„Wir können doch nicht streiken wie die Post“

Altkreis..  Karin Schröder und Kathrin Nolten aus Medebach ziehen gerade mit ihrer Hebammenpraxis „Lichtblicke“ in neue Räumlichkeiten. Ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft? „Wir mussten aus unserem bisherigen Gebäude raus und hätten eine Immobilie in optimaler Größe und Lage bekommen können, für die allerdings eine aufwändige Renovierung nötig gewesen wäre. Diese Investition war uns bei der derzeitigen Lage zu ungewiss.“

Jetzt haben die beiden im Prozessionsweg kleinere Räume angemietet. Sie betreiben ihre Praxis seit acht Jahren und bieten Vorbereitungs- und Rückbildungskurse, Yoga, Babymassage sowie Beratung bei allen Fragen rund um Schwangerschaft und Baby an.

Die Geburtshilfe haben beide aus finanziellen Gründen aufgeben müssen. „Viele Frauen haben gesagt, dass wir streiken sollen wie z.B. die Lokführer oder die Post. Aber wir haben so eine persönliche Bindung und dadurch Verantwortung für unsere Mütter und Kinder. Was ist, wenn eine von ihnen eine Brustentzündung bekommt oder ihr Baby krank wird? Sollen wir sie dann damit alleine lassen, weil wir gerade streiken?“

Frauen verlieren Wahlmöglichkeit

Eine Verbesserung der Hebammen-Situation sei im Grunde politisch nicht gewollt. Anders kann sich Karin Schröder die langatmigen Diskussionen zwischen innerministriellen Arbeitsgruppen, Krankenkassenverbänden und Spitzengremien nicht erklären. „Es bringt der Medizin und der Pharmaindustrie mehr Geld, wenn die Frauen im Krankenhausbetrieb entbinden“. Aber so werde den Frauen sukzessive die Möglichkeit genommen, frei zu entscheiden, wo und mit wem sie ihr Kind bekommen möchten.

Mietvertrag nur für ein Jahr

Der Mietvertrag für ihre neue Praxis gilt nun erst einmal bis zum 1. Juli 2016. Was kommt danach? Karin Schröder zuckt mit den Schultern: „Wir haben beide so viel Freude an unserer Arbeit, wir können gar nicht anders, als mit Leib und Seele Hebamme zu sein.

Es ist der älteste Beruf der Welt und wichtiger als eh und je, weil es kaum noch Großfamilien gibt, die junge Mütter mit ihren Fragen auffangen.

Die Hoffnung auf ein gutes Ende stirbt deshalb zuletzt.“