Windräder ab Ende 2016 an Grenze zu Hallenberg

Hallenberg/Bromskirchen..  Acht bis neun Windräder werden ab Ende 2016 an der Bromskircher Grenze zu Hallenberg gebaut – davon ist Investor Heinrich Lohmann von der Firma MKL Consulting fest überzeugt. Auf dem etwa 670 Meter hochgelegenen Bergrücken des „Großen Hohen Steins“ soll der Windpark Bromskirchen Ost in der Nähe des Feriendorfes mit 220 Meter hohen Windkraftanlagen entstehen, wie er jetzt im Gespräch mit der WP bestätigte. Das Regierungspräsidium Kassel sehe in seinem Regionalplan ebenfalls genau diese Fläche vor, deshalb zeigte sich Lohmann sehr optimistisch, sein Windkraft-Projekt in absehbarer Zeit realisieren zu können. Die Windräder werden auch vom Hallenberger Stadtgebiet in Richtung Kreuzberg zu sehen sein, vor allem auch aus dem neu ausgewiesenen Baugebiet am Sonnenhang.

Zweiter Windpark geplant

Oberhalb der Bad Berleburger Ortschaft Wunderthausen, also ebenfalls an der Grenze zu Westfalen, plant Lohmann einen zweiten Windpark („West“) mit fünf Anlagen. Die fünf bereits bestehenden 100 Meter hohen Windräder sollen in diesem Zuge ersetzt werden.

Zwischen den beiden Windparks ist ein Luftkorridor von rund 900 Metern geplant, der Vögeln den Durchflug ermöglichen soll. Lohmann berichtete, dass seine Firma zwei Jahre lang ausführliche Artenschutzprüfungen für verschiedene Tierarten wie u.a. Schwarzstorch, Rotmilan, Haselmaus, Wildkatze und Wespenbussard habe durchführen lassen, die alle unbedenklich seien, obwohl es im Umfeld zahlreiche Natura 2000-Gebiete gemäß der FFH-Richtlinien gäbe. Bei der Festlegung der Windparkgebiete würden die strengeren Abstandsvorgaben des Landes Hessen zu den auf westfälischer Seite liegenden Wohnhäusern eingehalten, obwohl das Land NRW geringere Vorgaben macht. Von Wohnbebauungen werde demnach 1000 Meter Abstand gehalten, von Außengehöften 600 Meter, so Lohmann. Außerdem habe man bei der Planung Anlagen in Laubwäldern vermieden und sich auf Nadelwälder konzentriert.

Negative Auswirkungen auf den vor allem im direkt angrenzenden Hochsauerland wichtigen Wirtschaftszweig Tourismus sieht Lohmann nicht: „Windräder sind schön!“ Die Energieversorgung ändere sich und damit auch die Landschaft. Ältere Menschen seien damit meistens nicht einverstanden, aber jüngere würden sich laut seiner Erfahrung gut anpassen.

Um beide Vorrangzonen auswei-sen zu können, hatte der Gemeinderat in Bromskirchen bereits vor einem Jahr die Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen, alle Unterlagen und Gutachten dazu liegen seit dem 24. November bei der Verwaltung öffentlich aus.

Bis zum 9. Januar können auch Bürger, Behörden, Naturschutzverbände oder auch die beiden betroffenen Nachbarkommunen Hallenberg und Bad Berleburg entsprechende Stellungnahmen in Bromskirchen einreichen. Bürgermeister Michael Kronauge aus Hallenberg lässt derzeit die Unterlagen von einem Fachbüro prüfen, um fristgerecht reagieren zu können.

Gegen Ausweisung ausgesprochen

Die Stadt Hallenberg selbst hat sich im August 2013 gegen die Ausweisung von Vorrangzonen ausgesprochen und sieht auch Einzelbauanträgen gelassen entgegen, da sie größtenteils als Naturschutz-, Vogelschutz- oder FFH-Gebiet anerkannt ist und Investoren erst einmal langwierige und teure Gutachten durchführen müssten.

Bürgermeister Karl-Friedrich Frese aus Bromskirchen schätzt den Zeitplan des Investors auf Nachfrage der WP weniger optimistisch ein. Das Gebiet bei Wunderthausen stehe sowieso „auf tönernen Füßen“, da es nicht im Kasseler Regionalplan vorgesehen sei. Fünf bis sieben Anlagen im Windpark Ost halte er dagegen für realistisch, seit das Regierungspräsidium diese Fläche in seine Planungen aufgenommen habe, sofern diese Gesamtzahl für den Investor dann noch wirtschaftlich sei. Bis zur Umsetzung seien jedoch noch die öffentlichen Auslegungen der Pläne in Bromskirchen und voraussichtlich im kommenden Frühjahr in Kassel abzuwarten. Bis zudem Flächennutzungs- und Bebauungspläne konkretisiert und geändert sowie der Bau für jede einzelne Windkraftanlage genehmigt seien, würden rund zwei Jahre vergehen. Noch nicht klar sei beispielsweise, wie die bis zu 60 Meter langen Schwertransporte die Baustellen im Wald erreichen könnten. Der von den Windrädern produzierte Strom soll ins Umspannwerk Battenfeld eingespeist werden, auch hier müssten noch entsprechende Leitungen durch Wald und Naturschutzgebiete gelegt werden.

60 m lange Schwertransporte

Im Gespräch sei der Betrieb durch den regionalen Versorger Energie Waldeck-Frankenberg (EWF). Auch eine finanzielle Beteiligungsmöglichkeit sowohl der EWF als auch von Bürgern werde noch diskutiert.

Frese: „Bis das erste Windrad gebaut wird, müssen noch viele Hausaufgaben gemacht werden.“