Weniger Theorie, dafür mehr Praxis

Erste-Hilfe-Kurse bietet das DRK an. Dabei wird auch das Thema Reanimation behandelt.
Erste-Hilfe-Kurse bietet das DRK an. Dabei wird auch das Thema Reanimation behandelt.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In Sachen Erste-Hilfe-Ausbildung ändert sich einiges zum 1. April. Wir sprachen mit dem DRK-Kreisgeschäftsführer Thorsten Rediger.

Altkreis..  Die Erste-Hilfe-Ausbildung wird zum 1. April dieses Jahres bundesweit geändert. Eine entsprechende Revision hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung beschlossen. Zunächst betrifft das die betrieblichen Ersthelfer. Und zwar sowohl die, die eine Erstschulung (vorher 16 Unterrichtseinheiten, künftig nur noch neun) machen oder die, die ihre Kenntnisse weiterhin nach zwei Jahren auffrischen müssen. Die Auffrischer werden dann statt bisher acht künftig neun Stunden geschult. Heißt: die Grundschulung verkürzt sich von 16 auf 9 Unterrichtseinheiten; die Fortbildung wird von acht auf neun verlängert.

Ebenfalls angepasst werden könnte die Ausbildung in Lebensrettenden Sofortmaßnahmen für Führerscheinbewerber. Hier steht zurzeit die Fahrerlaubnisverordnung auf dem Prüfstand. Ein Ergebnis wird in Kürze erwartet. Die WP sprach zu diesem Thema mit dem Geschäftsführer des Deutschen-Roten-Kreuzes, Kreisverband Brilon, Thorsten Rediger.

Warum war diese Änderung aus Ihrer Sicht notwendig?

Die Ausbildung war bislang recht theoretisch angelegt. Was passiert im menschlichen Körper bei einem Herzinfarkt, was bei einem Schlaganfall? Die neuen Ausbildungsinhalte wollen weg von dieser Theorie und stattdessen mehr mit Bildern arbeiten, die sich den Kursteilnehmern schneller und besser einprägen. Man verzichtet künftig auf zu hohe Detailgenauigkeit und überflüssige medizinische Informationen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hat Deutschland mit die längste Laufzeit in Erste-Hilfe Kursen. Die Teilnehmer kommen in der Regel sehr motiviert zu uns. Sie wollen etwas machen. Daher starten wir demnächst sofort mit praktischen Beispielen. Was muss ich tun, wenn ich an einen Unfallort komme? Worauf muss ich auch zu meiner eigenen Sicherheit achten?

In Zeiten, in denen an vielen Orten mobile Defibrillatoren verfügbar sind, sollte der Ersthelfer doch vermutlich auch damit erste Erfahrungen sammeln?

Genau, das ist ein Beispiel. Aber gerade im Bereich der Reanimation, also der Wiederbelebung, hat es medizinische Vereinfachungen gegeben. Früher musste peinlich darauf geachtet werden, dass im Verhältnis 5:1 Herz-Druck-Massage und Beatmung gemacht wurden. Dann hieß es 15:2, heute 30:2. Mittlerweile geht man davon aus, dass im Ersthelfer-Bereich die Herzdruckmassage die wichtigste Position einnimmt: zur Not auch ohne Beatmung weil immer noch eine gewisse Menge an Rest-Sauerstoff im Kreislauf zirkuliert. Bei der Frequenz der Druckmassage helfen aber auch so Eselsbrücken wie im Takt von „Stayin’ alive“ oder „Dancing Queen“ zu reanimieren. Das sind rhythmisch gesehen 100 bis 120 Beats pro Minute. Auch bei der stabilen Seitenlage gab es immer wieder schon mal Änderungen. Diese Novellierung ist die erste, bei der der gesamte Ausbildungsablauf und –inhalt geändert wurde.

Führerscheinbewerber brauchen diesen Erste-Hilfe-Nachweis, aber auch in Betrieben müssen Ersthelfer ausgebildet sein. Gibt es da Richtlinien?

Man sagt, bei Betrieben mit bis zu 20 Personen muss ein Ersthelfer geschult sein; bei einer größeren Belegschaft sollten es zehn Prozent der Mitarbeiter sein. Unser Kreisverband verfährt inzwischen so, dass wir die Firmen, die einmal bei uns fortgebildet wurden, nach zwei Jahren anschreiben und auf die nächste Fortbildung hinweisen. Wichtig ist es uns auch, dass wir mit bedarfsgerechten Bausteinen arbeiten. Wir fragen, was ist bei Euch in den vergangenen Jahren an Unfällen passiert. In einem Metallbetrieb können schon mal Späne in die Augen fliegen; in einem Holzbetrieb kann es Schnittverletzungen geben, im Kindergarten Schürfwunden. Dann schulen wir entsprechend intensiv in den Risiko-Bereichen.

Wer muss die Ausbildung in Betrieben eigentlich zahlen?

Das übernimmt die Berufsgenossenschaft. Der Arbeitgeber muss seine Mitarbeiter lediglich für die Zeit freistellen. Wo es tagsüber nicht geht, lässt sich auch nach Feierabend oder an Wochenenden ein Termin finden.

Und was kostet so eine Erste-Hilfe-Ausbildung?

Für die neun Unterrichtseinheiten werden wir 35 Euro berechnen. Junge Leute, die den Nachweis für den Führerschein brauchen und unter 18 Jahre alt sind, zahlen 30 Euro.

Wie viele Ausbilder sind eigentlich im Altkreis tätig und wie viele Leute lassen sich im Durchschnitt schulen?

Wir haben 24 Ausbilder, davon zwei Hauptamtliche, die das wochentags anbieten. In 2014 hatten wir rund 3000 Teilnehmer; das ist ein Spitzenwert. Die meisten kommen aber, weil sie den Nachweis z.B. als Übungsleiter brauchen. Sehr gute Erfahrungen haben wir in einem gemeinsamen Kursus mit der Barmer gemacht. „Fit in Erster Hilfe“ war ein zweistündiger Crash-Kursus, bei dem wir das Haus richtig voll hatten.