Wie aus einer losen Idee ein Riesenerfolg wurde

Altkreis. „.  Manuel Andrack macht es, Hape Kerkeling macht es, Karl Carstens und Ötzi zu ihren Lebzeiten ebenfalls: Wandern! Und wir machen es jetzt auch, zusammen mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser!“ Mit diesen Sätzen begann im vergangenen Sommer unser erster Artikel für unsere geplante WP-Staffelwanderung „Rund um den Altkreis Brilon“. So selbstbewusst wie diese Zeilen waren wir von der WP anfangs zugegeben nicht so ganz - es gab ja bislang keinerlei Erfahrungswerte, ob eine solche Unternehmung überhaupt bei den Lesern ankommen würde.

Angefangen hatte alles mit vagen Überlegungen am Abend des Kommunalwahl-Sonntages Ende Mai, ob es überhaupt möglich wäre, als Sommer-Aktion in mehreren Etappen einmal komplett rund um den WP-Lokalbereich zu wandern und darüber ausführlich zu berichten. Doch wie sollten zwei WP-Mitarbeiter aus Winterberg und Hallenberg ansprechende Touren z.B. durch den Raum Marsberg auf die Beine stellen? Woher sollten die genauen Routen führen? Welche Wochentage eignen sich am besten? Wer kennt das jeweilige Lokalkolorit?

Aus diesen Fragen entwickelte sich der Plan, die einzelnen Strecken nicht komplett selber vorzugeben, sondern die Menschen zu fragen, die sich vor Ort auskennen. Als “Wanderpaten“ sollten sie innerhalb einer vorgegebenen Woche eine schöne Wanderstrecke mit interessanten Dönekes und Verpflegungsmöglichkeiten zwischen einem festgelegten Start- und Zielort planen. Daraus ergab sich das nächste ganz große Fragezeichen: Würden sich im ja eigentlich wanderbegeisterten Sauerland überhaupt genug Paten finden, die uns und unsere Idee unterstützen wollten?

Als Rückendeckung holten wir uns also die beiden Wanderexperten Uli Lange aus Grönebach und Michael Mause aus Hallenberg ins Boot, die uns versicherten, die einzelnen Strecken zu übernehmen, wenn sich keine Wanderpaten melden würden. Nach weiteren Überlegungen, wieviele Etappen mit welcher Länge praktikabel waren, damit alle sechs Altkreisstädte berücksichtigt wurden, folgte der offizielle Aufruf in der WP. Und nur wenige Stunden später hatte sich ein Großteil unserer Bedenken erledigt: In kürzester Zeit meldete sich eine kunterbunte Mischung an Wanderpaten: Von Privatleuten, örtlichen SGV-Gruppen, Förder-, Geschichts- oder Heimatvereinen über Heimatbünde, Schützen und Geopark-Führer bis hin zu drei Ortsheimatpflegern aus der Medebacher Grafschaft waren fast 50 WP-Leser bereit, ihre Zeit ehrenamtlich in die Umsetzung der einzelnen Wanderetappen zu investieren.

Dazu kamen zahlreiche Helfer, die Verpflegung organisierten, Rastplätze und Unterkünfte bereitstellten oder ihr Wissen zu lokalen Sehenswürdigkeiten oder regionalen Ereignissen gerne weitergaben. Unsere Befürchtung „Wie soll man 16 Wochen hintereinander über Wanderungen berichten, ohne sich ständig zu wiederholen?“ erwies sich durch das fantastische Engagement der Wanderpaten als grundlos - Woche für Woche überraschten sie ihre Mitwanderer mit neuen kreativen Einfällen, umfangreichen Ortskenntnissen wunderschönen Strecken und vielen wissens- und liebenswerten Anekdoten zu Kultur und Geschichte am Wegesrand. Kleine Dörfchen wie Leitmar, Titmaringhausen, Messinghausen oder Padberg, um nur wenige zu nennen, standen dadurch im Mittelpunkt des Altkreis-Interesses.

Viele ehrenamtliche Stunden

Wieviel Arbeit, die den Teilnehmern gar nicht auffiel, in den einzelnen Etappen steckte, beschreiben Matthias Grebe, Claudia Pape und Klaus Lichte, die sich als Ortsheimatpfleger von Deifeld, Titmaringhausen und Küstelberg gemeinsam mit Horst Frese aus Düdinghausen um die 14. Etappe kümmerten. Sage und schreibe 110 Emails gingen hin und her, verschiedene Strecken wurden überlegt und probegewandert, alle Schreckensszenarien wie Wanderunfälle, Erdrutsche oder Wetterumschwünge durchgespielt, Trittsteine in Bäche gelegt, Wege frei geräumt und markiert, Plakate entworfen, Verpflegungsstationen organisiert, geschichtliche Hintergründe recherchiert und freies Sprechen trainiert. Alle drei sind sich einig: „Es war viel Arbeit, aber hat noch mehr Spaß gemacht. Wann kann man sein Dorf schon mal so vielen Gästen zeigen.“

Besondere Wanderatmosphäre

Mit solchem sympathischen Einsatz machte jeder einzelne Wanderpate die 245 Kilometer der WP-Staffelwanderung zu einem großen Gesamterfolg. Die besondere Atmosphäre der WP-Wanderungen sprach sich schnell herum, fast alle, die einmal mitgingen, kamen immer wieder. 16 Wochen wurde gemeinsam gelacht und geschwitzt, es wurden literarische oder musikalische Talente entdeckt, alte Freundschaften wieder aufgewärmt und neue geschlossen, die auch jetzt nach dem Ende der Staffelwanderung anhalten und mit Leben gefüllt werden.

Matthias Grebe bringt das WP-Wandergefühl auf den Punkt: „Wir sind mit Fremden losgewandert und mit Freunden angekommen!“