Wilden Trampelpfad über die Gleise durch Brücke ersetzen?

Brilon..  Nach 25 Jahren ist sie wieder auf dem Tisch: die Fußgängerbrücke über die Bahn im Bereich von Galmei- und Alexanderstraße. Damals, als das Neubaugebiet Unter der Tonne wuchs und der Wunsch nach einer kurzen Zu-Fuß-Anbindung zum Kreishaus- und Kurpark sowie in den Drübel aufkam, hatte die Stadt schon Pläne ausgearbeitet. Rund 240 000 DM sollte die überdachte Holzbrücke kosten, die den langen Weg zum Bahnübergang in der Keffelker Straße abkürzen würde. Darauf legte der Rat das Projekt ad acta. Aus gutem Grund: Es fuhren ja keinen Züge mehr zwischen Brilon und Brilon-Wald. Seitdem überqueren die Fußgänger einfach so die Gleise. Auf dem Bahndamm ist der Trampelpfad deutlich zu sehen.

Als in den 90-er Jahren die Fa. Egger die Holztransporte per Schiene aufnahm, scherte das niemanden. Die beiden Züge am Tag waren im Schneckentempo unterwegs und stellten keine Gefahr dar. Das ist heute anders. Seit Reaktivierung der Bahnstrecke rauschen werktags 29 Nahverkehrszüge hin und her. Um 5.40 Uhr fährt der erste Zug am Briloner Stadtbahnhof ab, um 22.44 Uhr macht sich der letzte in Brilon Wald auf den Weg in die Kernstadt.

Karl Becker hört die Züge täglich „mehrfach pfeifen“. Das sagte der CDU-Ratsherr am Mittwoch im Bauausschuss. Der Kommunalpolitiker wohnt in Nähe der Bahnlinie und kennt die Örtlichkeit und die Gepflogenheiten: „Das tun die nur, wenn jemand über die Gleise läuft.“ Oder sich zumindest in deren unmittelbarer Nähe aufhält. Im vergangenen Herbst hatte die CDU-Fraktion die Verwaltung beauftragt, sich des Themas einmal anzunehmen.

Das Mittwochabend im Ausschuss vorgestellte Ergebnis sorgte für Erstaunen. Zu zwei Zeitpunkten hat die Verwaltung den Trampelpfad inspiziert: einmal morgens zwischen 7 und 8.30 Uhr und einmal zwischen 12 und 13.30 Uhr. Lediglich mittags wurden zwei Passanten beobachtet, die die Gleise dort überquerten.

„Bundespolizei einsetzen“

Anhand der 25 Jahre alten Planungszahlen hat die Verwaltung nun die Kosten für eine Stahlbrücke kalkuliert: Mit rund 240 000 Euro sei zu rechnen, so Rainer Brandenburg von der Bauverwaltung. Zu den Baukosten von 126 000 Euro kämen rund 85 000 Euro, die der Bahn aufgrund der Eisenbahnkreuzungsvereinbarung zuständen. Beides - die vermeintlich geringe Fußgänger-Frequentierung noch die hohen Kosten - wollten vor allem die CDU-Mitglieder des Ausschusses kaum glauben. Karin Bange: „Wo leben wir denn? Dafür kriegt man ja ein Einfamilienhaus!“ Selbst wenn täglich nur 10 Personen den Tampelpfad benutzten, seien Monat für Monat 300 Menschen potentiell in Gefahr.

Günter Wiese (SPD) schüttelte über die Brückenpläne den Kopf. „Da braucht niemand über die Schienen zu gehen“, sagte er. Seine Vorschläge zur Sicherstellung von Recht und Ordnung: den Trampelpfad „massiv verbauen“. Oder „die Bundespolizei einsetzen.“

Die Fraktionen wollen sich noch mal intern mit dem Thema befassen.