Was keiner vermisst, kommt unter den Hammer

Am vergangenen Montag kamen im Rathaus Winterberg viele herrenlose Fundstücke für kleines Geld unter den Hammer.
Am vergangenen Montag kamen im Rathaus Winterberg viele herrenlose Fundstücke für kleines Geld unter den Hammer.
Foto: Gerd Hermann
„Zum ersten, zum zweiten uuuuund........zum dritten!“ Für einen Rathausbetrieb eher ungewöhnliche Wortwechsel schallen aus dem Ratssaal in Winterberg. Dort findet eine Versteigerung von Fundsachen statt, die vor mehr als sechs Monaten im Fundbüro beim Ordnungsamt abgegeben und seitdem nicht abgeholt wurden.

Winterberg..  „Zum ersten, zum zweiten uuuuund........zum dritten!“ Für einen Rathausbetrieb eher ungewöhnliche Wortwechsel schallen aus dem Ratssaal in Winterberg. Dort findet eine Versteigerung von Fundsachen statt, die vor mehr als sechs Monaten im Fundbüro beim Ordnungsamt abgegeben und seitdem nicht abgeholt wurden.

Wenn auch der Finder kein Interesse daran hat, kommen sie nach dieser Frist alle zwei bis drei Jahre unter den Hammer - und den schwingen, zumindest symbolisch, die beiden Bürgerservice-Mitarbeiterinnen Beate Lücke und Susanne Ladleif. Die beiden haben im Vorfeld eine Menge Arbeit investiert, denn alle Fundstücke werden mit den vorhandenen Daten aufgelistet, überprüft, bei Händlern oder im Internet der Neu- bzw. Marktwert erfragt. Es gibt einen Fundsachenordner, in dem Anfragen abgespeichert sind, die mit den vorhandenen Fundstücken abgeglichen werden. Wer einen Gegenstand verloren hat, muss ihn genau beschreiben, damit auch sichergestellt ist, dass er der rechtmäßige Eigentümer ist.

Buntes Sammelsurium

Eine halbe Stunde vor Auktionsbeginn darf das bunte Sammelsurium begutachtet werden. Rund 50 Interessenten haben sich eingefunden, die auf ein Schnäppchen hoffen. Zahlreiche Handys liegen aus, zwölf Fahrräder, eine vollgepackte Sporttasche, Schmuck- und Kleidungsstücke, sogar ein Hörgerät und ein Step-Trainer. So große Teile werden auch schon mal „freiwillig“ verloren, vermutet Ordnungsamtsleiter Andreas Hester.

Eine neuwertige Digital-Kameravon Kodak wechselt für den Einstiegspreis von fünf Euro den Besitzer. Bezahlt wird - wie allgemein bei Auktionen üblich - in bar und sofort. Ein Rucksack geht zusammen mit einer schicken Bench-Jacke mit einem Startgebot von fünf Euro ins Rennen und findet letztlich für zwölf Euro ein neues Zuhause. An die Marken-Langlauf-Schuhe, die im Laden 200 Euro kosten, will jedoch auch für 10 Euro niemand ran. Ein Vodafone-Handy ist für vier Euro zu haben, eine Lesebrille für 50 Cent, drei Sonnenbrillen zusammen für einen Euro. Eine neue Traveller-Videokamera, deren Linse noch mit der Verpackungs-Folie bezogen ist und die laut Recherche von Beate Lücke neu rund 160 Euro kostet, wird für das Mindestgebot von 40 Euro verkauft.

„Wir überprüfen die Fundsachen alle. Wenn sie offensichtlich kaputt sind, kommen sie nicht in die Versteigerung; eine Gewährleistung können wir jedoch nicht geben“, berichtet Andreas Hester. Defekte Teile und Schlüssel werden vernichtet.

Datenschutz beachten

Immer öfter stellt sich diese Frage mittlerweile bei modernen Handys oder Tablets, auf denen viele persönliche Daten gespeichert sind. Die EDV-Experten der Stadt Winterberg überprüfen diese, ob anhand der Daten die Eigentümer ermittelt oder ggf. die Daten gelöscht werden können. Ist das nicht möglich, darf ein solches Gerät aus Datenschutzgründen nicht versteigert werden.

Bei einem mit Steinen besetzten silbernen Dolce&Gabbana-Armband kommt richtig Bewegung ins Publikum: Gleich mehrere Bieter treiben den Startpreis von zehn Euro hoch, die Gebote gehen wie Pingpong-Bälle hin und her, teilweise erst in letzter Sekunde. „24 Euro ...und zum dritten!“ Am Ende des Nachmittages haben alle profitiert: Die Stadtkasse ist um 500 Euro reicher, viele Besucher um ein Schnäppchen. Und wer nichts ersteigert hat, hatte sich zumindest gut unterhalten.

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