Wenn die Westfalenpost im Stundenplan steht

Hallenberg..  „Sind Sie die Reporterin, die heute zu uns kommt? Ich möchte Sie begrüßen und Ihnen den Weg zu uns zeigen, damit Sie nicht suchen brauchen.“

Als WP-Mitarbeiter wird man eigentlich fast immer nett empfangen, aber so eine unerwartet sympathische und hilfsbereite Begrüßung wie die von der 16-jährigen Förderschülerin Vassiliki in der Verbundschule Hallenberg ist dann doch etwas Besonderes!

Und ebenso sympathisch geht die Begegnung mit den Förderschülern der Koop-Klasse weiter! Ihr großer Klassenraum mit einigen einzelnen Tischen und der Stuhlkreisrunde in der Mitte wirkt auf den ersten Blick etwas kahl, aber das ist Absicht. Die Lernumgebung ist bewusst reizarm gehalten, damit die Schüler sich besser konzentrieren können, erklärt ihr Klassenlehrer Raphael Wieneke. Die Schüler haben schon einen zusätzlichen Stuhl in die Runde gestellt und sind ganz gespannt auf den Besuch von der WP. Das beruht auf Gegenseitigkeit!

Etwaige Berührungsängste verfliegen auf beiden Seiten sofort. Die drei Jungen und vier Mädchen erzählen bereitwillig von der Umstellung von der alten auf die neue Schule, dem Schulalltag, ihren Aufgaben wie der Mithilfe bei der Bus- und Schulhofaufsicht oder der Mitgestaltung von Schulfeiern und zeigen die Bilder, die sie gerade im Werkunterricht von sich selber malen und anschließend beleuchten.

Unterricht nach Leistungsstand

Der Schulstoff wird ganz individuell angepasst, Raphael Wieneke kann aufgrund der kleinen Schülerzahl auf jeden einzeln eingehen und ihn auch entsprechend differenziert bewerten. Mit dem einen wird das Einmaleins trainiert, während der Tischnachbar den Zahlenraum bis zu einer Million beherrscht. Genau so individuell sind die Möglichkeiten, ein Berufspraktikum zu machen. Vom 8. bis 10. Schuljahr gibt es je einen ein- bis zweiwöchigen Block. Fünf der Schüler arbeiten außerdem momentan für das ganze Schuljahr jeden Mittwoch in einem Betrieb, bei Interesse vom Arbeitgeber kann die Praktikumszeit flexibel erweitert werden. Raphael Wieneke begründet das: „Über ein normales Zeugnis wird es für die meisten Förderschüler schwer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, deshalb setzen wir auf das Kennenlernen von beiden Seiten vor Ort im Betrieb.“ Bisher sei es auch kein Problem gewesen, generell Firmen zu finden, die den Förderschülern einen Praktikumsplatz bieten würden.

Steven hat somit schon in mehreren Berufsbildern ein Praktikum absolviert, z.B. in einer Gärtnerei, im Kindergarten und in einer Autowerkstatt. Jetzt arbeitet er einmal wöchentlich im Werkzeugbau der Firma Borbet und hilft aktuell dabei, die Pokale für die Bob-WM in Winterberg zu fertigen.

Mehrere Praktika möglich

Justin hat einen Praktikumsplatz im Technikbereich von Center Parcs, die beiden Jacquelines unterstützen jeweils die Großküchen im Krankenhaus Winterberg und in der St.-Bonifatiusbildungsstätte Elkeringhausen. Pascal hat noch ein Jahr Zeit, möchte aber gerne etwas mit Holz oder Landwirtschaft ausprobieren. Celine ist auf der Suche nach einem Praktikum, bei dem sie mit Menschen zu tun hat. Einen solchen Platz hat Vassiliki schon gefunden, und zwar im St. Mauritius-Hospital in Medebach. Dass die Menschen dort im Pflegeheim von ihrer lieben, fürsorglichen Art begeistert sind, ist absolut nachvollziehbar!

Gibt es von Seiten der Schüler denn etwas auszusetzen an der neuen Schule? Nein, außer, dass Herr Wieneke noch keinen Trampolinschein für den Sportunterricht hat, ist alles prima. Das würden wahrscheinlich nicht alle Regelschüler über ihre Schule sagen. Am Ende des Treffens, das aufgrund der sympathischen Stimmung zwei Stunden länger als ursprünglich gedacht dauerte und bei dem Vassiliki auch wieder die Verabschiedung an der Schultür übernimmt, finden alle sieben Schüler den Schultag rundherum gelungen. Und das nicht nur, weil wegen der WP die geplante Mathearbeit ausgefallen ist.