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„Wir haben den schönsten Beruf der Welt“

01.11.2012 | 08:00 Uhr
„Wir haben den schönsten Beruf der Welt“
Das Spielwarengeschäft Jacobi (hier Hans und Gabriele Jacobi)Foto: Katja Gohsmann

Brilon. Die roten Aufkleber an der Fensterscheibe verkünden: Räumungsverkauf. An gleicher Stelle haben sich seit 1954 unzählige Kinder die Nasen am Schaufenster platt gedrückt und ihr Taschengeld für neue Schätze ausgegeben. Das Spielwarengeschäft Jacobi schließt nach 58 Jahren für immer. Aber noch bimmelt die Eingangstür fleißig und kündigt Kunden an. „Wir sehen es mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, sagt Hans Jacobi. Im Februar ist er 65 Jahre alt geworden - und nun will er in den „Unruhestand“ gehen. „Seit 30 Jahren haben wir keinen richtigen Urlaub mehr gemacht“, sagt Jacobi. Besonders freut er sich mit seiner Frau Gabriele darauf, gemeinsam wandern zu gehen ohne stets auf die Uhr schauen zu müssen.

Aber der Abschied tut auch weh: „Wir haben das mit Herzblut gemacht - anders geht es gar nicht.“ Der morgendliche Gang hinunter zum Laden wird fehlen - genauso wie die zahlreichen Stammkunden. „Am meisten hat mich gefreut, dass die Menschen, die als Junge die Siku-Autos oder als Mädchen ihre Puppen noch bei meinen Eltern ausgesucht haben, später selbst als Eltern hier Geschenke gekauft haben und mittlerweile als Großeltern herkommen.“

Im Wandel der Zeit hat sich auch das Spielverhalten verändert: Früher orientierten sich Eltern mit ihren Kindern beim Schaufensterbummel, heute informiert das Fernsehen. „Ich kann mich noch erinnern: In der Weihnachtszeit musste meine Mutter mindestens drei Mal pro Woche die Schaufenster putzen“, sagt Hans Jacobi und lacht. Er kann sich auch noch an einen seiner eigenen Wünsche erinnern: „Als ich 14 Jahre alt war, da war eine Modelleisenbahn einfach das Größte.“ Das interessiert heute keinen 14-Jährigen mehr: Mittlerweile funktioniert Monopoly per i-Pad oder Bowling mit der Spielkonsole. Bestimmte Klassiker sind aber bis heute beliebt wie zum Beispiel Lego - aber bitte die Themenwelt von Herr der Ringe oder Star Wars. Auch mit Barbies wird noch heute gern gespielt - die Puppen von „Monster-High“, der Schule für die Töchter von Graf Dracula und Co., sorgen derzeit für gehörige Konkurrenz.

Bei all dieser Auswahl musste Jacobi beim Einkauf stets den richtigen Riecher unter Beweis stellen - und mit jahrelanger Erfahrung und Spaß hat das auch geklappt: „Wir haben den schönsten Beruf der Welt, denn wir sind zum Spielen verpflichtet“, ist er überzeugt.

Wenn die Ladentür für immer geschlossen wird, werden Hans und Gabriele Jacobi vor allem den Kontakt zu den Kunden vermissen. „Viele kommen vorbei und sagen: Wie kannst du uns das nur antun?’“ Auch per Post verabschieden sich Kunden. Auf Karte bedankten sie sich für die gemeinsamen Jahrzehnte und die Unterstützung bei so mancher Sammelleidenschaft.

Für sein eigenes Hobby hat Hans Jacobi nun auch wieder etwas mehr Zeit: Modell-Loks, schön vergoldete Sammlerstücke, faszinieren ihn. Sein ältestes Spielzeug ist ein betagter Stofftier-Affe der Marke Schuco - made in der US-Zone in Germany. Es ist rund 60 Jahre alt - und überdauert nun sogar das Spielwarengeschäft Jacobi.

Von Katja Gohsmann



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