Als Dinslaken neu aufgebaut wurde

Was wir bereits wissen
Nachkriegsjahre und Wirtschaftswunder: Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte die Stadt ihr Gesicht. Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen an die 40er, 50er und 60er Jahre.

Dinslaken..  Die alliierten Bomber hatten am 23. März 1945 ganze Arbeit geleistet – Dinslakens Innenstadt lag unter einem Trümmerhaufen begraben. Unter diesen Trümmern waren zahlreiche Tote begraben, denn der Angriff erfolgte zu einer Zeit, als viele Menschen versuchten, die wenigen vorhandenen Lebensmittel für sich und ihre Familien zu sichern. Dinslaken zahlte, wie viele andere Städte, einen hohen Preis am für sie letzten Tag des Krieges. Die Neustraße, total zerbombt, das einstmals prächtige Bahnhofsgebäude, an dem während des Ersten Weltkrieges Kriegsgefangene mitgebaut hatten, war zum großen Teil zerstört.

Doch das Leben musste weitergehen, die Dinslakener krempelten die Arme auf und begannen mit dem Wiederaufbau. Der Bahnhof wurde wieder zur Drehscheibe des öffentlichen Nahverkehrs, die Straßenbahnen verbanden erneut Dinslaken mit Duisburg und auch die Busse sollten wieder verkehren. Die Überbleibsel des Krieges wurden geräumt. Leider fiel aber dem Wiederaufbau so manches Kleinod zum Opfer. Da war die Gaststätte Maaß, glücklich hatte sie den Zweiten Weltkrieg überstanden, musste aber Anfang der 50er Jahre dem Neuaufbau weichen. Der „moderne“ Neubau des Bahnhofs treibt noch heute so manchem alten Dinslakener Bürger die Tränen in die Augen und auch der Verlust des Rathauses an der Duisburger Straße schmerzt. Von all den Bausünden jener Zeit reden wir lieber nicht. Manche davon sind schließlich heute noch erhalten.

Die Zeit der 50er Jahre stand auch in dieser Stadt ganz im Zeichen des Wiederaufbaus, aber auch des neu erwachten Lebensgefühls – das Wirtschaftswunder begann.

Karl-Heinz Elspass ist Jahrgang 1955, zu jung, um sich an jene Zeiten zu erinnern. Ein Foto jedoch ziert die Wand seines Büros – der Beginn der Firma Elspass in den 50-er Jahren am Neutor. Die Menschen besuchen wieder das Kino, die ersten Häuser neben der Lichtburg sind errichtet. Mittendrin, wie auf einer Insel, eine einsame Tankstelle, an der man, wie Stadtarchivarin Gisela Marzin in ihrem Buch „Dinslaken – Bewegte Zeiten – Die 50er Jahre“ so schön beschreibt, „den neuesten Kapitän, Opels exklusivstes Modell mit dem Haifischmaul, bewundern kann, der den Glanz von Straßenkreuzern und den Glamour von Hollywood verbreitete“.

Inzwischen kennt sich Karl-Heinz Elspass zwar mit allem aus, das vier Räder hat, doch damals saß er nicht in einem Opel, sondern in einem kleinen, einfachen Kinderwagen, tiefer gelegt, würde man heute sagen. „Heute sind die Kinderwagen fast auf Augenhöhe, damals schliffen sie fast über dem Boden, waren aus einer Art Stroh gebunden“, erinnert er sich. Sein Vater nämlich wechselte sich mit seinem Bruder beim Sonntagsdienst in der Tankstelle ab. „Und immer wenn mein Vater Dienst hatte, zogen meine Mutter, meine drei Geschwister und ich aus Hiesfeld zu Fuß in die Innenstadt.“ Im Café Lohman wurden Teilchen für alle gekauft, „dann gingen wir zu meinem Vater und tranken dort mit Kaffee.“ Und später ging es halt wieder zurück nach Hiesfeld. Zu Fuß natürlich, „nur ich als Kleinster durfte in den Wagen“, sagt Karl-Heinz Elspass lachend.

Nicht weit entfernt von ihrer Tankstelle am Neutor befand sich auch die Werkstatt des Opel-Händlers Elspass. „Ein alter Pferdestall war es einst, bevor wir es zur Werkstatt umbauten. Heute wird dort, direkt an der heutigen Hans-Böckler-Straße / Ecke Wilhelm-Lantermann-Straße gelegen, ein Gardinengeschäft betrieben“, erzählt Karl-Heinz Elspass. 1956 zog man an die Hiesfelder Straße (heute: Karl-Heinz-Klingen-Straße), die Tankstelle fiel 1959 einer neuen Verkehrsgestaltung zum Opfer. Das Autohaus Elspass jedoch wuchs und wuchs und wuchs – die Wirtschaftswunderjahre machten es möglich.

Mein Dinslaken“ heißt ein Sonderheft, das im Mai in Ihrer NRZ erscheinen soll. Darin wollen wir die Geschichte Dinslakens nach dem Zweiten Weltkrieg erzählen. Und was ist die Geschichte einer Stadt, wenn nicht die Summe der Geschichten, die ihre Bürger erlebt haben? Deshalb bitten wir Sie, liebe Leser, uns Ihre ganz persönliche Dinslakener Geschichte aus den späten 40er, 50er oder 60er Jahren zu erzählen. Wie sind Sie groß geworden? Wie ist Dinslaken groß geworden? Was haben Sie ganz persönlich erlebt, wie haben Sie Ihre Stadt aufwachsen sehen? Interessant sind für uns Beiträge aus dem Privatleben, aber auch aus der Wirtschaft und dem Sport. Sie können uns alte Fotos schicken, lange und kurze Geschichten zusenden oder Fragen zu einem Foto stellen.

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