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Wilderer treiben wieder ihr Unwesen

03.01.2011 | 17:49 Uhr
Wilderer treiben wieder ihr Unwesen
Rehe suchen in Gärten nach Futter. Foto: Torsten Berninghaus

Brilon/Titmaringhausen.Hilflos und klagend liegt das angeschossene Stück Rehwild auf einem Wanderweg in Titmaringhausen. Durch Zufall entdeckt es eine Spaziergängerin, als ihr Hund sich von der Leine losreißt und das verwundete Tier findet. Wieder einmal waren Wilderer am Werk.

Ein schreckliches Bild, das sich wenig später auch den beiden Jagdpächtern Franz-Josef Kemmerling (Thülen) und Franz Peter (Titmaringhausen) bietet. „Das Reh muss beschossen worden sein. Das Tier lebte noch, als wir kamen“, erklärt Franz-Josef Kemmerling verärgert. „Es ist schon das vierte Rehwild, das erlegt wurde. Es wurde mit einem sechs Millimeter Kleinkaliber gefeuert. Mit solch einer Munition auf Wild zu schießen ist verboten, da dieses Kugel nicht stark genug ist.“

Auch Revierinhaber Franz Peter ist fassungslos über den Fund. „Wir haben das Reh untersucht und Blutspuren im Schnee gefunden. Nicht weit davon hat mein Hund weiteres Blut entdeckt. Der Wilderer muss noch ein weiteres Reh getroffen haben. Wir konnten es leider nicht finden. Vielleicht ist es davon gekommen“, sagt er.

Peter und Kemmerling untersuchten die Schusswunde. „Die Kugel hat die Lunge gestreift und ist an der Vorderkeule wieder heraus getreten“, erklärt Kemmerling. „Den ersten Fall hatten wir bereits im März. Damals haben wir es noch nicht ernst genommen. Jetzt ist schon das vierte Tier getötet worden. Wir werden es nicht weiter dulden, dass in unserem Revier gewildert wird. Wir haben uns daher überlegt, Wildkameras zu installieren, um den Leuten auf die Schliche zu kommen“, sagt Franz-Josef Kemmerling entrüstet.

Kleinkalibrige Geschosse

Der erfahrene Jäger Peter vermutet, dass das Rehwild am 26. Dezember abends oder am 27. Dezember früh morgens angeschossen wurde. „Die Tiere finden kein Futter und leiden Not. Wer diese Situation ausnutzt und unerlaubt Wild erlegt, ist brutal.“

Der stellvertretende Leiter des Hegerings Brilon, Winfried Holthaus, stimmt dem zu: „Auf Stücke mit kleinkalibrigen Geschossen zu zielen, ist eine große Schweinerei und überdies verboten. Die Tiere verenden qualvoll“, so Holthaus. Wildernde Hunde seien ein zusätzliches Problem. „Das Wild kann in dem hohen Schnee nicht schnell genug entkommen, es sinkt ein. Hunde laufen möglicherweise ohne Probleme über den Schnee. In Messinghausen und im Bereich Pulvermühle wildern regelmäßig Hunde.“ Wegen des hohen Schnees weichen Rehe auf Wanderwege aus. „Der vereiste Schnee schneidet ihnen sonst die Läufe auf. Hundebesitzer sollten ihre Hunde im Wald an der Leine halten“, sagt er.

Ulrich Heitzig vom Hegering Brilon appelliert ebenfalls an die Besitzer, die Hunde anzuleinen. „In Messinghausen hat ein Hund ein Reh gejagt und dabei die halbe Keule weggerissen. Das ist kein schönes Bild.“

In Marsberg und Olsberg sind keine Fälle von Wilderei bekannt geworden. „Auch freilaufende Hunde sind hier eher die Ausnahme. Das kann man meistens schon über ein vernünftiges Gespräch mit den Besitzern klären“, weiß Alfons Bunse, stv. Hegeringleiter für Marsberg.

Lena Siegel

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