Wenn der Pistenspaß ein jähes Ende findet

Das Team der Bergwacht in Winterberg sorgt den ganzen Winter ehrenamtlich für die Sicherheit der Skifahrer auf den Pisten und Loipen.
Das Team der Bergwacht in Winterberg sorgt den ganzen Winter ehrenamtlich für die Sicherheit der Skifahrer auf den Pisten und Loipen.
Foto: Rita Maurer
Was wir bereits wissen
Für das Team der Bergwacht Winterberg hat die Wintersaison vor genau zwei Monaten begonnen, bis Sonntag gab es 372 reguläre Einsätze auf den Pisten, davon einen mit Hubschraubereinsatz. Jetzt stehen zusätzlich das Karnevalswochenende, die niederländischen Krokusferien und der Snowboard-Weltcup Mitte März an.

Winterberg.. Für das Team der Bergwacht Winterberg hat die Wintersaison vor genau zwei Monaten begonnen, bis gestern gab es 372 reguläre Einsätze auf den Pisten, davon einen mit Hubschraubereinsatz. Jetzt stehen zusätzlich das Karnevalswochenende, die niederländischen Krokusferien und der Snowboard-Weltcup Mitte März an. Die WP hat mit den Bergrettern über ihre Arbeit gesprochen.

Wer Markus Hennecke, Tobias Lutter, Marc Sartorius und Jörg Köster auf der Piste kennenlernt, hat meistens ein Problem - und zwar ein gesundheitliches. Die vier arbeiten mit 36 weiteren Kollegen bei der Bergwacht Winterberg und kümmern sich um alle Unfälle im Skiliftkarussell und auf umliegenden Loipen in Winterberg. Für dieses Engagement opfern sie ihre Freizeit, die Arbeit in der Bergwacht ist ein Fachbereich des DRK Brilon und damit ehrenamtlich. Alle Bergretter sind ausgebildete Rettungsassistenten und haben zusätzliche Winterrettungs-Lehrgänge im Kleinwalsertal absolviert, um den Anforderungen einer Bergwacht gerecht zu werden.

Was umfassen diese Anforderungen genau? Kernaufgabe ist die „Rettung aus unwegsamem Gelände“ wie dem Skigebiet, an besonders steilen Hängen und Felswänden auch mit dem Seil. Im Hinblick auf den Snowboard-Weltcup und die speziellen Richtlinien der FIS hat im Januar ein gesonderter Workshop stattgefunden. Hierbei wurden u.a. Personenrettungen mit Seilsystemen, Steigeisen und Akia, der Rettungswanne, in Theorie und Praxis trainiert. Sogar für die Rettung aus einem Hubschrauber heraus, die z.B. bei einem Loipenunfall in unzugänglichen Waldstücken erforderlich werden könnte, sind acht der Winterberger Bergretter in einem speziellen Luftsimulator geschult worden.

Jeder Einsatz wird dokumentiert

Während des WP-Gesprächs mit Markus Hennecke liegt ein Pieper auf dem Tisch. An der Garderobe der 2012 eingeweihten Bergrettungswache am Bremberg hängen rote Jacken über Helmen und schweren Schuhen, ein paar Schritte weiter warten in der Garage zwei Motorschlitten und ein Quad auf die Einsätze.

Nach einer Viertelstunde ist es soweit: Um genau 10.21 Uhr kommt der erste Alarm von der Rettungsleitstelle in Meschede, über die grundsätzlich alle Einsatzanforderungen laufen. Eine Kopfplatzwunde, die im Krankenhaus genäht werden muss. Marc und Jörg rücken umgehend aus. 20 Minuten später melden sie, dass sie nach der Erstversorgung einen Rettungswagen bestellt und die Übergabe des Patienten auf Parkplatz 3 organisiert haben. Um 10.52 Uhr sitzt Marc schon im Büro nebenan, denn jeder Einsatz wird schriftlich dokumentiert.

In NRW sind Einsätze der Bergwacht im Gegensatz zu Hessen und Bayern nicht im Rettungsdienstgesetz geregelt. Somit übernehmen die Krankenkassen die Kosten nur, wenn eine private Zusatzversicherung mit dem Punkt „Bergungskosten“ existiert. Ansonsten müssen die Verunglückten ab 50 Euro für eine ambulante Behandlung und bis 300 Euro für eine Behandlung mit Abtransport selber begleichen.

Aufgaben im Winter und Sommer

Und was macht eine Bergwacht im Sommer? Zu den normalen DRK-Aufgaben kommen da Sanitätseinsätze bei Großveranstaltungen und in besonders unwegsamem Gelände wie z.B. dem Dirt-Masters oder dem MTB-Marathon. Vier Baumrettungen von Gleitschirmfliegern hat es außerdem in 2014 gegeben.

11.22 Uhr, der nächste Alarm platzt ins Gespräch: Eine junge Niederländerin ist am Schneewittchenhang mit dem Snowboard gestürzt. Mit Blaulicht und Alarmsignal geht es in nur vier Minuten kreuz und quer über die verschiedenen Pisten - zügig, aber trotzdem vorsichtig wegen der vielen Skifahrer, die unterwegs sind. Markus kann aus Erfahrung an verschiedenen Schonhaltungen auf die Art der Verletzung schließen. Hier handelt es sich nach aller Voraussicht um eine Handgelenksfraktur, eine ganz typische Verletzung bei Snowboardfahrern.

Jetzt kommen auch die Grundkenntnisse in englischer und niederländischer Sprache zum Einsatz, die Markus sich für seine Arbeit angeeignet hat. Nach der ersten kurzen Untersuchung fixieren Jörg und Marc das Handgelenk mit eingespielten Handgriffen per Alu-Polsterschiene und Dreieckstuch, dann wird die Verletzte auf dem Motorschlitten zur Liftstation gebracht, wo sie zum Transport ins Krankenhaus übergeben werden kann. Ihr erster Winterberg-Urlaub überhaupt hat damit ein jähes Ende gefunden.

Luft- und Bodenrettungen

Doch nicht nur Rettungen auf dem Boden gehören zum Repertoire der Bergwacht. Angesichts der großen Sessellift-Anlagen im Skiliftkarussell wurden individuell auf die jeweiligen Liftkapazitäten zugeschnittene Alarmpläne ausgearbeitet und praktisch eingeübt, so dass Menschen aus in der Höhe steckengebliebenen Liftsesseln evakuiert werden können.

Der WP-Termin hat gut anderthalb Stunden gedauert, in dieser Zeit gab es zwei Einsätze - ein vergleichsweise ruhiger Vormittag also. Ab Samstag wird es durch das verlängerte Wochenende und die Krokusferien samt angekündigtem Traumwetter deutlich anziehen, sagt Markus voraus. Bis zum Abend sind noch fünf Einsätze hinzugekommen.

Alle Betroffenen haben die Winterberger Bergretter als bestens eingespieltes Team erlebt und trotz ihrer Notlage vielleicht eine Ahnung davon bekommen, dass sie sich auch hinter den Kulissen sehr gut verstehen. Markus begründet sein ehrenamtliches Engagement: „Wir können Menschen helfen und haben hier noch echte Freunde gefunden. Sinnvoller kann man seine Freizeit doch nicht verbringen.“