Wenn der „Ruf vom Bollerberg“ ertönt

Alphorn-Workshop in Hesborn
Alphorn-Workshop in Hesborn
Foto: WP
Das wohl nördlichste Seminar in Sachen Alphornspielen hat der „Alphorn-Apostel“ und Musikfachmann Berthold Schick in Hesborn gehalten.

Hesborn..  Der Berg ruft oder vielmehr seine Hörner. Hoppla, bin ich jetzt in den Alpen? Das mag mancher gedacht haben, der am Wochenende durch Hesborn gekommen ist. Denn dort ertönte der warme Ton von gleich 44 Alphörnern aus der Schützenhalle und später aus dem Steinbruch. Grund für dieses einmalige Klangerlebnis: Ein Alphorn-Workshop mitten im Sauerland.

Eigentlich wollte der Hesborner Raimund Berkenkopf seinem Vater vor 15 Jahren zum 60. Geburtstag eine besondere Freude machen. Der Senior sollte ein Alphorn geschenkt bekommen. So sei es. Doch irgendwie fanden Geschenk und Beschenkter nie so richtig zueinander. Vor drei, vier Jahren nahm Raimund Berkenkopf das Instrument dann selbst einmal genauer unter die Lupe. Als Musiker (Tenorhorn, Tuba, E-Bass) u.a. im Musikzug Battenberg hatte er keine Scheu vor der fast vier Meter langen und rund acht Kilo schweren „Swiss Lady“.

Aus „feinjähriger Fichte“

Rasch kamen mit Toni Isenberg, Willi Guntermann und Albert Schäfer noch weitere Musiker dazu, die bereits seit Jahren in der Stadtkapelle Hallenberg oder bei der Jägerkapelle Hesborn mitmischen und Spaß an dem langen Lulatsch fanden. Und dann war auch schon das „Alphornecho Hesborn“ gegründet.

„Bis zu einem gewissen Punkt kann man sich das selbst beibringen. Aber wir wollten gerne weiterkommen und uns in einem Workshop fortbilden“, sagt der 47-jährige Berkenkopf, der als Schlosser bei Borbet arbeitet. Doch so Lehrgänge finden meistens in Süddeutschland statt und sind schnell ausgebucht.

„Dann organisieren wir halt selber einen“, sagte sich das Quartett und stellte den Kontakt zu einem echten Profi her. Bei der Alphornmesse in Willingen wurden die ersten Flyer ausgelegt, die Firma Hense in Anröchte, die diese Instrumente sogar aus „feinjähriger Fichte“ baut (Bäume, die auf kargem Boden gewachsen sind), unterstützte die Hesborner und auch in den sozialen Netzwerken wurde eifrig die Werbetrommel gerührt. Fazit: Der Kurs war rasch ausgebucht. Und obwohl eigentlich schon alle Plätze belegt waren, wurden die letzten beiden Anmeldungen noch nachträglich berücksichtigt. Wer kann da Nein sagen, wenn schon eigens zwei Schweizer im Sauerland das Alphornspiel perfektionieren möchten?

Als Dozenten gewannen die Hesborner keinen Geringeren als Berthold Schick. Der spielte u.a. bei Ernst Mosch und seinen Original Egerländern mit und gilt als der Alphorn-Apostel. Eigens für den Workshop in Hesborn hat er den „Ruf vom Bollerberg“ komponiert, der am Wochenende aus dem Steinbruch ertönte. „Ich war völlig überrascht, was man aus so einem Instrument alles herausholen kann. Ob Polka, Triumphmarsch aus Verdis Aida, der Blues ,The Alp’ oder der ,Allgäuer Hirtenruf’ – das war schon klasse“, sagte Bürgermeister Michael Kronauge, der die Kursteilnehmer aus ganz Deutschland und der Schweiz begrüßte.

„Beim Alphorn wird jeder Ton mit den Lippen geformt, weil man ja keine Ventile hat. Es gibt Mundstücke aus Holz und aus Metall. Da scheiden sich die Geister. Viele meinen, nur mit Holz sei der warme Ton hinzubekommen. Aber das ist Ansichtssache“, sagt Raimund Berkenkopf, der von dem Seminar begeistert war und eine Fortsetzung nicht ausschließt.

Einmal pro Woche probt das „Alphornecho“ übrigens. Bei der Einweihung der Hesborner Teichanlage am 14. Mai kann man das Ensemble wieder live hören. Und wer Lust hat, selbst das Alphornspielen zu erlernen, der kann sich an Raimund Berkenkopf, 02984 919180 wenden. Der Berg ruft!

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