„Wir haben alle große existenzielle Ängste“

Briloner Postmitarbeiter im Streik. Sie haben einen Info-Stand am Markt aufgebaut.
Briloner Postmitarbeiter im Streik. Sie haben einen Info-Stand am Markt aufgebaut.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Briloner Postangestellte haben gestern am Briloner Marktplatz um Verständnis und Solidarität für ihren Streik gebeten.

Brilon..  Warum streiken die Postler immer noch? Eine Frage, die viele Briloner bewegt. Denn die 17 Postangestellten in der Stadt haben ihre Arbeit seit dem 8. Juni unbefristet niedergelegt. Das heißt: In der Kernstadt gibt es derzeit keine Zustellungen. Im Postgebäude in der Königstraße dürften sich Tausende von Briefen und Paketen stapeln. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, standen Postangestellte gestern Passanten am Markt Rede und Antwort.

Fronten sind verhärtet

„Die meisten Bürger zeigen Verständnis und sprechen uns Mut zu, andere sind verärgert. Aber wir wollen doch auch, dass das schnell vorbei ist“, berichtet ein Postler. Die Fronten scheinen allerdings so verhärtet, dass mit einem raschen Streikende nicht zu rechnen ist.

Eine Frau bleibt unschlüssig am Stand stehen. „Wo kann ich mir denn meine Post abholen?“, fragt sie schließlich. „Überhaupt nicht“, ertönt es von der anderen Tischseite. „In das Postgebäude darf niemand rein.“ Die Dame überlegt einen Moment. „Wie wollen Sie eigentlich den Berg an Post nach Streikende wieder verteilen? Da müssen Sie ja mit Lkw unterwegs sein.“ Die Streikgruppe ringt sich ein gequältes Lächeln ab.

Einige Passanten werden gebeten, ihre Unterschrift unter eine Petition an Finanzminister Schäuble zu setzen. Er wird als Vertreter des Hauptaktionärs aufgefordert, gegenüber dem Postvorstand deutlich zu machen, dass „das Prinzip „Geht es dem Betrieb gut, muss es auch den Beschäftigten gut gehen“ ein Wesensmerkmal sozialer Marktwirtschaft sei. Innerhalb von zwei Stunden sind bereits über 200 Unterschriften gesammelt worden.

„Wir wollen doch nicht mehr Geld und weniger arbeiten. Wir wehren uns nur gegen Vertragsbruch und Einkommensklau durch Ausgliederung“, meint ein Kollege, der seit 22 Jahren bei der Post arbeitet und noch nie gestreikt hat. „Wir haben alle große existenzielle Ängste.“

Auch in Olsberg seien Postler in den Streik getreten, berichtet die Gruppe. „Doch dann sind sie von oben unter Druck gesetzt worden und am nächsten Tag wieder zur Arbeit erschienen.“ Das wird hier nicht passieren, versprechen die Briloner Postangestellten, die sich der Solidarität ihrer Beamtenkollegen sicher sein dürfen. „Wir lassen uns den Abbau fair bezahlter Arbeitsplätze bei der Post AG und den Aufbau schlechter bezahlter Arbeitsplätze bei Tochterunternehmen nicht gefallen“, betonen sie. „Aber es muss auch etwas passieren.“