Zustellung soll ab Montag in Brilon wieder Fahrt aufnehmen

Briloner Gewerbetreibende brachten an der Post in der Königstraße ein Transparent an und diskutierten mit den Streikenden
Briloner Gewerbetreibende brachten an der Post in der Königstraße ein Transparent an und diskutierten mit den Streikenden
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Briloner Gewerbetreibende haben sich Freitagmorgen zu einer Kundgebung in der Königstraße getroffen. Sie haben seit drei Wochen keine Post mehr erhalten.

Brilon..  Ab Montag soll sich die Postzustellung in der Briloner Kernstadt langsam wieder normalisieren. Das gute Dutzend beamteter Zusteller will die bestreikten Bezirke nach Kräften mit übernehmen. Dazu hätten sie sich freiwillig bereit erklärt. So jedenfalls gestern eine offizielle Verlautbarung der Deutschen Post AG zur WP.

Christoph Stein aus Thülen, für die Post AG zuständiger Bezirksfachbereichs-Vorsitzender bei Verdi , mag das nicht so recht glauben: „Ein Fußbezirk in der Stadt ist rund 20 km lang. Das ist ein Halbmarathon mit Gepäck. Und das bei diesen Temperaturen!“ Und überhaupt: „Freiwillig?“ Das sei ihm so nicht übermittelt worden.

Beamte freiwillig im Mehr-Einsatz

Dass nach drei Wochen Poststreik jetzt eventuell Bewegung in die Brief- und Paketzustellung kommt, ist einer Initiative von Unternehmern aus dem Briloner Gewerbegebiet zu verdanken. Und ein wenig auch dem Zufall. „3 Wochen ohne Post. Das Maß ist voll.“

Mit diesem Transparent rückten gestern früh rund 15 Gewerbetreibende in der Königstraße an und fixierten es an der Postfiliale. Und während sie mit der etwa gleich großen Gruppe der sich täglich morgens dort zum Streik einfindenden Zusteller diskutieren, fährt unerwartet der für die Postleizahlregionen 44 und 59 zuständige Abteilungsleiter Auslieferung, Ingo Kutsch aus Dortmund, vor. Und der hört sich die Sorgen der Unternehmer an. „Im Hochsauerlandkreis“, so stellt er fest, „läuft es insgesamt gut, in Brilon allerdings nicht.“

Darum geht es bei dem Streik

„Wir würden ja gerne unsere Post selbst abholen. Aber wird dürfen ja nicht in das Gebäude rein“, sagt Ursula Klaholz von der gleichnamigen Spedition. Denn in der Königsstraße stapelt sich das Streik-Gut, fix und fertig vorsortiert für die Zustellung, wie es heißt.

Für die Unternehmens steht einiges auf dem Spiel. Da geht es beileibe nicht nur um Rechnungen. „Die Frachtbriefe müssen zurückgeschickt werden", sagt Ursula Klaholz. Und Friedhelm Robert, Seniorchef des Autohauses Biederbick, lässt die Fahrzeugunterlagen Kunden per DHL zukommen - „Das kostet 15 Euro extra.“ Das morgendliche Gespräch mögen die Streikenden „bitte nicht als persönlichen Angriff“ sehen. Robert: „Sie machen auf Ihre Probleme aufmerksam, wir auf unsere.“

Susanne Stappert von der Fa. BBE Domoferm drückt Post-Abteilungsleiter Ingo Kutsch den Brandbrief der Gewerbetreibenden in die Hand. Auf dem Betriebshof. Dort haben Unbefugte eigentlich keinen Zutritt.

Und deshalb lehnen die Streikenden - mit telefonischer Rückversicherung bei der Gewerkschaft - auch die Einladung von Ingo Kutsch ab, sich im Haus über die Lage zu unterhalten und eine lokale Lösung zu suchen. Davon hat Christoph Stein nichts gehalten: „Es wäre hier keine Bereitschaft erzeugt worden, den Streik zu beenden.“

Wie wohl die Bereitschaft bei den Briloner Postbeamten zur verkündeten Mehrarbeit ab Montag erzeugt worden sein mag? Die Mimik, mit der einer von ihnen den Gewerbetreibenden die frohe Botschaft mitteilte, spräche Bände, heißt es: „Da ist der Begriff freiwillig wohl neu definiert worden.“

Ursula Klaholz jedenfalls ist mit der morgendlichen Aktion zufrieden: „Es hat sich gelohnt.“