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Als Zeitzeuge durch Südamerika

24.11.2015 | 08:09 Uhr

Dinslaken. Seit Oktober weilt Peter Keup, früherer Tanzschul-Chef aus Dinslaken, in Lateinamerika, um in Sachen Zeitzeuge DDR an Schulen zu lehren und den Kindern dort die deutsch-deutsche Geschichte näherzubringen. Sein erstes Ziel dabei war die Deutsche Schule in Montevideo, in der die aktuelle Ausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur „Der Weg zur Einheit“ präsentiert wird. Sieben Tage lang versuchten die Schüler der 8. bis 12. Klassen, den Weg vom geteilten zum wiedervereinigten Deutschland zu verstehen und den Unterschied von Demokratie und Diktatur an seinen persönlichen Erfahrungen aus beiden Teilen Deutschlands auszumachen, beschreibt Keup seine dortige Arbeit.

In Uruguay, bis vor 30 Jahren selbst noch eine Militärdiktatur, habe man zwar den Weg in die Demokratie geschafft, eine Aufarbeitung der Verbrechen der Diktatur finde dort aber nur ansatzweise statt. „Ich schlug den Schülern vor, sich mit den Eltern und Großeltern zu unterhalten, doch die Schüler reagierten zurückhaltend“, berichtet Peter Keup. Die Lehrer erklärten ihm, dass sich die betroffene Generation in Schweigen hülle und eher verdränge als aufarbeite, einem Austausch mit der heranwachsenden Generation unaufgeschlossen gegenüberstehe.

Schließlich ging es nach drei Wochen in Argentinien und Uruguay weiter nach Brasilien, zunächst nach Sao Paulo und im Anschluss nach Rio de Janeiro. „In Sao Paulo lernte ich zwei deutsche Privat-Schulen kennen und war überrascht von deren exzellenter Ausstattung. Die Schüler lernen dort in äußerst privilegierten Verhältnissen und diese unterscheiden sich eklatant von den Lebensumständen der Armen in den Favelas, an denen ich während eines Flughafentransfers lediglich vorbeifuhr. Das reichte, um einen kleinen Einblick in deren Lebenswelt zu erhaschen“, erzählt er.

Die Schulen glichen Hochsicherheits-Einrichtungen mit Schleusen für Fahrzeuge und kontrollierten Zugängen für Personen, Mengen von Stacheldraht fielen ihm auf. Nicht viel anders das Bild an der deutschen Schule in Rio. Deren Geschichte ist eng mit der deutschen Geschichte verknüpft. Im Gebäude der Schule war während des Zweiten Weltkrieges die amerikanische Botschaft ansässig und 1942 unterzeichnete dort (im heutigen Lehrerzimmer) Brasilien den Kriegseintritt gegen Hitler-Deutschland an der Seite Amerikas. Auch die Lage der Schule ist spektakulär: unterhalb des Corcovado, auf dem sich die berühmte Christus-Statue befindet.

Auch hier stießen Peter Keups Aussagen über die deutsch-deutsche Geschichte auf großes Interesse der 11. und 12. Klassen. „Einige blieben nach dem Vortrag noch, um über Diktatur, Demokratie, Freiheit und Menschenrechte zu diskutieren. Für mich war das die bisher beeindruckendste Veranstaltung“, so Keup. Der stellvertretende Schulleiter stammt übrigens aus Duisburg, einer der Geschichtslehrer, Ralf Ochtrop, gar aus Dinslaken.

Nach einem Monat in Südamerika, geht es nun für Peter Keup weiter nach Nordamerika.

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2015-11-24 08:09
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