten das auch als Teil des Erfolgs”, sagt Krüger.

Unterstützung nur vom jüngsten Sänger

Die Frauen in Hiesfeld werden also in nächster Zeit nichts von Meer und Hafenromantik zu singen haben. Wegen der Männer. Nur einer im Shanty-Chor bedauert das Scheitern des Projekts noch vor dem Stapellauf: Tristan Bernds bestätigt auf Anfrage, er hätte den Frauenchor gerne unterstützt. Bei Bedarf, instrumental, mit seiner Mandoline. Vielleicht ist das ein Hoffnungsstreif am Firmament für künftige, singende Seebräute. Denn Tristan ist mit 17 Jahren der Jüngste im Männerchor.

Bettina Schack

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