Zustand des Bahnhofs in Siedlinghausen ärgert die Bürger

Der Bahnhof in Siedlinghausen: So sieht derzeit das „Eingangstor zur Ferienwelt Winterberg“ für Bahnreisende aus.
Der Bahnhof in Siedlinghausen: So sieht derzeit das „Eingangstor zur Ferienwelt Winterberg“ für Bahnreisende aus.
Foto: Rita Maurer
Was wir bereits wissen
Für die einen ist er das Eingangstor zur Ferienwelt Winterberg, für Ortsvorsteher Bruno Körner und viele Siedlinghauser eher „1100 Meter Katastrophe“: der Bahnhof in Siedlinghausen.

Siedlinghausen.. Für die einen ist er das Eingangstor zur Ferienwelt Winterberg, für Ortsvorsteher Bruno Körner und viele Siedlinghauser eher „1100 Meter Katastrophe“: der Bahnhof in Siedlinghausen.

Im Jahr 1906 wurde er als Zwischenstation der Strecke Nuttlar-Frankenberg eingeweiht. In seinen Hochzeiten in den sechziger Jahren wurden hier neben dem Passagierverkehr am Tag bis zu 3000 Tonnen Steine aus den umliegenden Steinbrüchen verladen.

Seit Gründerzeiten nicht mehr saniert

Bruno Körner hat selber viele Jahrzehnte bei der Bahn gearbeitet und kennt den Bahnhof wie seine Westentasche. Der Bahnsteig sei schon immer so gewesen, hier wurde vermutlich seit Gründerzeiten nichts mehr saniert, vermutet Körner. Um den Bahnsteig in Richtung Olsberg zu erreichen, müssen Bahnfahrende über eine provisorische Holzrampe über das Gleis nach Winterberg gehen – für Gehbehinderte oder Kinderwagen kaum machbar. Auf den Schotterwegen stehen bei Regenwetter tiefe Pfützen.

Tourismus In der Mitte zwischen den beiden Gleisen wurden Markierungspunkte eingelassen, die teilweise aus dem Boden herausragen. Deren Sinn kann Bruno Körner nicht nachvollziehen: „Das ist purer Aktionismus! Diese Punkte nützen nichts, sie schaden nur, weil man drüber stolpert und im Winter keinen Schnee schieben kann.“

Eine Stippvisite am Bahnhof mit NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft während ihres Siedlinghausen-Besuchs im letzten Juni hätte aus Zeitgründen nicht geklappt: „Die Bahn und so einige Politiker sollten sich das hier mal angucken und erklären, in welchem Jahrhundert wir eigentlich leben.“

Pragmatische Lösung gesucht

Der Bahnsteig sei auch beim für den Nahverkehr zuständigen Zweckverband Ruhr-Lippe (ZRL) schon länger ein Thema, bestätigt der stellv. Geschäftsführer Thomas Ressel auf WP-Anfrage. Aufgrund der geringen Fahrgastzahlen in Siedlinghausen lägen die Sanierungs-Prioritäten momentan jedoch auf anderen größeren Bahnhöfen wie u.a. Meschede und Hüsten.

Sobald die Planungen dafür erledigt wären, würde jedoch nach einer pragmatischen Lösung für Siedlinghausen gesucht, wie man u.a. den Fahrkartenautomaten an die Überquerung anbinden und den Bahnsteig mobilitätsgerecht gestalten könne. Das Bahnhofsgebäude hat vor rund 10 Jahren ein Künstler-Ehepaar aus Leverkusen gekauft, um darin ein Atelier einzurichten, diese Pläne wurden bislang aber nicht umgesetzt, so dass das Gebäude weiter verfällt.

Infrastruktur Das Bahnhofsgelände rund um Gleise und Gebäude sieht seit einigen Monaten deutlich aufgeräumter aus. Der Forstunternehmer Michael Stöber aus Siedlinghausen hat die 7800 qm große Fläche Ende 2014 von der Bahn ersteigert und von den umherstehenden Wohnwagen, Müll sowie Wildwuchs und Bäumen nach vorheriger Absprache mit dem Bauhof Winterberg befreit. Vor dem Bahnhof möchte er eine Oldtimerhalle errichten, die bereits genehmigt ist. Im hinteren Bereich plant er ein Holzlager.

Dieses Vorhaben scheitert momentan jedoch noch am Flächennutzungsplan, der an dieser Stelle ein Wohngebiet vorsieht, außerdem an Immissionsschutz-Einwänden des HSK und an den Bedenken einiger Anwohner, die mehr LKW-Verkehr durch die verkehrsberuhigte Kahlenbergstraße befürchten, als Stöber vorsieht.

Bruno Körner begrüßt dieses Vorhaben: „Wir sind froh über jeden neuen Gewerbetreibenden, davon kann Siedlinghausen nur profitieren“. Auch die CDU-Fraktion sieht die Pläne positiv: „Jede Veränderung gegenüber dem Ist-Zustand ist positiv. Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen jedoch geprüft und eingehalten werden, bevor ein Änderungsverfahren eingeleitet wird“, äußerte sich der stellv. Fraktionsvorsitzende Johannes Hellwig.