Workaway: Nach dem Abi Tour durch den Süden

Brilon/Marseille..  Abitur - gut, und was jetzt? Diese Frage stellte ich mir letzten Sommer auch. Dann entschied ich mich,ins Ausland zu gehen. Doch mich zog es nicht ans andere Ende der Welt, nach Neuseeland oder Australien - nein, ins Nachbarland Frankreich sollte es gehen. Die Organisation „Workaway“ ermöglicht es Reisenden wie mir, Kontakt aufzunehmen zu einzelnen Personen oder Familien, die Hilfe im Haus, Garten oder mit der Betreuung ihrer Kinder benötigen. Dafür, dass man vier bis fünf Stunden am Tag für sie arbeitet, wohnt man gratis in den Familien und wird komplett verpflegt. „Nicht schlecht“ dachte ich und erstellte ein eigenes Profil.

„Oui, oui“ als Notlösung

Im September reiste ich dann zu meinen ersten „Hosts“. Dort empfingen mich Latitia und ihr Mann Bruno mit ihren Töchtern. Latitia betreibt „Chambre d’otes“, was mit dem englischen „Bed and Breakfast“ zu vergleichen ist. Außerdem kümmert sie sich um ihre Kinder, drei Katzen und fünf Hühner, ist nebenbei Ehefrau und hält ein riesiges Grundstück instand. Kein Wunder, dass da zwei helfende Hände gut gebraucht werden können! Ich übernahm verschiedene Aufgaben, brachte die Mädchen zur Schule, putzte das Haus, kümmerte mich um die Gäste, schliff alte Türen ab oder fütterte die Tiere. Doch wichtiger als die Arbeit waren für mich meine Sprachkenntnisse, die zu Anfang noch schlechter waren als erwartet. Ich beantwortete fast jede Frage mit „Oui, oui“, obwohl ich keine Ahnung hatte, was Latitia da gerade von mir wissen wollte. Sie erklärte mir geduldig alles noch mal, zwar wieder auf Französisch, aber langsamer. Mit Hilfe meines Handyübersetzers sowie wilder Gestikulation unserer Arme und Beine verstand ich nach einer Woche den Unterschied zwischen Schneebesen und dem Besen im Garten.

Abends las ich den drei Mädchen Märchen vor, bei denen sie mich oft verbesserten oder laut losprusteten, wenn ich wieder etwas falsch aussprach. Ich musste mitlachen. Meine liebenswürdige, lustige Gastfamilie fuhr mit mir nach Carcassonne und Toulouse. Für mich wurde ein Traum wahr, als wir mit dem alten VW-Bulli ans Meer fuhren.

Bei britischen Dauerurlaubern

Nach dieser schönen Zeit reiste ich in die Region der „Gers“ zu Mary und Mike, einem älteren englischem Ehepaar. Sie verbringen jährlich acht sonnige Monate in ihrem großen Haus mit Pool in Frankreich. Ich half Mary beim Kochen und im Garten. Abends spielten wir Schach, besuchten Museen oder Freunde. Am Wochenende fuhr ich nach Bordeaux und probierte dort zum ersten mal „Couchsurfing“ aus. Bei den Couchsurfern ist es Tradition, dass abends zusammen gekocht wird, und man bei einem Glas Wein mehr über einander erfährt.

Meine erste Couchsurfing-Erfahrung war super, die beiden Mädels bei denen ich wohnte, zeigten mir nicht nur das wunderschöne Bordeaux, sondern nahmen mich direkt mit zu zwei Housepartys. Anders als bei uns waren die Tische voll mit Wein und Käse. Und als der DJ die Backstreet Boys spielte, rannten alle kreischend auf die Tanzfläche. Wir sind uns also doch ganz schön ähnlich.

Kreischen bei den Backstreet Boys

Meine Reiseroute mit „Workaway“ ging weiter an die Côte d’Azur, nach Grenoble, Lyon und zum krönenden Abschluss nach Paris. An den Wochenenden besuchte ich Städte wie Marseille, Montpellier, Cannes, Nizza und Antibes. Ich übernachtete sogar bei einer Frau, die in einer Garage lebt. Verrückt? Klar! Aber total interessant.

In knapp vier Monaten besuchte ich 22 Städte und lebte bei sechs Familien. Es war eine aufregende und sehr intensive Zeit, bei der ich nicht nur Südfrankreich kennenlernte, sondern auch auf viele unterschiedliche Menschen traf, Lebensgeschichten hörte und Freunde fand. Ich kam einmal raus aus Brilon, meinem Alltag und lernte auch viel über mich selbst.

Allen, die interessiert an anderen Ländern und Kulturen sind, kann ich nur empfehlen, eine Zeit lang im Ausland zu leben und zu reisen. Durch die Organisation „Workaway“ und durch das Couchsurfen spart man viel Geld.