Wo man Füße und Seele baumeln lassen kann

Neuer Dorfmittelpunkt in Züschen: der Nuhne-Ursprung
Neuer Dorfmittelpunkt in Züschen: der Nuhne-Ursprung
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Nuhne-Ursprung, wo Steinstufen hinab zum Wasser steigen, ist der neue Dorfmittelpunkt in Züschen.

Züschen..  Eins plus Eins gibt…..Eins! Oder Sonneborn plus Ahre ergibt die Nuhne. Für die meisten sind das zwei Bäche, die in Züschen zu einem neuen zusammenfließen. Laut einer Pressemitteilung soll es jedoch „ein mythischer Kraftort mit einem geometrisch erschlossenen Runenzeichen sein, der zu neuem spirituellen Leben erweckt wurde“. Das klingt ungewöhnlich. Warum also nicht einfach mal vorbeigehen?

Direkt an der Felsenstraße in der Züscher Ortsmitte steht ein auffälliges, dreieckiges Fachwerk-Tor mit der Inschrift „Nuhne-Ursprung“ neben der Sonneborn-Brücke. Die Form ist dem sogenannten germanischen Dreieck nachempfunden und soll den „Zugang zum Reich des Weltenschöpfers und Herrn über Sonne, Wasser und Erde“ symbolisieren. Aha! Das ist er also, der Nuhne-Ursprung?

Auf Schotterweg zur Insel

Die Symbolträchtigkeit sagt mir nicht wirklich was, doch das Portal sieht schön sauerländisch aus. Aber irgendwie nicht nach so vielen Stunden Eigenleistung und verschiedenen Fördermitteln wie beschrieben. „Nein, das ist doch erst der Anfang, Sie müssen mal weitergehen“, fordert mich eine Züscherin auf, die meinen ratlosen Blick bemerkt hat. „Als erstes kommen rechts drei Metallpfosten, die waren schon beim Aufstellen verrostet. Dann gehen Sie einfach weiter bis an die Bänke, und da ist der Nuhne-Ursprung.“

Danke für den Tipp, das wäre ja sonst ein kurzer Artikel geworden! Die „rostigen Metallpfosten“ sind Stelen aus Cortenstahl vom Madfelder Künstler Boris Sprenger, die für Sonne, Wasser und Erde stehen sollen. Nach einigen Schritten entlang der Sonneborn ist der Straßenlärm von der B 236 wie weggeblasen, stattdessen zwitschern Vögel, Insekten summen über einer Sommerwiese und einige Schafe dösen im Schatten ihres Backstein-Stalls. Der schmale Schotterweg mündet auf eine richtige kleine Insel. Zwei Holzbrücken führen über die Ahre und die Sonneborn, die von beiden Seiten spitz aufeinander zufließen und sich dann vereinen: der Nuhne-Ursprung! Steinstufen steigen hinab zum Wasser, wo man die Seele oder zumindest die Füße baumeln lassen kann, im Hintergrund thront die Pfarrkirche.

Rothaarsteigbänke sind um einen Brunnen gruppiert und locken zu einem Päuschen, auf großen Steinen sind drei wetterfeste Bücher mit Informationen über die Nuhne montiert. Sie schlängelt sich ab hier bis ins hessische Schreufa, wo sie kurz vor Frankenberg in die Eder fließt. Auf ihrem knapp 29 Kilometer langen Weg ist sie gleichzeitig Landes-, Religions- und auch Sprachgrenze.

Ortsheimatpfleger Walter Peis hatte im Jahr 2012 die Idee, aus dem bis dato unscheinbaren, verwilderten Zusammenfluss einen schön gestalteten Ort der Ruhe zu machen, der in das Konzept von Züschen als „Dorf der Sinne“ passt. Ein Arbeitskreis machte sich daraufhin in ungezählten Sitzungen und Einsätzen für die planerische und praktische Umsetzung stark.

48-seitige Farbbroschüre

Die Gesamtfinanzierung von rund 50 000 Euro setzte sich laut Sprecher Joachim Reuter aus Mitteln des Leader-Programms, der Stadt Winterberg und dem Verkehrs- und Heimatverein sowie einer großzügigen Einzelspende der im letzten Jahr verstorbenen und aus Züschen gebürtigen Hannelore Dolce-Leber zusammen.

Ist der Nuhne-Ursprung denn nun, so wie in der 48-seitigen Farbbroschüre angekündigt, mythisch, mystisch oder spirituell, haben mir „die geistigen Normen seherische Weisheit und geistige Botschaften“ überbracht? Keine Ahnung, diese Interpretation ist mir als bodenständigem Sauerländer doch eher verschlossen geblieben. Aber es ist ganz deutlich erkennbar, dass in diesem malerischen Plätzchen viele Stunden ehrenamtliche Gedanken, Arbeit und gute Ideen stecken, die es zu einem kleinen Geheimtipp gemacht haben, an dem man tatsächlich zur Ruhe kommt.