„Wir experimentieren ja nicht im weißen Kittel“
10.02.2012 | 17:11 Uhr 2012-02-10T17:11:00+0100
Olsberg. Die Genehmigung zur Sekundarschule liegt der Stadt Olsberg vor. Aber bis zum 24. Februar, letzter Anmeldetag, werden Politiker, Rektoren und Stadtmitarbeiter wohl täglich schauen, wie sich die Eltern verhalten. Geben sie der neuen Schulform eine Chance? 61 Prozent der jetzigen Eltern von Dritt- und Viertklässlern an Olsberger Grundschulen waren in Befragungen für den neuen Schultyp. Dazu der kommissarische Schulleiter Michael Aufmkolk im WP-Gespräch.
Westfalenpost: Frage: Herr Aufmkolk, wird mit der neuen Schule alles anders und unabwägbar?
Nein. Wir experimentieren ja nicht im weißen Kittel. Die Unterrichtsinhalte und Abschlüsse bleiben, lediglich die Methoden, wie wir Ziele erreichen, werden sich ändern. Hinzu kommt der gymnasiale Standard, den wir bieten müssen. Außerdem können sich Schüler, die eher Spätzünder sind, im kooperativen Modell ganz anders orientieren. Sie werden länger Praktikum machen und wir schaffen früh Kontakte zu Berufsförderern sowie zum Berufskolleg.
Warum ist die Sekundarschule für Olsberg so wichtig?
Mit der Sekundarschule kann man an einer Schule alle Standards bedienen. Außerdem stimmen die örtlichen Voraussetzungen. Wir sind schon immer ein Schulzentrum und mit der neuen Mensa und der neuen Aula sind wir auch für den Ganztag gerüstet.
Angenommen also, die Sekundarschule käme nicht zustande und die Hauptschule würde geschlossen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden dann angesichts der freien Entscheidung der Eltern über die Schulform noch mehr Kinder mit einer reinen Hauptschulempfehlung in die Realschule drängen. Kann man angesichts dieser Tatsache noch blind nach Realschulniveau unterrichten? Nein. Diesem Umstand trägt das Sekundarschul-Modell viel mehr Rechnung.
Die kleineren Klassen mit 25 bis 30 statt 28 bis 33 Schülern sind von Vorteil, wenn Schüler individuell bewertet werden sollen. Und durch den verbindlichen Ganztag an drei Tagen in der Woche bleibt mehr Zeit für die Förderung der Schüler.
Genau dieser verbindliche Ganztag wird immer noch gerne von Eltern kritisiert.
Der Elternwille entscheidet. Wenn sich herausstellt, dass wir Ende Februar keine 75 Anmeldungen für drei Klassen vorliegen haben, dann haben wir am Elternwillen vorbeigeplant. Dann ist dies wahrscheinlich für Olsberg nicht das richtige Konzept. Ich leite auch gerne zukünftig eine kleine, feine Realschule weiter, wenn wir keine Zustimmung finden. Aber dann müssen wir uns bewusst machen, dass es auf Dauer wohl in Olsberg kein Hauptschulangebot mehr geben wird. Und wir müssen bedenken, dass auch eine andere Generation von Grundschulkindern kommt. Solche, die dort schon den Offenen Ganztag hatten.
Was erwartet die Schüler denn im offenen Ganztag?
Es unterrichten auch die eigenen Lehrer am Nachmittag, vor allem auch in zusätzlichen AGs, die das selbst gesteuerte Lernen unterstützen. Und Musikschulen etwa fragen bereits an, ob sie im Rahmen der Förderung mitmachen und etwas anbieten dürfen.
Das Gleiche gilt ja für unsere Ausrichtung zum DFB-Fußball-Stützpunkt. Mehr Vereine könnten noch mit ins Boot. Für die Eltern bedeutet dies zum Beispiel, dass sie sich Fahrtzeiten am Nachmittag ersparen.
Nach der 6. Klasse wird es für die Schüler die Grund- und Erweiterungskurse geben, die Klassenstruktur wird also für die Hauptfächer aufgehoben. Was ist, wenn ein Kind überall das hohe Niveau schafft, aber zum Beispiel in Mathematik nicht?
Aufmkolk: Das ist eine gute Frage. Und diese kann ich noch nicht abschließend beantworten, weil das entsprechende Gesetz und die Ausbildungsordnung zur Sekundarschule noch nicht vorliegen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass wir diese Tatsache einfach auf dem Zeugnis erscheinen lassen. Warum sollte die Note 2 im Grundstufen-Niveau nicht auch für die gymnasiale Qualifikation reichen? Ein Vorteil ist, dass diese Schüler ein Jahr mehr haben, weil sie wegen des Abiturs nach acht Jahren jetzt in die Klasse 10 der Gymnasien wechseln.
Sprechen wir doch mal das Thema Lehrer an...Es ist kein Geheimnis, dass gerade Kollegen der Realschule Probleme mit der Einführung der Sekundarschule haben. Das ist für mich durchaus nachvollziehbar, haben sie doch über Jahrzehnte erfolgreich im Realschulsystem unterrichtet. Gerade ihre Zurückhaltung zeigt doch, wie sehr sie sich mit unserer Schule identifizieren. Niemand gibt so etwas gerne auf.
Was ist denn, wenn sich nicht genügend eigene Lehrer finden?
Dann wird die Bezirksregierung andere Lehrer stellen müssen. Aber auch die jetzigen Verbundschulen werden ja laut Gesetz spätestens bis 2019 zu Sekundarschulen umgewandelt sein müssen. Die Teamarbeit an der Sekundarschule ist sicher anstrengender, aber dafür sollen die Pädagogen ja auch nur noch 25,5 statt 28 Stunden in den Klassen sein, um Zeit für die Arbeit neben dem Unterricht zu haben. Der noch dazu in kleineren Klassen stattfindet und in der 5 und 6 sind zum Beispiel zwei Klassenlehrer pro Klasse vorgesehen, um einen besseren Blick auf die Schüler zu haben.
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