Wie "BOB Marley" die Streetbob-WM in Winterberg gewann

So sehen Sieger aus: Das Team "BOB Marley" feiert mit seinen Fans den Sieg bei der 1. Streetbob-WM.
So sehen Sieger aus: Das Team "BOB Marley" feiert mit seinen Fans den Sieg bei der 1. Streetbob-WM.
Foto: Volker Hartmann/WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In Winterberg kämpften 21 Teams aus Südwestfalen um die Streetbob-WM. 5000 Zuschauer verfolgten das Spektakel bei herrlichem Spätsommerwetter.

Winterberg.. Das Team "Bob Marley" aus Olsberg zog dabei mit Jamaika-Häkelmützchen die Aufmerksamkeit auf sich – und mit Bestzeit an der Konkurrenz vorbei.

Bob ist Winter, Bob ist Kälte, Bob ist Eiskanal. Alles zu seiner Zeit. Winterberg kann auch Sommer. Wie am vergangenen Samstag. Aus Seifenkisten werden Streetbobs. 21 Mannschaften aus 11 Kommunen in Südwestfalen gehen an den Start.

Rennpiste "Am Waltenberg"

Die Einkaufsstraße „Am Waltenberg“ verwandelt sich in eine Rennpiste. 300 Meter lang, gefühltes Gefälle drei Prozent. Ohne Benzingeruch, ohne aufheulende Motoren lassen die Flitzer aufhorchen. Von der drei Meter hohen Rampe rollen sie mit Pilot und Bremser bergab. Tempo 40 bis 50 km/h, mit Zeiten um die 24 Sekunden sind sie im Ziel.

Etwa 5000 Zuschauer stehen geschützt hinter Strohballen und Absperrungen, genießen das Spektakel bei herrlichem Sommerwetter und feuern die Teilnehmer an. Der Himmel strahlt in WP-Blau.

Wenn es Längen zwischen den einzelnen Starts gibt und kein Bob fährt, unterhält Moderator André Schweins, Mitglied der WP-Chefredaktion, das Publikum. Lacher sind auf seiner Seite, als er das Team Schnee aus Olpe näher vorstellt. „Wofür Schnee steht? Für "Schutzgemeinschaft nicht ernstgenommener Ehemänner.“

Mit von der Partie sind auch ehemalige Olympioniken. Alois Schnorbus, Nordrhein-Westfalens erster Bobfahrer bei Olympischen Spielen, 1980 in Lake Placid, als Pilot vom Vierer- und Zweier-Bob, wittert ein historisches Ereignis: „Vielleicht sitze ich heute zum letzten Mal in einem Bob.“ Der Mann ist 62, verfügt über eine gute Kondition und legt dieses Mal als Bremser mit dem früheren Nordischen Kombinierer Günther Abel im Bob „Winterberg 1“ glänzende Zeiten hin.

Bestzeit mit 23,42 Sekunden für Bob Winterberg 1

Besser noch: Ihre Bestzeit mit 23,42 Sekunden geht an diesem Tag als Rekord in der noch jungen Geschichte der Streetbob-WM ein. Mit der Rolle als Hintermann hat Schnorbus allerdings so seine liebe Last. „Wie blöd ist das? Kopf nach unten. Ich sehe ja gar nichts. Pilot liegt mir mehr.“ Und Reales näher als Virtuelles. Am Bob-Simulator auf der Strecke von Salt Lake City verliert das Duo wertvolle Zeit.

Das ist auch nicht die Stärke der Bob Cops aus Menden. Einfach nicht ihr Ding. Im Rennen sind sie mit Blaulicht unterwegs und fahren weit vor. „Liegt gut und läuft besser als gedacht“, sagt Daniel Kraus. Und sein Kollege Benny Huygens ist jedes Mal vom Start beeindruckt. „Ein komisches Gefühl.“

Bob der Jugendfeuerwehr HSK erstaunt die Zuschauer

Das komische Gefühl beschleicht auch das Publikum beim Blick auf die Besatzung des Bobs der Jugendfeuerwehr HSK. Kennzeichen: HSK-JF 112. Dahinter verbergen sich Felix Strotmeyer und Uwe Wisniewski aus Arnsberg, 53 und 49 Jahre alt. Der Spott der Zuschauer ist ihnen gewiss: „Wenn das die Jugendfeuerwehr ist, wie alt werden dann die Menschen in Arnsberg.“ Ihre Erklärung: Das Mindestalter, um an den Start zu gehen, liegt bei 18 Jahren. „Und deshalb sind wir hier.“ Ihr Preisgeld für den 10. Platz, 250 Euro, geht an den Nachwuchs.

Aus Olsberg ist das Team BOB Marley am Start. Die Brüder Jan (22) und Jonas (22) Hengsbach, Frederik Baumann (23) und Kevin Kemp (18), Schüler und Studenten, legen eine grandiose Perfomance hin. Alle tragen ein Häkelmützchen in den Nationalfarben Jamaikas. Ihr aerodynamischer Bob zieht die Aufmerksamkeit auf sich und ihr Musiktitel „Because I got high“, 2001 ein Hit vom US-Rapper Afroman, versprüht Leichtigkeit.

1000 Euro für die Jugendabteilung des TSV Bigge-Olsberg

Leichtigkeit, die am Ende belohnt wird: erster Platz, erster Streetbob-Weltmeister. Ihr Gewinn, 1000 Euro, geht an die Jugendabteilung des TSV Bigge-Olsberg. Der Verein, in dem die Leichtathleten aktiv sind. Ihr Kommentar zum Sieg: „Richtig geil. Mit ein bisschen Glück.“ Warum? „Wir haben einen Bremshebel abgetreten.“

Weitere Pannen? Der Bob der Lenne-Dragonfighter Winkhausen verliert ein Vorderrad. Der Vorfall bleibt ohne Folgen. Alles ist und war gut. Das signalisieren Teilnehmer und Zuschauer beim großen Finale auf dem Marktplatz. Beifall und ein Dankeschön an den ­Veranstalter: die WESTFALENPOST. Mit Luft gefüllte Knallstangen der Zeitung donnern zusammen. Zu lesen ist: Hauptsache Heimat. Und auf Bühne liegen sich die Sieger in den Armen: „We are the champions.“ Bob ist Sommer, Bob ist Wärme, Bob ist „Am Waltenberg“.