Wetterstation wird autmatisiert - Am Kahlen Asten trübt es sich ein

Der Astenturm mit Wetterstation am Kahlen Asten in Winterberg.
Der Astenturm mit Wetterstation am Kahlen Asten in Winterberg.
Foto: www.blossey.eu
Deutscher Wetterdienst stellt bundesweit die Wetterstationen bis 2021 auf vollautomatische Messnetze um. Technik macht sechs Mitarbeiter in Winterberg überflüssig.

Winterberg.. Die Nachricht klingt nüchtern. „Der Deutsche Wetterdienst (DWD) wird bis Ende des Jahres 2021 nach und nach die Beobachter von den Stationen abziehen“, heißt es in der Mitteilung.

So weit ist es nicht mehr hin. Am Kahlen Asten sind es sechs Mitarbeiter, die den höchsten Arbeitsplatz in Nordrhein-Westfalen voraussichtlich in zwei, drei Jahren verlassen müssen.

Die Entscheidung fällt nicht vom Himmel. „Wir sind seit langem darüber informiert“, sagt Petra Stielicke, Leiterin der Wetterstation. Über Blankenburg im Harz und Teterow in der Mecklenburgischen Schweiz ist die heute 50-Jährige im Oktober 1994 ins Hochsauerland gekommen. „Wir verlieren nicht unseren Arbeitsplatz, wir müssen aber den Standort wechseln.“

Warum genau? Fragen zur Personalpolitik der Bundesbehörde, angesiedelt beim Verkehrsministerium, muss sie nicht beantworten. Uwe Kirsche, Pressesprecher in der DWD-Zentrale in Offenbach, sagt: „Der technische Fortschritt schreitet so schnell voran, dass die Daten ohne Menschen vollautomatisch übermittelt werden können.“

Und im Nachgang verhehlt Kirsche nicht, dass die Mitarbeiter ein erheblicher Kostenfaktor seien: „Seit Anfang der 1990er Jahre sind wir beim Wetterdienst ja auf Sparkurs gesetzt.“ In der offiziellen Mitteilung seines Hauses klingt es ausformuliert so: „Die Automatisierungspläne sind Bestandteil einer langfristigen Strategie, mit der der DWD auch den politischen Einsparvorgaben Rechnung trägt.“

Aussterbender Beruf

Kurzum: Die Technik macht den Menschen als Datenzulieferer mehr und mehr überflüssig. So liest es sich auch offiziell weiter: „Wettervorhersagen, Unwetterwarnungen und Klimaserviceleistungen basieren heute nicht mehr nur auf Messungen am Boden. Vielmehr sind Wettersatelliten, Radiosonden und Wetterradar mit die Grundlage für ein flächendeckendes, zeitlich hoch aufgelöstes und konstant zur Verfügung stehendes Wetterbeobachtungssystem.“ Petra Stielicke, sie ist ausgebildete technische Assistentin für Meteorologie im mittleren Dienst, entzieht der Fortschritt nach und nach die Arbeitsgrundlage: „Wir sind ein aussterbender Beruf. Unser Berufsbild hat sich durch die Technik überholt.“ Angst vor Entlassung muss die Mannschaft aus dem Turm am Kahlen Asten nicht haben. „Über Fluktuation und Versetzung wird das Personal der Wetterstationen Schritt für Schritt abgebaut“, sagt Kirsche. „Der Zug nimmt Fahrt auf. Alles wird mit einem Höchstmaß an sozialem Schutz gemeinsam mit der Personalvertretung durchgeführt.“

Wilder weißer Zauber

Petra Stielicke geht gerne jeden Tag die 90 Stufen der Wendeltreppe nach oben an den Schreibtisch. „Ich genieße es, die Natur von hier aus zu genießen.“ Im Moment wütet ein Schneesturm. Wilder weißer Zauber. Die Flocken wirbeln verzückt vor dem Fenster. Ihre Augen tanken den Tanz der Kristalle. „Fantastisch, besonders wenn man drin ist.“ Bilder, die den Sommer vergessen lassen, den Petra Stielicke so liebt: „Ich genieße immer wieder die kurzen Nächte und die Sonnenaufgänge.“

Rund um die Uhr wird das Wetter im Schichtbetrieb ins Visier genommen, beäugt, bewertet und dokumentiert. Niederschlag, Temperatur, Luftdruck, Radioaktivität. „Ja, schon als Kind habe ich mich dafür interessiert, warum sich wo welche Wolken bilden. Meine Eltern haben mich bei der Berufswahl unterstützt.“ Sie hat Glück. Der Meteorologische Dienst der DDR wählt sie wie weitere 19 andere unter den 300 Bewerbern für diesen Beruf aus. Das liegt lange zurück. Mit der Neustrukturierung des Netzes wird es wieder eine Wende in ihrem Leben geben. „Ich bin noch nicht reif für die Rente. Es gibt genug andere Stellen.“

Die bemannte und befraute Wetterstation am Kahlen Asten ist bald Geschichte. Was bleibt? Ein seelenloses Ensemble diverser Messinstrumente. Eine nüchterne Nachricht.

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