Wenn der Kandidat auf dem Wahlzettel fehlt
01.09.2009 | 15:28 Uhr 2009-09-01T15:28:00+0200
Olsberg. Auf dem Wahlzettel in Olsberg-Wiemeringhausen war der Kandidat der Grünen nicht zu finden. Ein Parteikollege stand stattdessen auf dem Blatt Papier. Das Brisante: Den Grünen fehlen gemeinsam mit der SPD nur sechs oder sieben Stimmen, um die CDU-Mehrheit im Ort zu brechen.
Sonntag gegen 17.40 Uhr betritt Franz-Josef Weigand die Wahlkabine. Ankreuzen will er dort, wo er es immer macht. „Halt, da stimmt doch was nicht.” Der Stadtratskandidat der Grünen in Olsberg-Wiemeringhausen reibt sich verwundert die Augen. Auf dem Zettel ist sein Name nirgendwo vermerkt. Dafür aber Fraktionskollege Tallet Durguter, der in Wiemeringhausen lebt, aber in Olsberg-Assinghausen kandidiert.
Ein schlechter Scherz?
Weigand glaubt zunächst an einen schlechten Scherz und geht zum Wahlvorstand. Mit ungläubigem Staunen wird das Papier mit dem Original-Stimmzettel verglichen. Tatsächlich. Ein falscher Name! Das Rathaus wird informiert. Doch kurz vor Toresschluss ist nichts mehr zu ändern. Die Stimmzettel werden weitergeleitet und ausgezählt.
Zuvor hat Weigand allerdings noch sein Kreuzchen gemacht. „An der Stelle meines Kollegen. Mir blieb ja nichts anderes übrig.” Dass der Fauxpas niemandem vorher aufgefallen ist, stimmt ihn nachdenklich. „Erst später haben mir einige Leute gesagt, dass ihnen der Name etwas komisch vorgekommen sei. Aber letztlich habe er ja an der Stelle der Grünen gestanden.”
Das ist ein Unding
Bruder Karl-Heinz Weigand, Ortsvereinsvorsitzender der Grünen, spricht von einem Unding. „So etwas darf nicht passieren.” Elmar Reuter, Noch-Bürgermeister und Wahlleiter, ist die Angelegenheit sichtlich unangenehm. „Es sind irrtümlich zwei unterschiedliche Wahlzettel gedruckt worden und dann in Umlauf gekommen.”
Am Mittwoch tagt der Wahlausschuss und wird über die Gültigkeit entscheiden. Fest steht, dass die Stimmen im gesamten Stadtgebiet noch einmal neu ausgezählt werden. „Der Wahlvorgang kann angefochten werden”, so Reuter. Daher wäre auch eine Wiederholung in Wiemeringhausen denkbar.
Neuauszählung
Ortsvereins-Chef Weigand will die Neuauszählung abwarten. „Wir wissen ja noch gar nicht, wieviele falsche Zettel abgegeben wurden oder ob es auch in anderen Bereichen Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Bei einem oder zwei Fehldrucken ist das Ganze sicherlich nicht so dramatisch.”
Pikant: SPD und Grünen fehlen im Dorf nur sechs oder sieben Stimmen, um die CDU-Mehrheit zu brechen. In einer Zählgemeinschaft, so erste Überlegungen, könnten beide Fraktionen bei entsprechendem Ergebnis einen eigenen Ortsvorsteher vorschlagen. SPD und Grüne hatten im Vorfeld angekündigt, dass sie den parteilosen Amtsinhaber Hubertus Moos unterstützen würden. Die CDU hat sich bis dato noch auf keinen eigenen Kandidaten festgelegt.
Was der neue Bürgermeister sagt
Der neue Bürgermeister Wolfgang Fischer: „Eine Wahlwiederholung sollte man sich gut überlegen.” Einen Ortsvorsteher benenne zudem nicht eine Zählgemeinschaft, sondern die Partei mit den meisten Stimmen.
16:19
Wer in Olsberg auch immer den Mist gebaut hat, er kann einem leid tun, den der alte und neue Bürgermeister sind ein klein wenig verstimmt. Das Herr Fischer einer Neuwahl in Wiemeringhausen mit gemischten Gefühlen entgegen sieht ist verständlich. Und da man seinen Äußerungen entnehmen kann, das er den Wunsch der Dorfbewohner bei der Wahl des neuen/alten Ortsvorstehers ignorieren wird, könnte es nach einer neuen Wahl ein böses Erwachen geben. Was sagte er am Sonntag Abend noch „ich möchte ein Rad im Getriebe sein“. Aber in Olsberg gibt es viele Sandkörner.
13:12
Wahlbetrug würde doch in der BRD nie vorkommen....echt jetzt?