Wenn der Enkel mit der „Bonus-Oma“ backt

Olsberg..  Die besten Reibekuchen der Welt backte die Oma. Mit dem Opa konnte man das genialste Baumhaus überhaupt bauen. Solche Erinnerungen zählen zu den schönsten Kindheitserlebnissen. Aber was, wenn die Großeltern zu weit weg wohnen oder gar verstorben sind? Das Olsberger Familienbüro will Familien, die keine echten Großeltern greifbar haben, die Möglichkeit geben, Bonus-Großeltern zu finden.

Familienmanagergin Jutta Maas erklärt: „Grundgedanke dieses Projektes ist der Wunsch nach Austausch der Generationen.“ Zielgruppe sind einerseits ältere Menschen ohne Familie am Ort, andererseits Familien mit kleineren Kindern ohne Großeltern am Ort. Beide zusammen zu bringen – das ist das erklärte Ziel des Projekts. Wenn der Kontakt gut anläuft, werden ältere Menschen als „Großeltern ehrenhalber“ ins Familienleben mit einbezogen.

Familien mit Kindern können eine kleine Unterstützung oft sehr gut gebrauchen. „Es tut auch gut, in einer Erziehungsfrage einmal eine andere Meinung einzuholen oder eine Frage bei den Hausaufgaben mal abgeben zu können“, erläutert die Olsberger Familienmanagerin. Bei allein erziehenden Müttern etwa könnte ein Bonus-Opa zur Vermittlung eines männlichen Rollenbildes einen wertvollen Beitrag leisten, zum Beispiel bei einem Opa-Enkel-Ausflug.

Motto: „Enkel dich fit“

Bürgermeister Wolfgang Fischer ist begeistert von der Idee und betont: „Dieses Projekt lebt vom Geben und Nehmen und vom freundschaftlichen Miteinander. Freude und Spaß sollen dabei absolut im Vordergrund stehen.“ Bonus-Großeltern schenken der jüngeren Generation Zeit, Zuwendung und Lebenserfahrung. Dafür erhalten sie Familienanschluss, werden gebraucht, können sich fit halten: „Enkel dich fit“ heißt eines der Schlagworte in diesem Zusammenhang.

In Deutschland und den Nachbarländern gibt es bereits vielfältige Ausprägungen dieser Projekt-Idee. Olsberg hat sich eine sehr niedrigschwellige Variante entschieden: Es müssen keine ellenlangen Fragebögen ausgefüllt oder Schulungen absolviert werden.

Die Stadt Olsberg stellt nur den äußeren Rahmen bereit, damit sich die Familien und die interessierten Bonus-Großeltern privat kennenlernen können. „Im ungezwungenen Kennenlernen geht es erst einmal darum, ob die Chemie stimmt“, sagt Jutta Maas. Ob konkret Kontakt aufgenommen wird, machen die Beteiligten miteinander aus. Auch die Regeln, Art und Umfang der Beziehung und der Kontakte bestimmen Familie und Bonus-Oma oder Bonus-Opa miteinander. Sie können ihr persönliches Miteinander ganz nach den beiderseitigen Vorstellungen gestalten.

Vielfältige Aktivitäten möglich

In enger Zusammenarbeit mit den beiden Olsberger Familienzentren soll es – je nach Bedarf – ein bis zwei Mal im Jahr die Möglichkeit zum Beispiel in Form einer kleinen Wanderung oder eines Treffens auf einem Spielplatz oder in einem Familienzentrum geben. Es geht nicht um Babysitterdienste oder gar das Erledigen von Hausarbeit. Es sprich aber nichts dagegen, dass die Bonus-Großeltern gelegentlich oder sogar auch regel-mäßig auf die Kinder aufpassen, wenn es passt und sich der Kontakt nicht darauf beschränkt. Bonus-Großeltern können an einem festen Nachmittag für die Kinder da sein oder auch flexibel. Auch gemeinsame Aktivitäten mit der Familie und den Bonus-Großeltern sind vorstellbar. Nicht nur Paare, auch einzelne Bonus-Omas und Bonus-Opas sind bei diesem Projekt willkommen.